Leyya: „Keine sphärische Massagemusik“

Leyya

Das Newcomer-Duo Leyya aus Oberösterreich im Gespräch über esoterische Massagemusik, die Metaphorik von Butter und die Essenz von Musik

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Sie sind jung, authentisch und erfrischend anders. Ihre Musik ist etwas zwischen Pop, Triphop und Elektropop und lässt sich doch in keine Schublade stecken. Bereits in ihrer Jugend machten die Oberösterreicher Sophie Lindinger und Marco Kleebauer gemeinsam Musik. Seit 2013 sind sie unter dem außergewöhnlichen Bandnamen Leyya bekannt. mokant.at traf das überraschend schüchterne und umso sympathischere Musikduo zum Interview.

mokant.at: Ihr werdet als die Newcomer gefeiert und tretet auf etlichen Konzerten und Festivals diesen Sommer auf. Wie feiert ihr euren Erfolg?
Marco: Eigentlich feiern wir nicht. Wir haben keine Zeit dazu. (lacht)
Sophie: Wir sind sehr viel unterwegs momentan und haben viel zu tun. Da bleibt nicht wirklich Zeit zu feiern. Wenn mal ein Wochenende frei ist, dann vielleicht schon. Wir sind gar nicht solche Rockstars, wie man sich das vorstellt.

mokant.at: Warum glaubt ihr, kommt eure Musik so gut an?
Marco: Das fragen wir uns oft selbst. Ich glaube, weil es sehr viele Bands gibt und sehr viele Popsongs, und wir sehr viel Energie verwenden, damit sich das Ganze abhebt. Da steckt viel Detailarbeit drinnen. Mir ist es extrem wichtig, dass sich der Sound abhebt. Wir machen schon elektronische Musik, aber die kombinieren wir mit akustischen Instrumenten – das hört man nicht so oft.
Sophie: Besonders diese elektronische Musik mit Frauengesang, das ist gerade sehr modern. Das versuchen wir ein bisschen abzuändern und wieder etwas Neues reinzukriegen.
Marco: Strukturen, die sich etabliert haben, mal wieder auf die Seite zu legen, das kann auch sehr zermürbend sein. Da fängt man wieder bei Null an, hat man das Gefühl. Alles, was sich bewährt hat, das sollte man nicht machen. Und wir investieren sehr viel Zeit, darüber zu reflektieren. Weil wir selbst den Anspruch haben, dass das Schlimmste bei einer Band ist, wenn sie was probiert und es hat schon halb funktioniert und dann machen sie dasselbe nochmal. Dann merkt das Publikum oft, dass das denselben Schmäh hat.
Sophie: Das geht etwa bei Wanda, weil sie halt Wanda sind. Aber da find ich das zweite Album genau so wie das erste.
Marco: Es gibt Bands, da merkt man, dass die Hörer das genau wegen dem hören wollen. Und die wollen auch nichts Neues. Aber ich glaube, unser Publikum ist sehr offen und schätzt es, wenn es merkt, dass wir da viel Zeit reingesteckt haben und es etwas Neues ist und trotzdem noch den Sound hat, der uns ausmacht.

(c) Christina Seitz

(c) Christina Seitz

mokant.at: Wie würdet ihr euren durchschnittlichen Fan beschreiben?
Sophie: Ich weiß nicht, ob wir schon in der Position sind zu sagen, „Wir haben Fans.“

mokant.at: Okay, dann euren durchschnittlichen Hörer?
Sophie: (lacht) Das klingt besser. Keine Ahnung.
Marco: Ich glaube das ist ein Mensch, der sehr viel verschiedene Musik hört, nicht nur Pop im Radio. Wir sprechen ein breites und offenes Publikum an. Unser Publikum hört von Wanda bis hin zu anderer elektronischer Musik, so wie wir auch.
Sophie: Wenn wir dann manchmal nach Konzerten mit irgendwelchen Leuten quatschen, dann sind das meistens ganz normale nette Leute.
Marco: Ja, Gott sei Dank. (lacht) Keine komischen Freaks, da würd ich mir schon bisschen Gedanken machen. Es ist aber auch das Coole, dass, wenn man so viel Zeit hineinsteckt wie wir, dann zum Beispiel Musiker zu uns kommen. Das zeigt dann, dass es mehrere Ebenen gibt: Da kommen Laien, die nicht aus dem Musikbereich kommen, die unsere Musik antreibend finden. Und dann auch Leute, die sich auskennen und sich etwas rausholen können. Oft merkt man bei Popmusik, dass der Produzent die Arbeit einfach wie am Fließband abgefertigt hat. Wir schauen, dass wir jedem Track etwas Gewisses geben und es gibt echt Leute, denen das auffällt. Das find ich immer ganz nett.

mokant.at: Laut eurem Wikipedia-Eintrag nennt sich euer Musikgenre „Triphop“. Würdet ihr das selbst auch sagen?
Sophie: Ich find es überhaupt lustig, dass es einen Wikipedia-Eintrag von uns gibt. Jetzt kann schon mal jemand ein Referat über uns schreiben.
Marco: Das Referat würde zwar nur zwei Sekunden dauern, weil es zwei Sätze sind…
Sophie: …aber es steht auf Wikipedia. (lacht)
Marco: Ich hab schon alle möglichen Varianten gelesen, wie wir kategorisiert werden. Aber ich will nicht in eine Schublade gesteckt werden. Am liebsten wäre es mir, gar kein Genre zu nennen, aber ich verstehe schon den Grundgedanken dahinter.
Sophie: Ich würde auch nicht sagen: Wir machen Elektronik-Pop. So wie uns Einige beschreiben, stellt man sich diese typische Ö3-Musik vor: diese Stimme über einer Gitarre über einem tanzbaren Beat. Das sind wir eigentlich auch nicht. Es ist recht schwierig, das zu beschreiben.
Marco: Ich glaube, im weitesten Sinne machen wir Pop.
Sophie: Das kann aber auch sehr breit gefächert werden. Radiohead ist genauso Popmusik wie Christina Stürmer. (lacht) Das ist schwierig. Aber ich hab nichts gegen Triphop, das hab‘ ich voll gern. Da ist es mir lieber, man sagt wir sind eine Triphop-Band, als eine…
Marco: …Sphärische Popband.
Sophie: Das ist das Schlimmste.
Marco: Da stellt man sich esoterische Massagemusik vor. (lacht)

Leyya über ihren Hit „Butter“, den 23. Bezirk und David Bowie

Titelbild: (c) Martina Trepczyk


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