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Oliver Lukesch ist ehemaliger Chefredakteur bei subtext.at und Vizepräsident des Österreichischen Medienverbandes . Er mag Michaela Wein nicht

Ich gebs ja zu: ich bin sonnensüchtig

 

Die letzten Tage waren für den Hugo. Ich war produktiv wie ein Stück Brot, grantig wie ein Wiener Oberkellner und depressiv wie Junkie auf Entzug. Und alles nur wegen der Sonne, dieser gelben Sau.

Zum Gegenkommentar von Michaela Wein

Ich bin kein Blumenkind. Sandalen sind mir lästig, Trommelworkshops machen mich aggressiv, im Gras liegen ist was für Leute ohne Notizbuch und Todo-Liste. Ich bin auch kein Beachboy, für Muskelshirts fehlt mir die Substanz. Im Generellen verwehre ich mich jedwedem Stereotyp im Zusammenhang mit Sonnenanbetern. Schwarz war mir lange Zeit wie eine zweite Haut und ist nach wie vor eine gern gesehene Farbe auf meinem Körper. Aber dennoch, es muss raus: ich bin süchtig nach Sonnentagen!

Irgendwo in der näheren Verwandtschaft muss sich eine Pflanze in meinen Genpool geschlichen haben. Vermutlich meine Großmutter, die alte Giftspritze. Anders kann ich mir meine Abhängigkeit von dieser grinsenden Gaskugel nicht erklären. Nicht dass ich sie brauche, um mir gute Laune ins Gemüt zaubern zu lassen. Gute Laune hab ich nach einem spritzigen Buch, vier Bier oder einem derben Witz über die katholische Kirche. So profan ist mein Verhältnis zur Sonne nicht, nein, sie ist für mich mehr.

Sonnenschein ist mein Stachel im Hintern, mein AC/DC Konzert unter der Haut, mein Schuss Adrenalin mitten ins Herz. Wofür ich mich bei Wolkenhimmel mittels eines verantwortungslos hohen Konsums von Energy-Drinks und anderen Stimulantia stundenlang abfrette, erledige ich bei Sonnenschein im Handumdrehen. Selbst inhaltliche Nichtigkeiten wie dieser Text fließen mir an Sonnentagen aus den Fingern wie Bier beim Oktoberfest oder Öl in den mexikanischen Golf. Als ob mir mein Körper sagen möchte: wenn du schon ein Rädchen im System sein willst, dann lass dich dafür wenigstens mit Serotonin und was an Glückshormonen sonst noch keucht und fleucht entlohnen. Ohne kannst du mich vergessen.

Nicht dass ich etwas gegen ein deftiges Gewitter einzuwenden hätte. Was gibt's geileres als einen ordentlicher Regenspaziergang wenn es donnert wie bei Ottfried Fischer am Klo. Aber dieser konstant graue Himmel der letzten Wochen? Lieber mit Schweißsocken in der Nase Straßenbahnfahren!

 

 

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Oliver Lukesch | oliver.lukesch[at]subtext.at

 

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