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Zusammen geht vieles einfacher: Das Buddy-System am IPKW-Wien

Am Institut für Publizistik helfen sich Buddies einander, um den Uni-Alltag zu meistern

 

Das Buddy-Projekt des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien (IPKW) sorgt für Integration – Integration in den akademischen Alltag und teilweise auch ins soziale Leben. Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, werden durch inländische Studierende beim Lernen und Verstehen der Lehrinhalte unterstützt. Ein Projekt, das das ein oder andere Mal schon zu einer langen Freundschaft geführt hat und in dieser Art einzigartig in Österreich ist. Das Prinzip ist so einfach wie sinnvoll: Jeder Studierende, der sich als „Buddy“ am IPKW-Wien freiwillig meldet, bekommt zuerst eine Ausbildung in Form eines Workshops und danach einen Deutsch-als-Fremdsprache-Buddy, kurz DaF-Buddy, zugeteilt. „Idealerweise besuchen die Buddies die selbe Lehrveranstaltung, so können gemeinsam die Lehrinhalte besprochen, erklärt und vertieft werden“, erklärt Stefan Ossmann, Koordinator des Buddy-Projekts.

 

Stefan Ossmann (1), flickr.com (11)/malias, alexbarrow (CC), Unhindered by Talent (CC), marfis75 (CC), annais, menhak (CC), fee-ach (CC), Elliot Moore (CC), Unhindered by Talent (CC), maebmij (CC), Pink Sherbet Photography
Das Buddy-Projekt am IPKW ist
in seiner Art einzigartig
Lernen und Kennenlernen
Wenn sich ein Student als Buddy bewirbt, tut er dies auf freiwilliger Basis, erhält eine Ausbildung und nach dem absolvierten Semester können die Teilnehmer mit einer Bestätigung ihren Lebenslauf schmücken. Neben dem gemeinsamen Lernen steht aber auch der interkulturelle Austausch, das Kennenlernen anderer Kulturen im Vordergrund. „Man geht zusammen die Lehrinhalte durch, wiederholt gemeinsam, wovon beide profitieren“, beschreibt Stefan Ossmann den Arbeitsvorgang der Buddies. Dass man sich nebenbei kennenlernt und so die ausländischen Studierenden auch im sozialen Leben unterstützt, ist der willkommene und beabsichtigte Nebenaspekt.

„Der Austausch findet in beide Richtungen statt“, die Buddies wiederholen den Stoff der Vorlesung und profitieren so von ihrer Arbeit, andererseits können die DaF-Buddies die dargebotenen Inhalte besser verstehen. Verstehen sich beide Beteiligten gut, so bildet sich auch schon mal eine Freundschaft, die länger als das Semester dauert. Das vorrangige Ziel des Buddy-Projekts ist und bleibt aber die positive Absolvierung der Lehrveranstaltung und die Integration des DaF-Buddys in den akademischen Alltag.

Der Weg zum Buddysein
Was das Buddyprojekt in Österreich einzigartig macht, ist der ganztägige Workshop, in dem Erwartungen geklärt, Zeitmanagement und die Intensität des Engagements besprochen werden. Die Diskussion und Reflexion von Begriffen wie Integration, Interkulturalität, Identität und Buddy sind dabei fixer Bestandteil und notwendig, um sich später seiner Verantwortung zu stellen. Werbung für das Buddy-Projekt findet durch die Institutshomepage, die Informationen bei den Einführungsveranstaltungen und „die Lehrenden selbst statt, die ausländische Studierende bei Problemen mit den Lehrinhalten auf unser Projekt aufmerksam machen“, zählt Stefan Ossmann die Möglichkeiten der Publizität auf. Mit Massen an Bewerbungen kann er dennoch nicht rechnen: „Im Moment habe ich fünfzehn Anmeldungen zum Buddy und zehn von DaF-Buddies“. Die ideale Gruppenkonstellation besteht aus einem Buddy und einem DaF-Buddy, manchmal gibt es aber auch pro ausländischem Studierenden zwei Buddies.

Am Ende des Semesters erfolgt wieder ein Treffen der Buddies mit Koordinator Stefan Ossmann, hierbei werden Feedbacks gegeben und Erfahrungen ausgetauscht, gemeinsame Reflexionen gehören ebenfalls dazu. „Am Ende des Semesters schreibt jeder Buddy einen Erfahrungsbericht, so hilft er mit, Interessierten einen Einblick zu geben“, meint Ossmann und ergänzt: „Wir haben fast durchwegs positives Feedback von den Buddies bekommen“.

Projekt als Selbstläufer
Nicht immer halten die Gruppen der Buddies, „oftmals weil die DaF-Buddies ihr Studium abbrechen, leider auch manchmal, weil sich einer der beiden nicht mehr meldet“, so Stefan Ossmann. Viel Spielraum hat er dahingehend nicht: „Das Projekt ist ein Selbstläufer, ab dem Zeitpunkt, wo sich die Teams zusammenfinden, trete ich nur mehr zweimal im Monat in Erscheinung.“ Dann werden Exkursionen zu Medienunternehmen wie APA, ORF aber auch zum Beispiel zu türkischen Magazinen unternommen. Vorschläge, wohin es die Gruppe zieht, kommen auch von Studierenden, „es findet also ein Austausch statt, sodass keine Asymmetrie entsteht und sich jeder einbringen kann“, meint Stefan Ossmann. Gerne würde er darum längere Workshops und mehr Exkursionen ermöglichen, doch wie so oft scheitert es am Geld: „Der Workshop würde sinnvoller Weise länger dauern, wenn wir die Mittel dazu hätten. Die Uni hat aber kein Geld und für uns schon gar nicht“.

Wohnzimmer-Kultur
Regelmäßige Treffen in Form von Stammtischen im Restaurant oder im privaten Raum gehören zum Buddy-Projekt trotzdem dazu, sowie zum Beispiel ein kulinarischer Abend. „Wir haben festgestellt, dass Kommunikation in einer großen Gruppe, mit Musik und Hintergrundgeräuschen nicht optimal funktioniert, wenn nicht alle Deutsch auf gleichem Niveau sprechen“, berichtet Stefan Ossmann und fügt hinzu: „Dann haben wir den kulinarischen Abend eben in mein Wohnzimmer verlegen müssen. Jeder hat etwas zu essen mitgebracht, typisch für seine Kultur oder einfach sein Lieblingsessen, dann wurde geredet, gegessen und gelacht“. Engagement, das auch auf einen ideologischen Bezug zu dem Projekt zurückzuführen ist – immerhin hat Stefan Ossmann selbst sechs Jahre im Ausland verbracht. „Ich bin ein sozialer Mensch und hätte mich nicht beworben, wenn mir die Sache nicht am Herzen liegen würde“, fasst er seine Arbeit als Koordinator zusammen.

Von der Uni bis hin zu Gott
Erfahrungen mit dem Buddy-Projekt hat auch der Publizistikstudent Lukas Fischnaller gemacht, seinerseits als Buddy: „Am Anfang habe ich mich mit meinem DaF-Buddy Veronika durch die sprachliche Barriere nur schwer verständigen können“, reflektiert er, fügt aber hinzu, dass sie sich später einmal in der Woche zum Kaffeetrinken getroffen hätten „um einfach nur über Gott und die Welt zu reden“. Im Notfall hilft eben immer Englisch. Lehrveranstaltungen konnten die beiden leider nicht gemeinsam besuchen, da Lukas das Magisterstudium absolviert, Veronika hingegen noch am Bachelorabschluss arbeitet. Eine Entwicklung, die, so Stefan Ossmann: „in den letzten drei Semestern häufiger zu beobachten ist“, nicht zuletzt auch dadurch, dass viele Studierende nach Wien kommen, um dort das Magister- oder Doktoratsstudium zu absolvieren. Die Zeit konnten Lukas und sein DaF-Buddy Veronika trotzdem nutzen: „Wenn sie irgendetwas nicht verstanden hat, beispielsweise Inhalte der Lehrveranstaltungen, Prüfungsmodalitäten oder Anmeldungen zu Lehrveranstaltungen habe ich ihr selbstverständlich geholfen“, weiters standen Ausstellungsbesuche oder gemeinsames Weggehen auf dem Plan der beiden Studierenden.

„Fühlte mich allein“
Ali Baris Kaplan hingegen besuchte im Zuge seines Erasmusstudiums Wien und befand sich zu diesem Zeitpunkt schon im Doktoratsstudium. Als durchwegs positiv würde er seine Erfahrungen im Buddy-Projekt trotzdem beschreiben, er erfuhr viel über Wien und wurde in den Freundeskreis seines Buddys integriert. „Als ich nach Wien gekommen bin, fühlte ich mich allein, mir war langweilig in der neuen Stadt“, erinnert sich der gebürtige Türke. Durch das Buddy-Projekt habe er viele Leute und dadurch auch neue Freunde kennengelernt. „Sie waren wirklich sehr freundlich zu mir und waren bereit, mir in verschiedenen Situationen zu helfen, egal welche Probleme ich hatte“.

Stefan Ossmann weiß dazu auch zu berichten: „Es entstehen oft Freundschaften zwischen den Buddies und die überdauern manchmal sogar die gemeinsame Zeit in Wien – eine Studentin aus Lyon hat zum Beispiel ihre beiden Buddies zu sich eingeladen“. Ein Bonuspunkt des Projekts sind darum nicht nur die erlernten interkulturellen Kompetenzen und die Bestätigung für den Lebenslauf, auch sozial ist der Gewinn meist hoch.

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