Hofer: Das Blaue vom Himmel

Foto: (c) Maren Häußermann

Zum dritten Mal nähert sich dieses Jahr schon die Bundespräsidentenwahl. Im Laufe des langen Wahlkampfes haben die beiden Kandidaten viel gesagt und versprochen. Eine Analyse der Widersprüche und Falschaussagen von Norbert Hofer.

Blase_rot-150x150Hier geht es zu den widersprüchlichen Aussagen von Alexander Van der Bellen.

Norbert Hofer bleibt wegen seiner Aussagen in der Diskussion. Hier nun fünf Beispiele, warum er immer wieder ins Visier der Kritiker gerät.

(c) FPÖ

Pressefoto (c) FPÖ

Er hat die falschen Freunde
Hofer ist Ehrenmitglied der Burschenschaft „B! Marko-Germania“. An sich ist das eine schöne Sache, würde sie nicht die Österreichische Nation ablehnen. Darauf angesprochen antwortete Hofer: „Meine Verbindung (…) hat die Österreichische Nation niemals abgelehnt und Sie werden keinen diesbezüglichen Punkt in den Statuten finden.“

Und doch gibt es laut dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes ein Dokument der Vereinigung, in dem die „geschichtswidrige Fiktion einer österreichischen Nation“ ablehnt wird.

…Blöd. Aber Hand aufs Herz, machen wir nicht alle irgendwo mit, ohne die AGBs zu kennen?

Er hat die falschen Fans
Die selbe Burschenschaft setzt sich auch für die „Deutsche Kulturgemeinschaft“ ein, die sich über eine gemeinsame Herkunft, Sprache und Kultur definiert. Das machen zum Beispiel auch die rechtsextremen Identitären. Trotz ähnlicher Interessen sagte Hofer über diese Bewegung in einem Interview mit der APA im Mai 2016: „Da sage ich gleich von Anfang an, dass ich mit dieser Gruppe nichts zu tun haben will.“

Zur selben Zeit kursierte ein Foto auf Twitter, dass ihn mit Christian Sova, einem derzeitigen Mitglied der „Identitären Bewegung“ beim Akademikerball 2016 zeigt.

…Was soll man sagen: Hofer ist nun mal auch bei rechtsextremen Aktivisten beliebt. Seine Fans kann man sich ja nicht aussuchen, oder?

Er hat die falsche Lieblingsblume
Die schöne blaue Kornblume. Schon öfter wurden FPÖ Mitglieder dafür kritisiert, sie bei Angelobungen oder Sitzungen des Nationalrates zu tragen. Warum nur?

Die blaue Blume ist mit nationalistischem Gedankengut belastet. In den deutschnationalistischen Kontext gebracht hat sie Georg von Schönerer, radikaler Antisemit und später Vorbild Adolf Hitlers. Er war seit 1879 Führer der „Alldeutschen Vereinigung“, die Österreich-Ungarn ablehnte und ein großdeutsches Reich forderte. Er machte die Kornblume zum Parteisymbol. In der Zwischenkriegszeit wurde die Blume dann zum Symbol des Dritten Lagers und erstmals Erkennungszeichen der illegalen Nazis. Dem Kurier bestätigt Oliver Rathkolb, Zeithistoriker an der Universität Wien, dass die Kornblume „ganz klar ein Symbol für die antisemitische Schönerer-Bewegung“ war und in „den dreißiger Jahren den illegalen Nazis als Erkennungszeichen“ diente. Auch der VfGH führte 1995 ein Gutachten zur Blume durch, das besagt, dass die Kornblume historisch belastet ist und ein Ersatzzeichen für verbotene Symbole der NSDAP war.

Bei einer Pressekonferenz der FPÖ beteuerte Hofer, dass es sich um die „Europablume“ handele, im Kurier-Interview sagt er, sie würde getragen, weil sie blau ist und sie „kann ja nichts dafür, dass sie von illegalen Nazis getragen worden ist.“

Zur sogenannten Europablume lässt sich außer einer Briefmarkenserie und einer Kunstinstallation nichts finden. Lothar Höbelt, Historiker an der Universität Wien, sagte dem Kurier: „Woher sie das haben, weiß ich nicht.“

Hofer äußerte sich dazu folgendermaßen: „Ein Tennisspieler ist ja auch kein Nazi, weil er weiße Socken trägt“.

… Stimmt, aber wenn der Tennisspieler eine blaue Kornblume tragen würde, dann vielleicht schon.

Er hat unglaubliche Auslandserfahrungen
Anfang des Jahres erzählte Hofer in mehreren Interviews von seinem „offiziellen Besuch“ in der Knesset, dem Israelischen Parlament im Juli 2014. So sagte er dem Standard: „Ich war Teil einer Delegation des österreichischen Parlaments und bin von der Präsidentin der Knesset empfangen worden“, oder der Tiroler Tageszeitung: „Ich wurde als erster Freiheitlicher in die Knesset eingeladen“.

Weil von der Regierung Israels aber offizielle Kontakte zur FPÖ abgelehnt werden und keine Medienberichte zu einem offiziellen Empfang erschienen sind, begannen Armin Wolf und die ZIB2 zum Thema zu recherchieren. Als er Hofer im Interview mit dem Besuch konfrontierte, versuchte dieser zu erklären, dass es ein inoffizielles Gespräch gewesen sei. Es gäbe deshalb keine Medienberichte dazu, weil man „bei diesen Gesprächen sehr vorsichtig sein“ müsse und man „auf dem diplomatischen Parkett auch etwas zerstören kann.“

Zu weiteren Ungereimtheiten kommt es, als Hofer im Interview mit der Presse und der ZIB 2 von einem Terrorakt und einer bewaffneten Frau erzählt, die neben ihm erschossen worden sei. Aber der ORF bekommt vom Pressesprecher der israelischen Polizei, Micky Rosenfeld, die Information, dass es keinen derartigen Vorfall gab. Erst später wird klar: Es gab doch einen ähnlichen Vorfall. Dabei handelte es sich um ein Mitglied der ultraorthodoxen jüdischen Gruppierung „Lev Tahor“, das aber nicht bewaffnet war. Die Frau wurde auch nicht erschossen, sondern nach einem Warnschuss von der Polizei angeschossen, so Rosenfeld zur Jerusalem Post.

…Man kommt halt in postfaktischen Zeiten nicht gerne ohne spannende Storys von einer Reise zurück.

Er hat einen ausgeprägten Nationalstolz
Im Interview mit der Presse im Juli 2016 ärgerte sich Hofer darüber, dass ihm unterstellt würde, aus der EU austreten zu wollen. Nur wenn die Türkei beitreten sollte oder die Mitgliedsstaaten entmachtet würden, wolle er die Österreicher fragen, „wie es weitergehen soll“.

Tatsächlich hat sich der Präsidentschaftskandidat schon mehrmals für einen Austritt Österreichs aus der EU ausgesprochen. Schon 2007 forderte er diesen in einer eigenen Presseaussendung, damit „Österreich wieder als souveräner Staat bezeichnet werden [kann].“

…Ist aber auch schon ein paar Jährchen her. Man kann seine Meinung ja mal ändern. Das macht sein Kontrahent Alexander van Bellen ja auch gelegentlich.

Text von Maren Häußermann und Sarah Hartl.
Titelbild: (c) Maren Häußermann

Hier geht es zu den widersprüchlichen Aussagen von Alexander Van der Bellen.


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Maren Häußermann hat European Studies studiert und macht aktuell ihre Master in Journalismus und Politikwissenschaften in Wien. Ihre Spezialität: österreichische und europäische Politik gerupft, aufgekocht und mit viel Senf serviert. Kontakt: maren.haeussermann[at]mokant.at

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