Crispies: „Die Wohnung war mit Drogen dekoriert“

Foto: (c) Markus Füxl

The Crispies feiern am 27. Oktober im Chelsea ihre Release-Feier des Debütalbums Death Row Kids. Wir haben sie im Vorfeld zum Mythos „Sex, Drugs und Rock’n’Roll“ befragt.

FM4-Soundpark-Act des Monats, zahlreiche Interviewtermine und jetzt die Album Release Show im Wiener Chelsea: Für die Wiener Rockband The Crispies geht es momentan mit durchgedrücktem Gaspedal nach oben. Wobei sich die Band mit klassischen Rock’n’Roll-Einordnungen schwer tut: „Wir sehen uns selbst als eine Art Beach Punker“, meint Sänger Tino in unserem Interview im Tunnel Vienna. Ein Gespräch über Wandtapeten aus Drogen, stalkende Ex-Freundinnen und natürlich auch Musik.

Foto: (c) Markus Füxl

Die Crispies bei ihrem Auftritt am Waves Vienna Festival

mokant.at: Eure Bandmitglieder haben sich ja alle auf der Musikschule kennen gelernt. Habt ihr euch mit einer Ausbildung auch einen Plan B gesichert, falls es nicht zum großen Durchbruch kommt?
Tino Romana: Also ich habe mir absichtlich keinen Plan B zurecht-gelegt. Wenn Leute so etwas haben, dann machen sie Plan A nicht so gut, wie sie könnten. Ich brauche den Druck irgendwie.

mokant.at: Im Moment geht es ohnehin ziemlich rasant aufwärts mit euch: Ihr seid Soundpark-Act des Monats bei FM4 und werdet als die Retter von echtem, handgemachten Rock gefeiert. Wie geht ihr mit dem ganzen Lob um?
Tino: Dass uns das mit dem handgemachten Rock’n‘Roll nachgesagt wird, ist ein bisschen komisch. Es ist zwar authentisch, was wir machen, aber natürlich überzeichnen wir das Ganze auch – man übertreibt oft.

mokant.at: In eurem Video zu Bad Blood überzeichnet ihr ja auch die Sujets von Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Ist das für euch mehr Mythos als Lebenseinstellung?
Tino: Nein, als Mythos sehe ich das nicht. Aber heute ist Kanye West genauso Rock’n’Roll wie ACDC oder die Ramones. Deswegen ist das schwer zu sagen. Unsere Inspiration ist auch gar nicht so stark von diesem Sex, Drugs und Rock’n’Roll-Ding hergekommen. Wir feiern einfach gerne ausufernde Partys und da lag die Überlegung sehr nahe, dass wir uns für das Musikvideo dabei filmen lassen.

mokant.at: Was war eure bisher wildeste Party?
Tino: Also das intensivste Partyerlebnis hatten wir erst vor kurzem im August. Mein Bassist Bruno samt Freundin und ich sind für vier Tage nach Berlin gefahren und haben uns eine Airbnb-Wohnung gemietet. Die gehörte so einer New Wave Hippie-Tante, die alles in der Wohnung mit Drogen dekoriert hatte. Das WLAN-Passwort war „soschönverstrahlt“, was ziemlich eindeutig ist. Wir haben dann vier Tage lang kein Sightseeing, sondern nur Party gemacht, bis ich im Krankenhaus gelandet bin.

mokant.at: Wie das?
Tino: Wir wollten in einen Club rein, haben uns aber auf dem Weg dorthin verlaufen. Zwischen uns und dem Eingang waren dann ungefähr 15 Bahnsteige, bei denen wir über Zäune klettern mussten. Beim zehnten Zaun war ich dann schon sehr müde, es war mittlerweile auch acht Uhr in der Früh. Ich bin mit meinem Bein in einem Stachel hängen geblieben, der sich in meinen Oberschenkel gebohrt hat. Bruno hat versucht, mir rauszuhelfen, dabei hat er aber alles aufgerissen. Wir sind dann trotzdem noch zum Club geschwankt, scheiterten aber an der Tür. Der Grund war nicht, dass ich eine blutende Wunde am Oberschenkel hatte, sondern weil wir noch nicht 21 waren. (lacht)

Foto: (c) David Steiner

Tino von den Crispies beim Interview im Tunnel Vienna

mokant.at: Ich möchte jetzt ein wenig auf eure Musik zu sprechen kommen. Ihr habt ja einen recht breiten Musikgeschmack, anfänglich habt ihr mit Stoner Rock experimentiert…
Tino: Das war ein Irrtum von uns. Wir haben uns mit Zwang selbst in dieses Genre eingeordnet, das hat einfach nicht gepasst.

mokant.at: Wie habt ihr euch schlussendlich auf euren jetzigen Sound verständigt?
Tino: Als wir in der Pre-Production für das Album waren, habe ich die Songs neu arrangiert und viel gekübelt. Wir haben fast alle Soli rausgeworfen und mehr als die Hälfte der Songs gekickt, weil sie nicht gepasst haben. So hat sich dann der straighte Punk-Pop-Sound ergeben.

mokant.at: Spielt ihr dann live gekübelte Songs? Ich denke da etwa an Chelsea Child, das ihr ja auch am Waves Vienna Festival gespielt habt.
Tino: Chelsea Child ist ein ganz neuer Song, den ich für das Wiener Lokal geschrieben habe. Das war mir ein Anliegen: Wir haben beim Nightwalk dort gespielt und präsentieren unser Debutalbum dort. Es eignet sich der Name auch gut für einen Rocksong: „Chelsea“ kann sowohl ein Männer- als auch Frauenname sein, oder auch die Stadt – man weiß es einfach nicht. Ab und zu spielen wir natürlich auch alte Sachen, wenn es uns reizt.

mokant.at: War aber von Anfang an klar, dass du auf Englisch singst?
Tino: Ja, daran gab es nichts zu rütteln. Ich bin zwar zweisprachig aufgewachsen, Englisch war mir als Sprache aber immer näher als Deutsch. Im Deutschen klingt alles so schwer und bedeutungsvoll. Auf Englisch kannst du auch große Sachen ganz beiläufig bringen. Ich mag Überdramatisches einfach nicht.

Tino von den Crispies über ihren Look und gruselige Geschenke von Ex-Freundinnen

Titelbild: (c) Markus Füxl


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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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