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Wer sich liebt, muss sich ausziehen. Ein Statement gegen den Partnerlook.

 

[Bitte zuerst den Text von Michaela Wein verinnerlichen. Danke!]


Wenn ich groß bin, werde ich mal so richtig, richtig verliebt sein. Ich werde so verliebt sein, dass ich meine Herzallerliebste niemals der Gefahr eines Treffens mit meiner Familie aussetze und bei jedem Lächeln von ihr mich zumindest ernsthaft bemühe, meine Mundwinkel den Kampf gegen die Schwerkraft gewinnen zu lassen. Ich werde eine lieber, netter Freund sein und ihre cholerischen Anfälle und sonstigen Angewohnheit mit der Geduld einer heiligen indischen Kuh ertragen.


Stattdessen werde ich Gefallen finden an den Dingen, die Paare eben so tun: ein Candlelight-Dinner genießen und dabei versuchen, sie bei jeder Gelegenheit mit der Gabel zu füttern, einfach weil ich es kann. Jedes Schweigen von ihr begierig aufsaugen und als stille metaphysische Übereinkunft interpretieren. Und unser erstes gemeinsames Weihnachten werden wir abseits von Konsum- und Familienwahn im Bett verbringen und es geflissentlich vermeiden, auch nur in die Nähe eines Fetzenladens zu kommen um dort Pullover im Partnerlook zu kaufen. Zur Not mit Handschellen.
Denn Partnerlook ist die perfekte Form einer Nicht-Beziehung: man erklärt öffentlich und weithin sichtbar, dass man sich innerlich schon weit, sehr weit voneinander entfernt hat und nur noch durch schnöde Äußerlichkeiten Zusammengehörigkeit vermitteln kann. Partnerlook symbolisiert tiefste Verbundenheit seinem eigenen Spielbild gegenüber und ist Masturbation für Machtfetischisten und Selbstverliebte. Von den praktischen Konsequenzen mal abgesehen (Schon mal versucht, das selbe Shirt in Frauen- und Männerausführung zu finden? Der blanke Horror!) – weshalb muss man das Gleiche anziehen, wenn man doch schon jemanden gefunden hat, der einen liebt, wie man ist? Partnerlook bedeutet Verneinung von Persönlichkeit und vermittelt das sichere Gefühl, dass die entsprechende Beziehung Tod ist oder zumindest schon einigermaßen komisch riecht.


In meiner Vorstellung tragen glückliche Pärchen keinen Fetzen Stoff, während sie händchenhaltend über Blumenwiesen tollen. Ab und zu bleiben sie liegen, um einander ihre Liebe auch auf körperlicher Ebene zu bestätigen. Die Sonne geht gerade unter, die Mücken fangen schon zu stechen an, die gegenseitigen Watschen verleihen der Idylle noch einen zusätzlichen Reiz... und ich wache auf und spaziere splitterfasernackt zum nächsten Fenster, weil ich in Wohnungen für gewöhnlich sowieso nur wenig trage. Und um sie zu ärgern.

 

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Gegenkommentar von Michaela Wein

 

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Artikel von
Oliver Lukesch

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