Populismus: Das Spiel mit der Angst

(c) Sophie Minihold

Populisten nutzen gewisse rhetorische Kniffe, um Stimmung aufzuheizen. Eine Analyse der FPÖ-Wahlkampftechniken.

„Rechtspopulisten agieren aus einer Angstwelt“,  sagt Walter Ötsch bei einer Diskussionsrunde zum Thema Populismus und politische Sprache in Wien. Er ist Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der deutschen Causanus Hochschule und es ist die Antwort auf die Frage, wie die Freiheitliche Partei Wähler mobilisiert. Dass der Stimmenfang mit der Angst auch funktioniert, zeigte sich bei der diesjährigen Bundespräsidentschaftswahl in Österreich. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer wurde zwar Zweiter, holte jedoch historisch viele Wählerstimmen für seine Partei. Im Wahlkampf appellierte er an die Österreicher mit dem Slogan „Deine Heimat braucht dich jetzt“. Denn die Sicherheit Österreichs sei durch „Massenmigration“ gefährdet, wie er in einem Standard-Interview betonte. Dadurch schürte die FPÖ Ressentiments gegen Geflüchtete, schuf einen Nährboden für Angst und präsentierte sich als Retter in der Not.

In jedem Wahlkampf ist die Rhetorik der Kandidaten ein essentieller Bestandteil für die Mobilisierung der Wählerstimmen. Politische Sprache ist machtvoll, weil sie Begriffe mit Werten und Gefühlen verknüpft. Denn Begriffe wie „Flüchtlingswelle“ und „Obergrenzen“ erwecken Gefühle: „Durch die Sprache werden innere Bilder hervorgerufen“, sagt Walter Ötsch. Mit einer Welle werde Unruhe assoziiert. Wellen türmen sich auf und Wellen brechen irgendwann zusammen. Wellen können vom Menschen nicht kontrolliert werden und wirken deshalb bedrohlich.

(c) Sophie Minihold

v. l. n. r.: Walter Ötsch, Elisabeth Wehling, Hannes Swoboda

In allen Wahlkämpfen werden sprachliche Konstrukte verwendet, die einer bestimmten Weltsicht entspringen. Vorherrschende Vorurteile werden dabei in Österreich von linken und rechten Parteien gleichermaßen instrumentalisiert, um ihren Symbolcharakter zu stärken. Die Beschreibung der Flüchtlingssituation ist nur ein Beispiel. Elisabeth Wehling, Kommunikationspsychologin an der University of California in Berkeley, beschäftigt sich mit der Bedeutung der Wortwahl. Durch sie könne man auf die Weltsicht der Menschen rückschließen. In der Weltsicht der FPÖ wird die Sprache außerdem zur Positionierung einer fiktiven Wir-Gruppe gegen eine fiktive Gruppe der Anderen benutzt. Die FPÖ stellt dabei Österreich als homogene Einheit dar, die sich vor fremden Einflüssen schützen oder abgrenzen soll.

Das ist auch das Konzept anderer rechtspopulistischer Parteien in Europa. Dazu zählen laut Werner Bauer von der österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung extremistische Parteien wie die französische Front National, die deutsche NPD und eben auch gemäßigte rechtspopulistische Parteien wie die FPÖ. Hauptmerkmale rechtspopulistischer Parteien seien die hervorgehobenen Führungspersönlichkeiten, die Betonung der Vorrechte von Einheimischen gegenüber Migranten und die damit verbundene Angst der Entfremdung im eigenen Land.

Populisten haben ein Problem

Titelbild: (c) Sophie Minihold


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Sophie Minihold ist als Redakteurin für mokant.at tätig und studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. In ihrer Freizeit ist sie auf Konzerten zu finden. Derzeitiges Lieblingslied: Beirut - No No No

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