Klimt erwacht zum Leben
„Klimt persönlich“ im Leopold Museum: Leben und Menschlichkeit eines Künstlers
Seine Werke sind weltberühmt, seine menschliche Seite schlummert im Verborgenen: Im Leopold Museum lenkt eine neue Ausstellung zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt den Blick auf persönliche und private Seiten des Künstlers, die sonst nur seiner Familie und den engsten Freunden bekannt waren. Zu Lebzeiten traf Gustav Klimt auf vehemente Ablehnung einerseits und grenzenlose Begeisterung andererseits. Gerne verbarg er sich hinter einer selbst errichteten Mauer; aus seinem gesamten Schaffensprozess sollte kein einziges Selbstporträt hervorgehen. Die Ausstellung zeigt Fotografien, Atelier-Rekonstruktionen und zahlreiche Briefe Klimts an die Modeschöpferin Emilie Flöge, seine jahrelange Lebensgefährtin und vertraute Freundin, Fotografen. Die Besucherinnen und Besucher gehen auf Kurztrips nach Schönbrunn und Ravenna, und auf Sommerfrische an Klimts heiß geliebten Attersee.
Apfelbaum, Fakultät und goldener Ritter
Trotz der zahlreichen Klimt-Projekte, die im Jubiläumsjahr 2012 gleichzeitig realisiert werden, kann das Leopold Museum mit einer bemerkenswerten Menge an monumentalen Werken Gustav Klimts aufwarten. Darunter fallen einige seiner bekanten Landschaftsgemälde: „Am Attersee“, „Die große Pappel“, „Schönbrunner Landschaft“ und „Apfelbaum“, das seit seiner Restitution erstmals wieder in Österreich zu sehen ist. Neben der 1910 begonnenen Allegorie „Tod und Leben“ bekommt man auch selten gezeigte Werke wie „Der goldene Ritter. Das Leben ist ein Kampf“ aus dem japanischen Nagoya zu Gesicht. Das Gemälde stammt aus der sogenannten „Goldenen Periode“ Klimts, die von den goldenen Kirchenmosaiken in Ravenna inspiriert wurde. Ein Raum widmet sich den einem Brand zum Opfer gefallenen Fakultätsbildern von Klimt.
SMS in Postkartenformat
Das sich hartnäckig erhaltende Gerücht, dass Klimt schriftlich nichts Essentielles hinterlassen habe, wird auf der Ausstellung beseitigt: 20 Jahre hindurch schrieb der Maler mehrmals pro Tag Kurznachrichten an seine Freundin Emilie Flöge. Und das in einem stark vereinfachten Stil, der an heutige SMS erinnert: „hatsche momentan allein am Pariser Pflaster umananda" lässt er sie beispielsweise 1909 aus Paris wissen – ohne Anrede, ein „G.“ am Ende reicht als Unterschrift. Die meisten der rund 400 erhaltenen Postkarten und Briefe gehören zum Privatbesitz der Familie Leopold oder stammen aus der Österreichischen Nationalbibliothek.
Aus dem Blickwinkel der Fotografie
Einblick in das private Leben des Malers bekommt man außerdem dank einer bisher nie dagewesenen Fülle an historischen Fotoaufnahmen. Moritz Nähr, Anton Josef Trcka, Madame d'Ora und andere große Fotografinnen und Fotografen der damaligen Zeit zeigen uns Klimt in entspannter Atmosphäre am Attersee: im Malerkittel, mit Katze im Arm oder im Ruderboot. Klimt persönlich eben.
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„Klimt persönlich“ im Leopoldmuseum
Artikel von Sophia Schnack




























