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„Unterwegs“ von Jack Kerouac
Nach der ersten Lektüre von „Unterwegs“ war ich mir sicher: Wenn ich groß bin, will ich wie Sal Paradise ziellos durch die Gegend fahren per Anhalter, von wenig Geld und – vor allem – Liebe leben, hier und da ein wenig arbeiten und ansonsten vor allem das Leben genießen. Leider wurde ich nicht mehr viel größer, Autostoppen ist nicht unbedingt die sicherste Reiseart und von der Liebe wird man auch nicht ewig satt. Schon über fünfzig Jahre ist es her, dass Jack Kerouac seinen Protagonisten aus „On the Road“, Sal Paradise, durch die Vereinigten Staaten geschickt hat, um sich auf die Suche zu machen nach … – tja, wonach sucht er eigentlich?
Wo ist die Handlung?
Im Grunde ist es ja so: auf knapp vierhundert Seiten passiert nichts.
Rein gar nichts! Gut, Sal Paradise, ein mehr oder weniger erfolgreicher
Schriftsteller, fährt quer durch die USA und lernt dabei interessante
und gefährliche, schöne und angsteinflößende Menschen kennen. Geblendet
vom scheinbaren Glamour von Dean Moriarty, einem verhinderten Künstler
und Schriftsteller, fährt er diesem nach und möchte genauso sein wie
er. Aber von Spannung oder gar einer abgeschlossenen Erzählung fehlt
jede Spur.
Aber was ist dann so besonders an Kerouacs Geschichte? Es ist diese
unfassbar schöne Sprache, mit der er die Nichtigkeiten des Lebens
beschreibt. Aus einer Autofahrt macht er ein unglaubliches Abenteuer,
aus einem One Night Stand die große Liebe. Kerouac findet Worte für
Begebenheiten, die unaussprechbar sind. Er feiert das Leben an sich,
mit all seinen Kleinig- und mitunter Nichtigkeiten. „Er lispelte, er
wand sich, er stotterte, er stöhnte, er heulte, er fiel wieder in
Verzweiflung. Er konnte kaum ein Wort herausbringen, so aufgeregt war
er, dass er lebte.“ So wunderbar die Sprache, dass sie mitreißt und das
Leben in seiner Unfassbarkeit ansatzweise widerspiegelt.
Helden der Beat-Generation
Jack Kerouacs „Unterwegs“ trägt autobiographische Züge: William S.
Burroughs, dessen Roman „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“, den
er mit Kerouac geschrieben hatte, vor kurzem endlich erschienen ist,
kommt ebenso vor in Kerouacs Roman wie Allen Ginsberg. Unvorstellbar,
wie diese Bibel der Beat Generation verfilmt werden soll! Man lasse
unbeachtet, dass „Twilight“-Heldin Kristen Stuart mitspielt – ein
derartiges Buch auf die Leinwand zu bannen, scheint ein Ding der
Unmöglichkeit.
Also lehne ich mich zurück und lese weiter, zum x-ten Male, in
„Unterwegs“ und träume davon, wie Sal zu sein, immer unterwegs und
niemals ankommend. Denn „die einzig wirklichen Menschen sind für mich
die Verrückten, die verrückt danach sind zu leben, verrückt danach zu
sprechen, verrückt danach, erlöst zu werden, und nach allem
gleichzeitig gieren – jene, die niemals gähnen oder etwas Alltägliches
sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe
Wunderkerzen, die gegen den Sternenhimmel explodieren wie Feuerräder,
in deren Mitte man einen blauen Lichtkern zerspringen sieht, so dass
jeder 'Aahh!' ruft.“
Aufgeblättert: „Sommer wie Winter“ von Judith W. Taschler
Aufgeblättert: Lesen statt Lernen
Aufgeblättert: „Zwischen den Wänden“ von Johannes Epple
Aufgeblättert: „Der Maler des Verborgenen“ von John Vermeulen
Aufgeblättert: „Sehnsucht nach dem Vater“
Aufgeblättert: „Philosophie für Verdorbene. Essays über Pornografie“
Aufgeblättert: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“
Aufgeblättert: „Herznovelle“
Aufgeblättert: „Der Bro Code“
Aufgeblättert: „Tschernobyl Baby“
Link dazu ...
Jack Kerouac beim Rowohlt Verlag
Rezension von





















































