Tauschkreise: Eine Alternative zum Euro? (2)

mokantessen

In Tauschkreisen wird genommen und gegeben – ohne Bargeld, dafür jedoch mit einer virtuellen Zeitwährung. Das Ziel? Selbstbestimmtes Handeln und unabhängiges Konsumieren. mokant.at war zu Besuch bei einem Wiener Tauschkreis.

Der Verein KAESCH bezeichnet sich einerseits als Marktplatz, der von einer sehr wirtschaftlichen Sprache geprägt ist, andererseits ist der Tauschring jedoch auch ein Netzwerk für Nachbarschaftshilfe. Obschon Tauschringe ursprünglich politisch-ideologisch motiviert waren, so liegt vielen Mitgliedern von KAESCH besonders der gesellschaftliche Faktor am Herzen. Durch die monatlichen Stammtische seien schon viele Freundschaften und gemütliche Abende entstanden. Des weiteren funktioniert KAESCH als Komplementärwirtschaft, die nicht existenzsichernd ist – vielmehr stellt der Tauschkreis für die Mitglieder eine Art Bonus zur regulären kapitalistischen Geldwirtschaft dar, eine Möglichkeit, ein bisschen weniger abhängig von großen Konzernen zu sein und selbstbestimmter zu handeln.

Doch warum nicht gleich auf die Währung verzichten? Tauschkreisen wird oft vorgeworfen, dass diese die Ideologie des Kapitalismus nicht aufbrechen würden, sondern sie bloß anders ausleben würden. Und kann bei Tauschkreisen überhaupt von einem Ende der Lohnarbeit die Rede sein, wenn die Dienstleistungen am Ende doch mit einer Währung entlohnt werden? ,,Es gibt zwar eine Währung bei Tauschkreisen, aber im Gegensatz zum Kapitalismus bereichern wir uns nicht daran. Erst die Verwendung macht eine Währung problematisch, aber bei Tauschkreisen versucht niemand, Profit zu machen‘‘, antwortet Kathi von KAESCH auf diese Frage. Die Währung, findet sie, habe eher einen symbolischen Wert: Dadurch würde man den Dienstleistungen einen Wert zuschreiben, was zu Wertschätzung, Würdigung und Anerkennung der fremden, aber auch der eigenen Talente führen würde. Auch das ist für viele Mitglieder ein positiver Aspekt von KAESCH gewesen.

Dass KAESCH die Grundbedürfnisse nicht sichern kann, wird von den Mitgliedern immer wieder betont. Trotzdem herrscht Einigkeit darüber, dass der Tauschkreis die Lebensqualität verbessert habe. KAESCH habe es den Mitgliedern ermöglicht, sich Dinge anzueignen, die in Euro nicht leistbar oder gar nicht erhältlich seien. Dazu kommt noch die persönliche Interaktion, die Tauschgesellschaften vom kapitalistischem Wirtschaftssystem unterscheidet. Unter den Mitgliedern herrscht Einigkeit: Alternativ zum Euro kann KAESCH nicht existieren, doch ein kleines Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit vermittle der Tauschkreis ihnen doch.

Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts Work in Progress. Weitere Texte dazu findest du in den kommenden Wochen hier.


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Titelbild: (c) Elisa Leclerc

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