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Wer heutzutage nicht nackt durch die Wohnung läuft ist von gestern
Stellt euch Folgendes vor: Es ist heiß wie in einem Atommeiler, ihr
kommt aus der Dusche und die einzige Kühlung verspricht der Ventilator
hinter eurem Computer. Plötzlich meldet sich eine dieser Witzfiguren
über Skype, die ihr aus reinem Mitleid noch nicht geblockt habt, und
brüskiert sich ob eurer Freiheit, in den eigenen vier Wänden mit dem
Adamskostüm herumzulaufen!
Zum Gegenkommentar von Michaela Wein
Ernsthaft, muss man sich etwas Derartiges anhören? Kleidung in der
Wohnung ist das Produkt eines restlos überholten, evolutionsbedingten
Rattenschwanzes namens Schamgefühl, von seinen reaktionären Anhängern
(siehe auch: pathetische Musiknerds
) in soziale Konvention überführt. Gerade plump-suggestive Fragen wie
die, wohin die Hand denn beim Chatten noch so wandere, zeigen, dass bei
diesen Menschen noch das Kleinhirn am Drücker ist.
Im Sommer ist es heiß genug, im Winter gibt's Decken und für die
Hygiene existiert ein reichhaltiges Sortiment an Unterhosen. Und die
paar Nachbarn, die mit Feldstechern und Schaum vorm Mund ihre Umgebung
nach nacktem Fleisch abgrasen? Wenn sie sonst keinen Spaß im Leben
haben, was kümmert's mich? Nicht, dass ich sonderlich stolz auf meinen
Körper bin - auch wenn meine durchtrainierten Wadeln vortrefflichste
Schnitzel hergeben würden, um meine Hühnerbrust beneidet mich niemand.
Aber gerade darum geht's ja noch dazu: durch das Teilen von Schwächen
gemeinsame stärker werden - im Zeitalter des Web2.0 mehr als je zuvor!
Liebe Leute der Modeindustrie, ihr werdet bald auf der Straße stehen
und euch mit von Bloggern abgelösten Journalisten um das letzte
bisschen Öffentlichkeit prügeln müssen. Denn die Revolution, die
momentan mit Facebook und Twitter an der Speerspitze voll im Gange ist,
wird nach der Content-Industrie nicht halt machen. Was momentan
stattfindet ist ein Paradigmenwechsel - weg vom eigenbrötlerischem
Schwitzen und Faulen in überteuerten Klamotten hin zu einer noch nie da
gewesenen Form des Teilens und der Offenheit. Nudismus ist das neue
Schwarz der Generation Social Media.
Zugegeben, vor wenigen Jahrzehnten noch hätte die digitalen Avantgarde
die von ihr gepredigte Offenheit in anderer Form ausleben müssen. Und
dabei nur wenig zu lachen gehabt. Die komplette Google Führung säße ob
ihrer voyeuristischen Anwandlungen
im Kittchen, Mark Zuckerberg wäre König eines Nudistenstrands in der
Südsee und Bill Gates hätte es unter dem Spitznamen „micro & soft“
zu eher zweifelhafter Berühmtheit gebracht.
Aber diese barbarischen Zeiten liegen hinter uns. Und den puritanischen
Spießbürgerchen, die im Angesicht harmloser Nacktheit an nichts anderes
als Körperflüssigkeiten, Sex und Geilheit denken können, sei gesagt:
Freiheit von der Hose schafft Freiheit im Geist!
Zu welchem Thema sollen sich Wein und
Lukesch den nächsten Schlagabtausch liefern? Hier geht's zur Abstimmung!
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Österreichischer Medienverband
Artikel von
Oliver Lukesch | oliver.lukesch[at]subtext.at

































