Vaseva: „Wie Ennio Morricone mit Pop“ (2)

(c) Martin Posch

Vaseva – das sind die Cousins Maria und Severin plus gefühlte weitere zehn Familienmitglieder, die sie als Band begleiten. Wir haben sie vor ihrer Show im Wiener B72 getroffen und über ihren neuen Plattendeal, musikalisches Erbe, Volksmusik und die neue, hippe Innsbrucker Szene unterhalten:

mokant.at: Ihr wurdet jetzt auch unter Vertrag genommen, hab’ ich das richtig vernommen?
Severin: Ja, wir bringen bei dem jungen Label Tuco Music eine neue EP raus, in Zusammenarbeit mit Wohnzimmer, die auch unser Booking übernehmen. Tales of Time wird sie heißen.

mokant.at: Euch gibt es ja offiziell schon seit sechs Jahren. Wieso kommt ein Album erst jetzt zustande?
Maria: Es hat einfach gedauert, bis wir uns so gefunden haben, wie wir jetzt sind.
Severin: In unserer Bandgeschichte haben wir mit unserem Sound viel ausprobiert. Angefangen mit einer Besetzung von zehn Leuten (zwei Bläser, vier Stimmen, Klavier), sind wir damals eher in die Soul-Richtung gegangen. Diese Selbstfindungsphase haben wir dann in den letzten eineinhalb Jahren abgeschlossen und uns forciert.

mokant.at: Könnt ihr vielleicht in drei Worten sagen, was das jetzt genau ist?
Severin: In drei Worten? Ennio Morricone mit Pop (alle lachen). Wüsten-Pop, oder Desert Pop könnte man es auch nennen. Unsere Eigenkreation.

mokant.at: Von der Grundaufstellung seid ihr ja zu zweit. Holt ihr euch die restlichen Mitglieder dann immer nach Bedarf dazu?
Severin: Wir sind ein Singer-Songwriter-Duo mit musikalischer Unterstützung. Da gibt es dann ein paar ständige Mitglieder und andere, die öfters wechseln. Wenn wir einen Gig in Wien hatten, dann haben wir einfach recht pragmatisch die mitgenommen, die Zeit hatten, und alles angepasst.

mokant.at: Besteht nicht die Gefahr, dass ihr dadurch eure Grundlinie verliert?
Maria: Mir gefällt das, wenn der Sound so ist, dass man auch ein bisschen was verändern kann. Dann ist es auch nicht immer das gleiche.
Severin: Wir haben eine fertige Aufnahme und die Songs sind schon vor den Proben festgelegt. Wir sind keine klassische Band, die sich einen Song erarbeitet, sondern haben eher einen fixen Ablauf. Jeder hat natürlich seine kreative Freiheit, aber das Grundkonstrukt steht. Darum bleiben wir unserer Linie schon treu.

mokant.at: Seid ihr dann so, dass ihr allen Bandmitgliedern genau sagt, was sie zu tun haben?
Severin: Ja, auf alle Fälle. Das läuft nach Konzept. Es gibt halt logische Konsequenzen, auch für den Aufbau auf der Bühne.

mokant.at: Ich habe gehört, dass ihr schon mindestens 30 fertige Songs habt?
Severin: 300! (alle lachen)
Maria: Wir müssen uns manchmal echt selber stoppen, damit wir uns auf die Songs konzentrieren, die wir schon haben. Aber wir haben noch nie ein Konzert gespielt, an dem wir nicht mindestens einen neuen Song gespielt haben.

(c) Martin Posch

(c) Martin Posch

mokant.at: Ist meine Fantasie eigentlich zu blühend, oder kommt in eurem Namen Vaseva dein Name vor, Severin?
Severin: Ja, also es ist eigentlich eine Kombination aus unseren Vornamen.

mokant.at: Dann müsste es doch Masema heißen?
Severin: Wir haben rumprobiert: Masev klingt scheiße, Vasem, Vasev, Vaseva,… so irgendwie ist das entstanden. Außerdem wollten wir von Anfang an ein Kunstwort das nichts bedeutet; eines zu dem man nicht gleich ein Bild im Kopf hat.

mokant.at: Severin, dein Vater ist der berühmte Volksmusiker Franz Posch, der die Fernsehsendung „Mei liabste Weis“ gegründet hat. Kommt der auch mal mit euch auf die Bühne?
Severin: Auf alten Demo-Tapes habe ich ihn oft genötigt etwas einzuspielen. Er hat auch live einige Jahre mit der Trompete mitgespielt, als wir noch eine Bläserbesetzung hatten. Sogar beim Frequency 2011.

mokant.at: Haben die Leute ihn erkannt?
Severin: Ich glaube schon, dass sie es gemerkt haben. Ihm macht es extrem viel Spaß, auch mal etwas Anderes zu spielen. Das ist vor allem das, was er früher mehr gemacht hat.

mokant.at: Das heißt, ihm gefällt eure Musik auch?
Severin: Auf jeden Fall. Außer wenn es in einer anderen Tonart zu spielen war. Dadurch, dass ich die Lieder mit der Gitarre schreibe, wird das manchmal schwierig für Bläser. Da hat er dann oft „zufällig“ seine Noten vergessen oder verloren (lacht).

mokant.at: Und andersherum – wie stehst du zu seiner Musik?
Severin: Ich bewundere ihn sehr für das, was er gemacht hat. Er wird ja mittlerweile nur noch als Volksmusik-Veteran wahrgenommen, aber ich kenne seine ganze Geschichte. Er kommt zwar aus der Volksmusik, aber hat auch mal mehr Jazz-Sachen gemacht, ist jeden Sommer in Nordamerika getourt. Einmal war er in Mexiko und wurde eingeladen, etwas für eine Fernsehshow einzuspielen. Später ist er draufgekommen, dass er für den größten lateinamerikanischen Fernsehsender im Hauptprogramm gespielt hat.

mokant.at: Es ist dir also in die Wiege gelegt worden?
Severin: Das hoffe ich. Zumindest der Wüstenpop, der wurde wohl von seiner Mexiko-Zeit inspiriert.

mokant.at: Ist eure Familie generell sehr musikalisch?
Maria: Schon, ja. Meine Schwester ist Querflöten-Lehrerin, ein Bruder hat auch eine Band. Franz fragt auch immer meinen Vater nach seiner Meinung, bevor er irgendetwas veröffentlicht.

mokant.at: Wieso haben die zwei nie eine Band gegründet?
Severin: Sie hatten einfach zu wenig Zeit. Aber bis heute steht auch die Verbindung zwischen den beiden, genauso wie bei uns.

mokant.at: Muss man einen gewissen Teil an Gen-Gut mit euch teilen, damit man mit euch auf die Bühne darf?
Maria: Dadurch, dass wir uns gut verstehen, wir alle sehr musikalisch sind, liegt es halt nahe. Aber wir sind nicht die Kelly Family! (lacht)

Titelbild: (c) Martin Posch

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Kathi hat Biologie und Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Sie findet, dass die Kombination hilfreich ist, um sich professionell über die Menschheit zu wundern.

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