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Oliver Lukesch ist ehemaliger Chefredakteur bei subtext.at und Vizepräsident des Österreichischen Medienverbandes . Er mag Michaela Wein nicht

Fußball ist so langweilig wie ein Kommentar von Michaela Wein

 

Am Anfang die positiven Aspekte der Weltmeisterschaft, die lassen sich in einem Satz abhandeln: Die Unterhaltungsindustrie freut sich wie ein Schaukelpferd auf Zucker, Bierproduzenten verdienen sich eine goldene Blase und Leuten zuzuhören, die sich über die Vuvuzela mokieren, macht sogar richtig Laune. Das wars, der Rest ist zum Vergessen.

Zum Gegenkommentar von Michaela Wein


Meinem Gehirn fehlt offensichtlich der Wurmfortsatz, der aufspringt und sich wie ein Schnüffelkind das Schweißshirt über den Kopf zieht, wenn ein Tor gefallen ist. Ich bin scheinbar zu dumm um zu verstehen, was ich mit der Leistung dieser käuflichen Testosteronpakete auf zwei Beinen mehr zu tun habe als Michaela Wein mit guten Argumenten. Überhaupt verabscheue ich es, mich Sport als passiver Konsument zu nähern. Entweder selbst mitmachen oder ganz darauf verzichten. Das gilt für Fußball genauso wie für Formel1, Curling und ganz besonders Skifahren. Ich bin Nestbeschmutzer und ich steh dazu.

Und nein, sich laut brüllend vor dem Fernseher zu wälzen oder in einer Public-Viewing-Crowd ums Überleben zu Kämpfen hat nichts mit Aktivität zu tun. Auch nicht Mitfiebern bis zum Aneurysma. Liebe Leute, habt ihr kein Leben? Müsst ihr eure verkappten Hoffnungen, Wünsche und Emotionen auf diese paar auswechselbaren bunten Pixel auf einem grünen Screen projizieren? Müsst ihr bei Fußballspielen zu Sonntagsnapoleons mutieren, denen Taktik mit dem goldenen Löffel in den Hintern geschoben wurde? Wie sich sonst einigermaßen reflektierte Menschen wie @martinblumenau oder @schaffertom dem Fußball derart hingeben können, ist und bleibt mir sowieso ein Rätsel.

Es ist ein Armutszeugnis für die Menschheit, dass die einzige Sache, die uns zumindest wenige Mikrometer mehr zusammen bringt, das runde Leder ist. Wenn ihr schon einen kleinsten gemeinsamen Nenner sucht, zu dem ihr euch auch noch mit acht Bier hinter den Binden unterhalten könnt, dann versucht es doch bitte mit Aktienkursen. Die sind auch bunt, spannend, bewegen sich dauernd und basieren auf den urtümlichsten aller Trieben. Und wenn ihr wirklich Adrenalin oder Spannung braucht, dann oder schreibt mir eine Antwort unter dieses Kommentar, damit ich euch verbal zurechtstutzen kann.

Einige Leuten würden das Ölleck im mexikanischen Golf gerne mit dem Linzerauge stopfen. Ich sage: stopfen wir es mit der WM!


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Artikel von
Oliver Lukesch | oliver.lukesch[at]subtext.at

 

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