Postwachstum: Wenn die Grenzen erreicht sind

Das weltweite Wirtschaften gerate an Wachstumsgrenzen, die selbst technische Fortschritte nicht erweitern können, sagt der deutsche Ökonom Niko Paech

(c) Niko Paech

(c) Niko Paech

Niko Paech ist Lehrbeauftragter im Studiengang „Plurale Ökonomik“ an der Universität Siegen. Er prognostiziert, dass Ressourcenverknappung, ökologische Schäden, instabile Finanzmärkte und psychische Leistungsgrenzen eine Wirtschaft mit stockendem Wachstum zur Folge haben, eine sogenannte Postwachstumsökonomie. Mit mokant.at spricht er darüber, wie sich dadurch Arbeitszeiten verkürzen werden, warum Unternehmen in der Zukunft Meschen helfen werden, Produkte länger zu nutzen und wo heute schon Entwürfe -„Blueprints“- für eine Postwachstumsgesellschaft entstehen.

mokant.at: Eine zentrale These der Postwachstumsökonomie ist, dass dem weltweiten Wirtschaftswachstum Grenzen gesetzt sind. Wo genau sehen sie diese?
Niko Paech: Die schon vom „Club of Rome“ thematisierten ökologischen Grenzen sind heute relevanter als je zu vor. Der Klimawandel stellt das dringlichste ökonomische Problem dar und setzt unserem Wirtschaften Grenzen. Die Versuche, diese Grenzen durch technischen Fortschritt zu erweitern, sind gescheitert und haben teilweise sogar zusätzliche Umweltschäden verursacht. Ein Beispiel dafür ist die Energiewende in Deutschland. Selbst großer Aufwand an Technologie und Investitionen hat nicht dazu geführt, dass die bundesweiten CO2-Emissionen sinken.

Wir rasen außerdem auf eine historisch einmalige Ressourcenverknappung zu. Die Fracking-Technologie in den USA wird den Bedarf an Erdöl mittel- und langfristig nicht decken können. Auch andere Ressourcen wie Fläche, Wasser, Mineralien, seltene Erden und Phosphate werden immer knapper.

Eine dritte wichtige Wachstumsgrenze ist die psychische. Wir stehen angesichts der vielen Möglichkeiten, uns im Leben zu verwirklichen, Dinge zu kaufen, unterwegs zu sein oder digital zu kommunizieren vor einer Reizüberflutung und Überforderung. In Deutschland ist in einem Jahrzehnt die Anzahl an Verschreibungen von Anti-Depressiva verdoppelt worden. Die Formel, dass Wirtschaftswachstum das Wohlbefinden der Menschen durch höhere Einkommen und Güterverfügbarkeit steigert, fängt an, sich ins Gegenteil zu verkehren.

mokant.at: Wie hängen Ökologie und Wohlstand zusammen?
Niko Paech: Es existiert ein Minimum an ökologischer Stabilität und Ästhetik, ohne das ein gesundes Leben und eine angemessene Lebensqualität nicht darstellbar sind. Keine noch so üppige Konsumausstattung kann je die Schönheit der Ökosphäre ersetzen. Erwähnt werden muss noch ein zweiter Zusammenhang. Für materiellen, mobilitätsorientierten Wohlstand müssen wir Ökologie opfern. In der Geschichte der Menschheit ging materieller Wohlstand immer damit einher, indirekt, langfristig oder räumlich verlagert ökologische Schäden zu verursachen.

 

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Blase_rotDieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts Work in Progress. Weitere Texte dazu findest du hier.

 

Titelbild: (c) mokant.at


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