Heiraten: Der einfachste Weg nach Europa (2)

In Europa eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, ist für Ausländer schwierig. Europäer, die einen Partner im Ausland haben, heiraten deshalb oft zu Aufenthaltszwecken. Teil 2.

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Foto: (c) Maren Häußermann

 Zum ersten Teil: Willst du mich heiraten? Wenn’s sein muss

Wie kriege ich meinen Ehepartner nach Österreich?
Ende gut, alles gut? Weit gefehlt. Denn jetzt kommt die österreichische und europäische Bürokratie auf den Plan. Wer ein kafkaeskes Chaos erwartet, wird nicht enttäuscht. Es beginnt mit der einfachen Frage nach der Einreise als Ehepartner. Bei dem Versuch, Hannas Onlinerecherche nachzuvollziehen, stoßen wir auf Homepages, die grundsätzlich angeben, dass Drittstaatsangehörige ein Visum brauchen, um nach Europa einzureisen, obwohl die 90-Tage-Regel schon für 53 Staaten gilt. Dass der Erstantrag von Ehepartnern auch erst nach der Einreise gestellt werden kann, wissen wir auch nur von Hanna. Auf den meisten Seiten steht, dass diese Möglichkeit eine Ausnahme darstellt und das Visum und der Erstantrag im Heimatland, in der österreichischen Botschaft beantragt und gestellt werden müssen.

Nach ihrer Rückkehr ging Hanna in das verantwortliche Amt ihrer Geburtsstadt. Der Mitarbeiter war ihren Aussagen zufolge sehr pessimistisch gegenüber ihrem Fall eingestellt. Zu ihrer Überraschung musste Hanna feststellen, dass es nicht nur darum geht, die richtigen Dokumente einzureichen, sondern dass die Entscheidung über ihre Zukunft mit Ignacio von einem einzigen Betreuer und seinen Erwägungen abhängt und noch lange nicht gefällt ist.

Totales Chaos
Als sie sagte, dass sie nicht in ihrer Geburtsstadt, sondern in Wien leben würden, antwortete ihr der Mitarbeiter mit der Aussage: „Haben Sie das Schild nicht gesehen? Wien ist anders“. Und so ist es tatsächlich. Hat das Amt in ihrer Heimatstadt noch sechs Lohnzettel verlangt, um zu überprüfen, ob genug Einkommen vorhanden ist, verlangte Wien nur mehr drei. Ein anderer Ansprechpartner sprach dann von zwei Zetteln und wieder ein anderer nur noch von einem Zettel mit Anhang eines Arbeitsvertrags. Auf Hannas E-Mails antworteten die Behörden teilweise erst nach drei Wochen und schickten dann einen Link zur Migrationsseite, die sie bereits auswendig kannte. Auf persönliche Nachfrage bei den Ämtern konnte ihr prinzipiell keine Auskunft gegeben werden, da alles nur von einem einzigen Betreuer abhängt und es nur wenige generellen Bestimmungen gibt.

Auch die Initiative Ehe-ohne-Grenzen sagt, dass man im Normalfall bei den Behörden nicht nur widersprüchliche, sondern häufig schlicht falsche Informationen bekommt. Wie viele andere stand Hanna also alleine in einem Dschungel voller Homepages und Paragrafen, Links, die ins Nirgendwo führen und Beamten, die ihren Fall nicht kannten. Auch Ignacio konnte ihr nicht helfen, da viele Seiten nur auf Deutsch und Englisch oder sogar nur auf Deutsch verfügbar sind. In unserem Gespräch meint Hanna dazu: „Ignacio ist jetzt in Österreich und ich weiß nicht, ob ich nicht was total Wichtiges vergessen habe, das uns den ganzen Plan zerstört.“

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Foto: (c) Maren Häußermann

Ohne Moos nix los
Die Magistratsabteilung 35, die für Einwanderung und Staatsbürgerschaft zuständig ist, bestätigt, dass Ignacio den Aufenthaltstitel „Familienangehöriger“ erhalten kann, wenn Hanna für den Unterhalt aufkommt. Das heißt, dass Hanna, die ja noch Studentin ist, jeden Monat über 1.300€ netto verdienen muss. Laut Ehe-ohne-Grenzen ist diese Voraussetzung zusammen mit den Sprachkenntnissen das größte Problem der meisten Paare. Ignacio muss bei der Antragsstellung bereits Deutschkenntnisse auf dem Sprachniveau A1 besitzen und nachweisen können. Wird ihm der Aufenthaltstitel erteilt, verpflichtet er sich dazu, auf das Sprachniveau A2 zu kommen.

Im Normalfall darf er zunächst nur ein Jahr hierbleiben. Wenn er nach zwei Jahren durchgängigem Aufenthalt in Österreich Sprachkenntnisse auf A2-Niveau nachweisen kann, kann ihm der Titel für drei weitere Jahre ausgestellt werden. Nach diesen fünf Jahren kann er, wenn er das Sprachniveau B2 erreicht hat, den Titel für 10 Jahre verlängern lassen.

Freizügigkeit im Europäischen Binnenmarkt, so wie Hanna sie genießt, steht ihm nicht automatisch zu. Auf Nachfrage informiert uns die Europäische Kommission aber, dass er Hanna folgen kann, sollte sie innerhalb des Binnenmarktes umziehen. Natürlich muss er dazu wieder einen Aufenthaltstitel im Zielland beantragen. Dieser wird dann für fünf Jahre ausgestellt.

Die Beantragung eines Aufenthaltstitels kostet in Österreich 120€. Zur Beantragung müssen alle Dokumente, also Geburtsurkunde, Führungszeugnis des Heimatlandes und die Heiratsurkunde übersetzt und beglaubigt werden. Im Fall von Ignacio hat jedes davon an die 100€ gekostet. Hanna sagt dazu: „Wenn du Geld hast, hast du eigentlich kein Problem, nach Europa zu kommen.“

Nach einer kurzen Denkpause fügt sie hinzu: „Ich weiß nicht, vielleicht hätten wir eh irgendwann geheiratet. Durch diese Aufenthaltsgeschichte ging das jetzt alles so schnell, dass ich noch gar nicht richtig realisiert habe, was das eigentlich für eine große Entscheidung war. “

*Namen der Protagonisten von der Redaktion geändert

Titelbild: (c) Sandra Gerner

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Maren Häußermann hat European Studies studiert und macht aktuell ihre Master in Journalismus und Politikwissenschaften in Wien. Ihre Spezialität: österreichische und europäische Politik gerupft, aufgekocht und mit viel Senf serviert. Kontakt: maren.haeussermann[at]mokant.at

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