Künstliche Intelligenz: Chance oder Gefahr? (2)

Grafik: (c) Lukas Unger

Arbeit aufteilen
Muss sich der Mensch in Zukunft darauf einstellen, auch mit weniger Arbeit ein erfülltes Leben zu führen? Keynes sah die Lösung darin, den Menschen langsam daran zu gewöhnen: „Mit Drei-Stunden-Schichten oder eine Fünfzehn-Stunden-Woche kann das Problem eine ganze Weile hinausgeschoben werden“, schreibt er. Von 15 Stunden ist zwar heute keine Rede, jedoch diskutieren Wissenschaftler und Politiker über eine Verkürzung der Arbeitszeit.

Der Soziologe Jörg Flecker fordert etwa die 30-Stunden-Woche und begründet das in einem Interview mit dem Kurier damit, dass durch den Einsatz von Computern und Automation die Produktivität der Arbeit stark gestiegen sei. Der Professor für Volkswirtschaftslehre Wolfgang Scherf hat ausgerechnet, dass Arbeitszeitverkürzungen zwar zur Verhinderung von mehr Arbeitslosigkeit beitragen könne, aber nicht zum Abbau bereits vorhandener. Zudem müsse der Arbeitnehmer auf Einkommen verzichten, ein voller Lohnausgleich sei nicht möglich.

Die Angst vor dem Golem
Ein gebildeter Mensch ist schwerer durch eine Maschine zu ersetzen. In der A. T. Kearney-Studie wird darauf hingewiesen, dass man in Österreich mit besserer Ausbildung und kontinuierlichem Wirtschaftswachstum der Arbeitslosigkeit durch Maschinen vorbeugen könne. Da der Trend deutlich in Richtung kognitiver Arbeit gehe, gehöre das veraltete Bildungssystem in Österreich reformiert, sagt Markus Vincze. „In einem EU-Projekt legen wir die 21-century-skills dar. Wir reden hier von Kreativität, Kommunikativität , der Fähigkeit zur Zusammenarbeit und kritischem Denken. Werden die je diskutiert?“

Bundeskanzler Christian Kern hat mit der Maschinensteuer eine Idee aufgegriffen, deren Prinzip über dreißig Jahre alt ist. Der Hintergedanke dabei ist, dass ein Arbeitgeber für seine Angestellten Abgaben bezahlen muss, jedoch nicht für Maschinen. Moderne technologiebasierte Unternehmen, die oft nur wenige menschliche Arbeitskräfte beschäftigen, sollen sich durch diese Steuer mehr am Sozialstaat beteiligen.

Markus Vincze hält nichts von einer Besteuerung von Maschinen: „Wenn die Europäer nicht billig produzieren, wird man dies wo anders tun.“ In Europa habe man Angst vor dem „Golem“ – Angst davor, dass Maschinen den Menschen verletzen könnten. „Die Europäer haben ein blöden Zugang, diese Angst vor der Maschine, statt Möglichkeiten zu sehen. Die Amerikaner sind hier viel pragmatischer“, sagt Vincze. Somit würden nicht die Maschinen Arbeitslosigkeit bringen, sondern der Umstand, dass Europa durch die Angst vor der intelligenten Technik den Fortschritt verschlafe.

Zum Wohle der Menschheit?
Können intelligente Maschinen gefährlich werden? Die Denkfabrik Atlantic Council sieht Herausforderungen in der Vereinbarung von Arbeit und Technik: Die technologische Revolution beinhalte zwar viele Versprechen, habe aber auch das Potential, Jobs zu vernichten, Ungleichheiten zu verschlimmern und die Mittelklasse auszulöschen. Selbst Tesla-Gründer Elon Musk, der den technischen Fortschritt fördert und von ihm profitiert, bezeichnet in einem Interview auf YouTube die rasende Entwicklung der KI als die „größte existentielle Bedrohung“.

Jürgen Schmidhuber sieht die Lage positiv: „Intelligente Maschinen bedeuten nicht zwangsläufig Arbeitslosigkeit. Länder mit vielen Robotern pro Einwohnern wie etwa Japan oder Deutschland haben erstaunlich niedrige Arbeitslosenquoten.“ Zudem werde ein Horrorszenario, in denen Maschinen die totale Kontrolle übernehmen, niemals eintreten: „So wie Menschen sich hauptsächlich für andere Menschen, und nicht so sehr für Ameisen interessieren, werden sich superkluge KIs auch vor allem für andere superkluge KIs, und nicht so sehr für Menschen interessieren.“

Zum ersten Teil: Welche Arbeit ist sicher und können Maschinen intelligent sein?

Blase_rotDieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts Work in Progress. Weitere Texte dazu findest du in den kommenden Wochen hier.

 

Titelbild: (c) Lukas Unger


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