Frage der Woche: Warum bist du am Nuit Debout?

Das erste Nuit Debout in Wien war sehr spärlich besucht. Wir haben Teilnehmer, Passanten und spontane Zuhörer gefragt, warum sie überhaupt hier sind.

Am Sonntag fand am Schwarzenbergplatz das erste Nuit Debout in Wien statt. Die soziale Bewegung, die übersetzt „Die Nacht über wach“ bedeutet, hat ihren Ursprung in Frankreich. Seit Ende März besetzen in Paris Menschen den Place de la République, um gegen geplante Änderungen des Arbeitsrechts zu protestieren. Die Polizei hat dabei die Proteste mehrfach gewaltsam aufgelöst.

In erster Linie geht es den Veranstaltern aber eigentlich um ein friedvolles Vernetzen und um öffentliche Meinungsabgabe. Jeder der möchte, kann das Mikrofon in die Hand nehmen und fünf bis zehn Minuten über seine Anliegen sprechen. Von Tagespolitik über TTIP bis zum Verfall der Gesellschaft durch Facebook ist alles dabei, eine eigene Bühne gibt es nicht. Durch Handzeichen können Zuhörer Zustimmen oder Ablehnung über die Inhalte ausdrücken. Der Pressesprecher des Nuit Debout Vienna, Johannes Gress, erklärt uns die Aktion folgendermaßen:

Was aus Nuit Debout in Wien wird, kann Johannes Gress noch nicht sagen und das sei auch nicht Sinn des Ganzen. Deshalb haben wir Teilnehmer, Passanten und spontane Zuhörer gefragt, warum sie überhaupt hier sind:

Foto: (c) Markus Füxl

Foto: (c) Markus Füxl

Julien: I had already experienced the movement in Paris. Now they are trying to start it in Vienna as well. I think that is a good idea. Nuit Debout is not a movement, but more like a tool. It is like an agora: Everybody can come and talk about problems. It doesn’t matter if you are an immigrant or a homeless person, anyone can talk for a few minutes. When you talk politics, it’s usually with a group of people you know, so it’s always the same point of view. But here with Nuit Debout, everyone can talk to everyone. There is simply a better exchange of opinions.

mokant.at: Did you already take part in the talk yourself, here or in France?
Julien: No, I must admit that I am too shy to do that. There are a lot of young people here. They will learn to be more political and maybe they will pick up the microphone at some point. Even when you don’t want to talk, Nuit Debout is a place where people can come to talk about politics and listen to people sharing their opinion. In France people get tired very quickly when you try to talk with them about politics. We are behind, concerning a lot of topics. For example, I am vegan and in Austria people seem to be very open minded about that. A lot of french people don’t even know the difference between vegetarian and veganism.

mokant.at: When you were in France, did you experience police power at Nuit Debout?
Julien: Yes, the police was very oppressive. After the terrorist attacks in France, a state of emergency was activated, so now they have more freedom to use their power. I was involved in two Demos, one in Nantes and one in Paris. I had been afraid of the „Black Block“ and had thought they were crazy people who only came to start a fight. But that was not true at all, most of the people were peaceful. I was exposed to a lot of teargas during the riots. People tried to help and kicked back the shells. The police acts very opressively and sometimes we have to show them, that it’s not ok. That’s it.

Foto: (c) Markus Füxl

Foto: (c) Markus Füxl

Anna: Wir sind nur zufällig vorbeigekommen. Nachdem man sich immer politisch interessieren sollte, sind wir stehen geblieben und hören jetzt ein wenig zu.

mokant.at: Wissen Sie, um was es bei Nuit Debout geht?
Anna: Nein, nicht wirklich. Ich habe nur gehört, dass offenbar gerade ein Mitglied von den Piraten redet, das finde ich spannend.

mokant.at: Finden Sie, eine solche Veranstaltung ist in Österreich wichtig?
Anna: Prinzipiell ist eine demokratische Diskussion immer sinnvoll. So ein basisdemokratisches Prinzip halte ich für wichtig. Es schaut leider im Moment so aus, als wäre die Reichweite der Aktion nicht so groß, besonders viele sind ja nicht gekommen. Nichtsdestotrotz sollte man die Sache unterstützen.

Rassismus und Probleme bei Vermarktung

Titelbild: (c) Markus Füxl


Seite 1 / Seite 2


Passend dazu:

Blase_rotHat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Supporter werden und damit unabhängigen Journalismus fördern! Wenn du über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zu unserer Dienstagspost anmelden.

 

 

Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.