ÖVP: Wollen die Nummer 1 stellen!

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Asdin El Habbassi von der ÖVP im Interview über Reformen und den lächelnden Werner Faymann

Lange ist er noch nicht auf der bundespolitischen Bühne zu sehen, dennoch konnte Asdin El Habbassi, Chef der Jungen ÖVP Salzburg und Nummer fünf auf der ÖVP-Bundesliste, in den letzten Monaten viel Erfahrung im Interview-Geben sammeln. Zumeist drehten sich die Interviews um seinen Background, denn der ist einzigartig: El Habbassi ist der erste Moslem, der für die ÖVP in den Nationalrat einziehen wird.

Wir haben den Salzburger mit marokkanischen Wurzeln ausnahmseise nicht gefragt, ob er der Quoten- und Vorzeigemigrant der ÖVP ist. Lieber wollten wir wissen, wann die Regierung endlich mit dem Schuldenabbau anfängt und was er gegen die „Generation Praktikum“ unternehmen möchte. Bezüglich der Nationalratswahl gibt sich El Habbassi selbstbewusst: Die ÖVP will die Nummer eins stellen. Koalitionen würde er mit jeder Partei eingehen, die FPÖ müsse sich dafür aber von ihrem „sehr rechtslastigen Kurs wegentwickeln“.

mokant.at: Die ÖVP wirbt damit, dass die Wirtschaft entfesselt werden soll. Welche Fesseln sollen denn abgeschüttelt werden?
Asdin El Habbassi: Wir haben sehr bürokratische Abläufe. Junge Unternehmer, die ein Unternehmen gründen wollen, müssen wahnsinnig viele Hürden nehmen. Unser Ziel ist es, diese Hürden abzubauen. Es soll attraktiv sein für Neugründer, ihre Ideen umzusetzen und damit Arbeitsplätze zu schaffen.

mokant.at: Also geht es beim Stichwort „Entfesselung der Wirtschaft“ hauptsächlich um die Neugründung von Unternehmen?
El Habbassi: Eine funktionierende Wirtschaft lebt davon, dass neue Firmen gegründet werden. Ein anderes Thema ist die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Wenn eine Firma eine sehr gute Auftragslage hat, kann es sein, dass es in diesem Zyklus mehr Arbeit gibt. Man sollte sich firmenintern darauf einigen dürfen, dass in solchen Zeiten mehr gearbeitet wird.

mokant.at: Wie will man gewährleisten, dass die Arbeitgeber das nicht ausnutzen? Die geregelte Arbeitszeit dient dem Schutz der Arbeitnehmer.
El Habbassi: Wir wollen ja nicht die Regeln abschaffen. Wir wollen die Regeln nur flexibler gestalten, so dass Unternehmer gemeinsam mit dem Betriebsrat Vereinbarungen treffen können. Es geht darum, dass Unternehmen nicht zu Tode verwaltet werden, sondern die Möglichkeit haben, die Bedingungen in Zusammenarbeit mit Vertretern der Arbeitnehmer zu gestalten.

mokant.at: Besteht nicht trotzdem die Gefahr, dass das nur der Anfang ist und die Rechte der Arbeitnehmer immer mehr beschnitten werden?
El Habbassi: Die ÖVP war immer schon ein starker Befürworter der Sozialpartnerschaft, das soll auch beibehalten werden.

mokant.at: Bereits jetzt sind viele Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, etwa in Teilzeit oder haben Minijobs.
El Habbassi: Teilzeit ist nicht immer ein prekäres Arbeitsverhältnis, da gibt es eine sehr hohe Nachfrage. Wo wir ein Problem haben, ist bei der sogenannten „Generation Praktikum“. Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, dass ein Praktikum dazu dient, Erfahrungen zu sammeln. Wenn die Erfahrungen da sind, soll das in ein klassisches Arbeitsverhältnis übergehen, damit junge Leute – wie wir – nicht jahrelang in Praktika sitzen.

mokant.at: Sollten gratis Praktika abgeschafft werden?
El Habbassi: Es gibt Bereiche, in denen Praktika ohne Entgelt vielleicht Sinn machen. In der Regel bin ich der Meinung: Wenn jemand etwas leistet, dann soll er dafür auch was bekommen.

mokant.at: Sollte es nicht einen Mindestlohn dafür geben? Praktikanten machen oft für gerade einmal 500 Euro dieselbe Arbeit, wie die anderen Mitarbeiter.
El Habbassi: Wenn ein Praktikant dieselbe Arbeit macht, wie die Arbeitnehmer, soll er auch dasselbe bekommen. Ein Praktikant darf nicht die klassische Arbeit eines Angestellten machen. Wenn das der Fall ist, muss er in ein reguläres Arbeitsverhältnis kommen.

mokant.at: Viele wandern ja über Jahre von einem Praktikum zum nächsten. Wie kann man das stoppen?
El Habbassi: Man muss es ermöglichen, dass Unternehmen wieder Arbeitsplätze schaffen. Wenn neue Betriebe entstehen, schafft es Arbeitsplätze und dann kommt man weg von dieser Praktika-Generation.

mokant.at: Die ÖVP will in den nächsten Jahren 420.000 Arbeitsplätze schaffen. Wie wollen Sie das erreichen?
El Habbassi: In erster Linie muss man die Bürokratie abschaffen. Viele Unternehmen überlegen sich, ob sie nach Österreich kommen, ob sie in Österreich bleiben. Junge Leute haben eine Geschäftsidee und scheitern daran, dass sie rechtliche Voraussetzungen nicht erfüllen oder keinen Zugang zu Risikokapital bekommen. Es gibt Zugänge, die das ändern könnten. Ein Zugang wäre die GmbH light, die es ermöglicht, dass man mit einem geringeren Eigenkapital eine GmbH gründet.

mokant.at: Woran liegt es, dass viele Unternehmen abwandern?
El Habbassi: Wir sind in einem globalen Wettbewerb und da gibt es die verschiedensten Faktoren: Die Bildung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Steuerbelastung, die geografische Lage. Der Weg geht in Richtung einer Wirtschaft, die sehr dienstleistungs- und ideenlastig sein wird. Man muss die Voraussetzungen in der Bildung schaffen, durch die der Ort im Vergleich zu anderen Wirtschaftsstandorten attraktiver ist.

mokant.at: Aber Unternehmen wandern ja nicht in andere Länder ab, weil die Bildung dort besser ist. Eher, weil dort eine billigere Produktion möglich ist, auch wegen mangelnder Rechte der Arbeiter.
El Habbassi: Da müssen wir vorsichtig sein. Da geht es um Produktionsunternehmen, wo das Produkt nicht sehr aufwendig ist, wo kein Knowhow-Bedarf da ist. Diese Unternehmen tun sich leicht irgendwo hinzuwandern. Wir werden nicht verhindern können, dass sie in Länder abwandern, wo es günstiger ist. Die Zukunft wird aber dort sein, wo es um Innovation geht, um Technologie, wo besonderes Knowhow gefordert ist. Es gibt viele Unternehmen, die bewusst in Österreich sind, obwohl sie irgendwo anders vielleicht billiger produzieren könnten. Hier haben sie tolle Fachhochschulen, Universitäten, das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung mit Lehre und einer Allgemeinbildung.

mokant.at: Wie genau kommt man auf die Zahl von 420.000 neuen Arbeitsplätzen?
El Habbassi: Das ist eine Zielsetzung. Wir kommen auf sie anhand der verschiedenen Maßnahmen und dem Potenzial, das man sich für diese errechnet. Ob das jetzt 200 oder 300 mehr sind, ist nicht Sinn der Sache. Sinn der Sache ist, dass man ein Ziel, eine Vision hat, auf die man hinarbeitet und versucht verschiedene Maßnahmen dahingehend zu ergreifen.

mokant.at: Ich würde gerne noch auf einen weiteren Punkt zur Entfesselung der Wirtschaft eingehen. Im ÖVP Wahlprogramm steht, man möchte Anreize für Investitionen in ländlichen Regionen schaffen, Konkretes sucht man vergeblich. Sie selbst kommen ja aus Hallein in Salzburg. Welche Anreize würden Sie dort schaffen?
El Habbassi: In den Regionen ist die Infrastruktur ein großes Thema. Es geht etwa darum, ob ein rascher Transport über die Schiene möglich ist. Ein anderer Punkt ist die Bildung. Es gibt in Salzburg ein Holztechnikum, das macht es für Holzbetriebe attraktiver dorthin zu kommen. Durch Bildungseinrichtungen oder durch gezielte Förderungen für gewisse Wirtschaftszweige kann man es ermöglichen, dass sich Betriebe ansiedeln.

mokant.at: Muss die Politik Geld in die Hand nehmen und investieren?
El Habbassi: Ja und nein. Wir müssen schauen, welche bürokratischen Hürden es verhindern, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Dann können wir Anreize für Unternehmen schaffen in Österreich zu bleiben, ohne dass wir den Schutz der Arbeitnehmer vernachlässigen.

mokant.at: Aber gerade wenn die Infrastruktur noch nicht da ist, dann müsste man doch Geld in die Hand nehmen um diese zu schaffen?
El Habbassi: Absolut. Es wird natürlich auch Investitionen benötigen. Das Ziel sollte nur sein, dass man nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sondern schaut, welche Erfolgsaussichten eine Maßnahme hat.

mokant.at: Wie viel Geld ist die ÖVP bereit zu investieren?
El Habbassi: Es geht es nicht darum, wie viel wir bereit sind, auszugeben. Man muss sich zusammensetzen und überlegen, welche Maßnahmen Sinn machen und wie viel sie kosten. Ich kann Ihnen keine Zahl nennen. Es sollte nur in einem Rahmen sein, der uns keine zusätzliche Schuldenbelastung aufbaut. Der Fokus sollte darauf liegen, dass man teure Strukturen in der Verwaltung und bürokratischen Aufwand reduziert.

mokant.at: Über eine Verwaltungsreform wird schon lange geredet, warum ist in der Hinsicht noch nichts passiert?
El Habbassi: Es geht um die Reformbereitschaft. Die ÖVP sagt, dass es so nicht weitergehen kann und will deswegen die Nummer eins stellen. Je stärker und klarer eine politische Mehrheit ist, desto einfacher kann man Dinge umsetzen. Es wird immer schwierig, wenn die Kräfteverhältnisse sehr ausgewogen sind.

mokant.at: Also scheitert die Verwaltungsreform am Reformunwillen des Koalitionspartners?
El Habbassi: Es gibt durchaus Dinge, die wahrscheinlich daran scheitern.

mokant.at: Konkret die Verwaltungsreform: Scheitert sie daran, dass die SPÖ nicht will?
El Habbassi: Ich denke, dass das mit ein Grund ist. Wir brauchen wieder Politiker, die bereit sind, in Konflikte hineinzugehen. Politiker, die vielleicht Gegenwind spüren, aber begründen, warum etwas eine wichtige Maßnahme ist und diese dann auch umsetzen. Die nicht immer nur warten, was der Boulevard sagt, sondern die Maßnahmen setzen, die sie für notwendig erachten.

mokant.at: Beim letzten TV-Duell mit Kanzler Werner Faymann hat sich Vizekanzler Michael Spindelegger sehr konsensorientiert gezeigt. Sollte er als ÖVP-Parteichef mehr auf Konfrontation gehen?
El Habbassi: Die Menschen haben keine Lust auf Konfrontation, wenn es um ideologische Grabenkämpfe geht. Die Leute wollen, dass sich Politiker mit Sachproblemen auseinandersetzen und gemeinsam an der Lösung arbeiten. Man sollte keine Konfrontation herbeiführen, wo es keine gibt. Wenn es unterschiedliche Standpunkte gibt, müssen wir aber in der Lage sein, diese zu argumentieren.

mokant.at: Sie haben vorhin die Schuldenbelastung angesprochen. Wann will man beginnen, die Schulden abzubauen?
El Habbassi: Wir von der Jungen ÖVP wollen die Wirtschaftsverfassung, die es verbietet, mehr auszugeben, als man einnimmt. Erste Schritte sind mit der Schuldengrenze gesetzt worden. Wir wollen, dass es im Verfassungsrang verankert wird und kein Weg daran vorbeiführt. Wenn es nach mir geht, sollten wir bis 2016 damit beginnen, ein Nulldefizit zu erreichen und 2020 beginnen, aktiv Schulen zurückzuzahlen.

mokant.at: Die ÖVP stellt schon den dritten Finanzminister in Folge. Im Budget für 2013 von Ministerin Maria Fekter gibt es wieder ein Defizit mit 75 Milliarden Ausgaben und 69 Milliarden Einnahmen. Wird die JVP von ihrer Mutterpartei nicht erhört?
El Habbassi: Wir werden sicher auch in der eigenen Partei den Druck erhöhen. Dass ein Nulldefizit in einer Krisenzeit eine schwere Sache ist, ist verständlich. Das Ziel muss sein mit dem Schuldenabbau zu beginnen, sobald gewisse Reserven da sind. Die Grundlage dafür ist, dass wir 2016 bei einem Nulldefizit sind und keine neuen Schulden mehr aufbauen.

mokant.at: Es ist auffällig, dass immer Jahreszahlen in der Zukunft genannt werden und nie jemand sagt: Wir fangen jetzt sofort mit dem Schuldenabbau an.
El Habbassi: Nein, wir sollen den Schuldenabbau jetzt starten. Ich bin aber Realist. Wenn wir jetzt Maßnahmen setzen, werden die erst in drei bis vier Jahren greifen. 2016 werden die ersten Auswirkungen sichtbar sein und dann wird es eine gewisse Zeit brauchen, dass man wirklich Schulden zurückzahlt.

mokant.at: Haben sie keine Angst, dadurch Wählerstimmen zu verlieren?
El Habbassi: Ich bin in die Politik gegangen, um Reformen voranzutreiben. Dazu muss man die Furcht ablegen Wählerstimmen zu verlieren. Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar, sie wissen von den Problemen. Wenn man ihnen erklärt, wozu eine Maßnahme ist und nachvollziehbar zeigt, dass man die Voraussetzungen schafft, damit alle davon profitieren, dann wird es auch bei den Wählern Unterstützung geben.

mokant.at: War es aber nicht genau diese Angst, die bisher alle Regierungen davon abgehalten hat, den Schuldenabbau anzugehen? Die ÖVP ist seit 1987 ohne Unterbrechung in der Regierung.
El Habbassi: Als wir mit Wolfgang Schüssel den Bundeskanzler gestellt haben, sind sehr wichtige Schritte gesetzt worden. Man hat Maßnahmen gesetzt, die als sehr hart wahrgenommen worden sind und wo es starken Gegenwind gegeben hat, die aber rückblickend wieder oft gelobt werden. Wenn man Reformpolitik macht, dann ist es keine Schönwetterpolitik, wie man jetzt beim Kanzler sieht, wo man schön in die Kamera lächelt und mit allem gut dasteht. Sondern es ist eine, wo es härtere Zeiten geben kann, die aber dann den Wohlstand für Generationen sichert.

mokant.at: Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie jetzt setzen? Wo wollen Sie sparen?
El Habbassi: Es gibt im Verwaltungsbereich enorme Möglichkeiten um einzusparen. Eine erste wichtige Maßnahme wäre das faktische Pensionsantrittsalter an das gesetzliche anzupassen. Da haben wir jetzt ein Gap von sieben Jahren. Jedes Jahr, das wir gewinnen, wird uns 1,2 Milliarden Euro bringen.

mokant.at: Österreich hat über 200 Milliarden Schulden. Die Anpassung des Pensionsantrittsalters wird also zu wenig sein. Wo will die ÖVP noch sparen?
El Habbassi: Ein Jahr würde uns schon 1,2 Milliarden Euro bringen. Das Nulldefizit ist dann schnell erreicht. Ein zusätzlicher Punkt wäre die Wiedereinführung der Studiengebühren, zusammen mit einem Stipendiensystem.

mokant.at: Wie hoch sollten diese Studiengebühren sein?
El Habbassi: Im Bereich zwischen 300 bis 500 Euro.

mokant.at: Das ist aber nur ein Bruchteil von dem, was die Uni braucht.
El Habbassi: Die Studiengebühren alleine werden die Uni nicht finanzieren, aber sie würden den Kostenbedarf senken. Ich habe dann 300 Millionen Euro mehr im Jahr.

mokant.at: Wie möchten Sie gewährleisten, dass es bei diesen 500 Euro bleibt? Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle hat in einem früheren Interview mit mokant gesagt: „Wenn der Gesetzgeber dann findet, dass es mehr sein soll, dann ist es halt mehr.“
El Habbassi: Man muss einen Betrag festlegen, der machbar ist. Wir haben Daten von Umfragen, wo viele Leute sich vorstellen können, einen Betrag von bis zu 500 Euro zu zahlen. Wichtig ist, dass es ein Stipendiensystem gibt, das sozial Schwächeren die Chance gibt ein Studium zu absolvieren, damit es zu keiner sozialen Selektion kommt.

mokant.at: Wenn man den Grundsatz des freien Zugangs bricht, besteht nicht die Gefahr, dass die Gebühren immer mehr erhöht werden und Studieren nur noch für eine soziale Elite leistbar wird?
El Habbassi: Das glaube ich nicht. Es ist wichtig, Bildung zu ermöglichen und auch als Staat gewisse Investitionen zu machen. Es ist genauso wichtig, dass Leute, die das in Anspruch nehmen, einen Beitrag leisten. Jetzt finanziert in Wahrheit jeder Arbeitnehmer dem Studenten das Studium.

mokant.at: Aber das ist ja das Prinzip eines Sozialstaats. Sollte sich der Staat zurückziehen?
El Habbassi: Nein, nein, absolut nicht. Im sozialen Bereich brauchen wir ein klares Bekenntnis zum Sozialstaat und zur sozialen Marktwirtschaft. In vielen Bereichen macht weniger Staat aber durchaus Sinn. Die Menschen sollten wieder mehr darüber nachdenken, was sie wollen und die Möglichkeiten haben, frei zu gestalten.

mokant.at: Auf der Bundesliste der ÖVP findet man viele neue und junge Gesichter. Sie selbst sind einerseits erst 26 und andererseits der erste Moslem, der für die ÖVP in den Nationalrat zieht. Repräsentieren Sie eine Neuausrichtung der Partei?
El Habbassi: Uns ist wichtig, auf unseren Traditionen und Werten basierend Politik für die Zukunft zu machen. Wir sind die einzige Partei, die im Moment vielen Menschen unter dreißig Jahren die Chance gibt, die Politik mitzugestalten; die dazu beiträgt, dass es eine Mischung aus allen möglichen Generationen und verschiedenen Backgrounds gibt.

mokant.at: Menschen, die knapp über 20 sind, haben aber noch nicht viel Erfahrung. Geht die ÖVP weg von Sachthemen hin zu jungen, gut wirkenden Gesichtern?
El Habbassi: Sebastian Kurz hat es geschafft inhaltlich gute Arbeit zu machen. Er hat das  Thema Integration, das mit rechter Hetze und linker Träumerei besetzt war, zu einer lösungsorientierten Politik geführt. Ich selbst bin seit acht Jahren in der Politik tätig. Ich war Schulsprecher, Landesschulsprecher, Bildungssprecher der JVP. Ich bin vielleicht noch nicht lange auf der Bundesbühne zu sehen, habe aber meine Erfahrungen gesammelt und jahrelang Funktionen in der Partei gehabt. Es geht nicht darum, wie alt jemand ist, sondern was jemand tatsächlich gestaltet.

mokant.at: Auch angesichts Ihrer Kandidatur: Wird die ÖVP aus einer Wirtschaftspartei mit christlich-konservativen Werten zu einer liberalen Wirtschaftspartei?
El Habbassi: Die ÖVP ist eine christdemokratische Partei und hat christlich-soziale Werte, wie Familie, Eigenverantwortung und Leistung, die alle eine große Rolle spielen, genauso wie das Unternehmertum.

mokant.at: Die Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt, Ursula Stenzel, hat die ÖVP als zu liberal kritisiert.
El Habbassi: Wenn wir zu liberal wären, wäre ich nicht in der ÖVP. Die ÖVP hat ein gutes Wertefundament, das auf den christlich-sozialen Werten aufbaut, sich aber nicht an der Vergangenheit festhält, sondern nach vorne schaut.

mokant.at: Sie hat auch gemeint, sie kenne Menschen, die auf Grund Ihrer Kandidatur die ÖVP nicht wählen.
El Habbassi: Ich habe mit ihr ein Telefonat gehabt. Sie hat gesagt, sie hat damit nicht mich ansprechen wollen. Im Endeffekt braucht man das nicht überzubewerten. Die Leute wählen Menschen wegen ihrer Arbeit, wegen ihrer Inhalte. Ich habe ein gutes Angebot für die Leute, die wollen, dass über Parteigrenzen hinweg konstruktiv an Lösungen gearbeitet wird.

mokant.at: Könnte ihre Kandidatur also nicht Menschen davon abschrecken, die ÖVP zu wählen?
El Habbassi: Jeder, der mich kennt, weiß wofür ich stehe. Sie wissen, dass ich das christlich-soziale Wertefundament der Partei teile, und konstruktive Politik machen möchte.

mokant.at: Ich denke aber weniger an Menschen, die Sie kennen. Mehr an Menschen, die immer eine christlich-soziale Partei gewählt haben, die jetzt auf einmal einen Moslem auf ihrer Liste hat.
El Habbassi: Religion prägt meine Werte und diese sind komplett dieselben. Die Werte sind auch unter anderem, dass es eine Trennung von Staat und Religion gibt. Unsere Wähler, die Religion als Chance und etwas Positives erleben, werden auch kein Problem damit haben, dass ich auf der Liste stehe.

mokant.at: Wie hoch stehen Ihre Chancen irgendwann Bundesobmann der ÖVP zu werden?
El Habbassi: Ich habe nicht vor jetzt Bundesparteiobmann der ÖVP zu werden.

mokant.at: Wäre Ihre Religion ein Hindernis?
El Habbassi: Die Religion sollte nicht ausschlaggebend dafür sein, ob man Bundesparteiobmann wird oder nicht.

mokant.at: ÖVP-Obmann Michael Spindelegger selbst hat gesagt, der Vorsitzende der ÖVP sollte Christ sein.
El Habbassi: Wenn er das so sieht, habe ich damit kein Problem. Das ist seine Meinung.

mokant.at: Würde also irgendwann der Punkt kommen, wo Sie auf Grund Ihrer Religion nicht weiter in der ÖVP aufsteigen können?
El Habbassi: In der ÖVP geht es nicht darum, welchen Glauben jemand hat, sondern wofür er steht und was er macht.

mokant.at: Spindelegger scheint es anders zu sehen.
El Habbassi: Das kann ich nicht beurteilen.

mokant.at: Ein letztes Thema: Mit welcher Partei würden Sie nie eine Koalition eingehen?
El Habbassi: Ich bin Demokrat, deswegen würde ich keine Partei, die demokratisch gewählt worden ist, von der Regierung ausschließen. Unser Ziel ist es, Nummer eins in Österreich zu werden und wir wollen dann mit der zweitstärksten Partei die Koalitionsgespräche führen.

mokant.at: Auch mit der FPÖ?
El Habbassi: Wenn sie sich von ihrem jetzigen sehr rechtslastigen Kurs wegentwickelt und es inhaltlich und personell passt.

mokant.at: Wenn die FPÖ jetzt nach der ÖVP Zweiter werden sollte?
El Habbassi: Die Koalitionsgespräche wird der Parteiobmann führen und wir würden die nächststärkste Partei in Gespräche einbeziehen, egal wer das ist. Dann muss man schauen, ob es eine inhaltliche Übereinstimmung gibt.

mokant.at: Aber die FPÖ müsste sich von früheren Plakaten, wie etwa „Daham statt Islam“ distanzieren?
El Habbassi: Ich glaube, dass es keine Regierung mit solchen Plakaten geben kann.

mokant.at: Erwarten Sie von Strache ein Bekenntnis zu „Daham mit Islam“?
El Habbassi: Das würde ich so nicht sagen. Wir wollen uns aber nicht an irgendwelchen vergangenen Plakaten aufhängen, sondern wir wollen nach vorne schauen. Dafür brauchen wir Übereinstimmungen bei den Inhalten, bei den Reformvorschlägen, bei den Ideen, wie Österreich in Zukunft ausschauen soll. Wenn diese Übereinstimmungen gegeben sind und sich diese Partei auch in einem gesetzlichen und demokratischen Rahmen bewegt, kommt sie prinzipiell als Koalitionspartner in Frage.

Titelbild: (c) Georg Marlovics

Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

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