Künstliche Intelligenz: Chance oder Gefahr?

Grafik: (c) Lukas Unger

Experten warnen: Die rasante Entwicklung der Computerintelligenz könnte in Zukunft viele Menschen arbeitslos machen. Andere sehen darin eine Chance für ein komfortableres Leben.

Die Kassiererin an der Supermarktkasse, der Bankangestellte am Schalter, die freundliche Taxifahrerin. Ein Kassenautomat, ein Computer und ein selbstfahrendes Auto könnten in Zukunft an ihrer Stelle stehen. Inwiefern Maschinen und Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeitswelt und auch die Gesellschaft verändern werden, ist umstritten.

Jürgen Schmidhuber, wissenschaftlicher Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für KI IDSIA, prophezeit, dass die KI fast alles erlernen werde, was der Mensch könne und sogar noch mehr: „Superkluge KIs werden vielleicht bald das Sonnensystem und den Rest der Galaxis besiedeln.“ Wenn Maschinen fast alles erlernen können, für welche Arbeit wird der Mensch in Zukunft noch gebraucht?

Das Zeitalter der Maschinen
Dass technischer Fortschritt gewisse Berufsgruppen obsolet macht, ist nicht neu. Früher bezeichnete etwa der Begriff „Rechner“ keinen Computer, sondern einen vom Menschen ausgeführten Beruf und auch der Kutscher wurde seltener nachgefragt, nachdem die Dampfmaschine ihren Einzug in den Alltag genommen hatte. Die Entwicklung der Technik wurde bereits 1930 von den Menschen als rasant empfunden. Ökonom John Maynard Keynes sagte damals voraus, dass Menschen in naher Zukunft von der „technologischen Arbeitslosigkeit“ bedroht sein würden.

Heute veranlasst das „neue Maschinenzeitalter“, oder die „Industrie 4.0“, manche Experten dazu, ein düsteres Zukunftsbild zu skizzieren: innerhalb der nächsten 30 Jahre könne bereits jeder zweite Mensch aufgrund einer Maschine seine Arbeit verlieren, meint etwa der Informatiker Moshe Vardi. Für Österreich hat die Unternehmensberatung A. T. Kearney eine Studie erstellt und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Hierzulande sind bis ins Jahr 2040 etwa 44 Prozent aller Arbeitsplätze bedroht, aufgrund von Maschinen abgebaut zu werden.

Welcher Arbeitplatz (zukunfts)sicher ist
Für Deutschland sagt eine Studie des IAB (Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung), dass die zukünftige Industrie zwar keine große Arbeitslosigkeit, aber zumindest Umschichtungen auslösen werde. So sollen 1,5 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, gleichzeitig aber ebenso viele neue entstehen. Jürgen Schmidhuber meint: „Ich sagte schon vor Jahrzehnten: Es ist leicht vorherzusagen, welche Jobs verloren gehen, aber schwer zu prognostizieren, welche neuen entstehen.“

Für den amerikanischen Arbeitsmarkt hat die Universität Oxford eine Studie herausgegeben. In ihr wird analysiert, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein gewisser Beruf durch Maschinen ersetzt werden könne. Angestellte im Supermarkt und Taxifahrer müssen sich laut der Studie Sorgen um die Zukunftssicherheit ihres Jobs machen, ein Sozialarbeiter hingegen weniger. Wie konkurriert eine Maschine, die nur Nullen und Einsen verarbeiten kann, mit einem komplexen Wesen wie dem Menschen?

Intelligent wie eine Maschine
Kaum ein Forschungsbereich hat in den letzten Jahren so viel Fortschritte gezeigt, wie die Computerintelligenz. Dass eine Maschine in der Lage ist, den Menschen zu übertreffen, wurde publikumswirksam deutlich als der von IBM gebaute Computer „Deep Blue“ den Weltmeister Garri Kasparow 1996 in einem Schachturnier besiegte. Heute, zwanzig Jahre später, kann jeder Heimcomputer es mit der Rechenkraft des Kasparow-Bezwingers aufnehmen.

Ein Computer kann Intelligenz bloß simulieren – doch diese „Simulation“ entwickelt sich rasant weiter. Jürgen Schmidhuber forscht an „Künstlichen Neuronalen Netzen“. Bei diesem Rechenverfahren wird ein Computer so programmiert, dass er so gut wie möglich die Arbeitsweise eines menschlichen Gehirns simuliert. Das Konzept, welches schon älter ist, erfährt zurzeit unter dem Begriff „Deep Learning“ einen Boom. „Unsere seit den 1990ern in München und der Schweiz entwickelten tiefen Netze sind heute Milliarden Smartphone-Nutzern zugänglich, etwa für Spracherkennung“, führt Schmidhuber aus. „Unsere formelle Theorie des Spaßes erlaubt es sogar, Neugierde und Kreativität zu implementieren, um künstliche Wissenschaftler und Künstler zu bauen.“

Grafik: (c) Lukas Unger

Grafik: (c) Lukas Unger

Markus Vincze, der sich an der TU Wien mit Robotik beschäftigt, glaubt, dass kognitive Arbeit (Arbeit mithilfe von gedanklicher Leistung) physische (Arbeit mithilfe der Körperkraft) ersetzen werde. Vincze betont zudem, dass man besonders hinsichtlich der Entwicklungsgeschwindigkeit KI von Robotern unterscheiden müsse: „Maschinen werden zwar leichter und beweglicher, doch dies entwickelt sich viel langsamer, als die Computerleistung. Wegen des rascheren Wachstums dürften auch KI schneller Jobs verändern, als dies Roboter tun.“

Über die Aufteilung der Arbeit und der „Angst vor der Maschine“

Blase_rotDieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts Work in Progress. Weitere Texte dazu findest du in den kommenden Wochen hier.

 

Titelbild: (c) Lukas Unger


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