Leyya: „Keine sphärische Massagemusik“ (Teil 2)

mokant.at: Ihr kommt beide aus einem kleinen Ort in Oberösterreich. Seid ihr beide gemeinsam nach Wien gezogen oder war das ein Zufall?
Sophie: Also eigentlich war das ein Zufall. Ich hab schon gewusst, dass er nach Wien geht. Dann hab ich mir überlegt, ja wäre eigentlich auch cool, weil Wien super ist. Weil was mach ich daheim? Dort ist nichts und die Leute gehen mir auf den Keks. Und jetzt wohnen wir schon vier Jahre in Wien.
Marco: Es war witzig, weil wir dann unabhängig voneinander ziemlich nahe gewohnt haben. Das war so ein Zufall. Sie hat im 23. Bezirk gewohnt und ich hab über die ärgsten Umwege so eine kleine Wohnung in einem Arbeiterheim, das echt komisch war, bekommen. Und das war eben genau neben ihr.
Sophie: Das war sehr schräg. Aber so haben wir dann auch angefangen, wieder mehr Musik gemeinsam zu machen. Weil der 23. am Arsch der Welt ist.
Marco: Das ist ja nicht mehr Wien!
Sophie: Wenn du da ins Zentrum willst, brauchst du eine Stunde.
Marco: Aber es ist schön dort!
Sophie: Später sind wir dann beide ins Zentrum gezogen und lustigerweise wieder sehr nahe zueinander.
Marco: Das ist auch wichtig, wenn man Musik macht. Das darf nicht mit so einem Aufwand verbunden sein. Wenn man da ewig wohin fahren muss, dann ist die Euphorie auch schnell wieder weg. So kann man alles spontan entscheiden.

mokant.at: Ist der 9. Bezirk ansprechender als der 23.?
Marco: Es ist mal ein Bezirk.
Sophie: Ja, der 23. ist nicht sehr viel anders als daheim. Du triffst dich selten mit deinen Freunden, weil du ewig überall hin brauchst. Jetzt können wir uns auch viel öfter mit den Leuten vom Label treffen, weil es nicht so weit weg ist. Mittlerweile kennen wir auch recht viele Musiker in Wien, weil die sich alle irgendwo beim Gürtel treffen, im B72 oder so. Das wäre davor nicht möglich gewesen. Das war schon wichtig und hat bestimmt einiges zum Erfolg beigetragen.

mokant.at: Könnt ihr euch noch an die Situation erinnern, in der ihr beschlossen habt, eine Band oder ein Musikduo zu sein? Gab es so eine Situation überhaupt?
Sophie: Das hat sich bei uns eigentlich eher entwickelt, also wir kennen uns ja schon ewig und wir haben früher schon mal gemeinsam ein Projekt gehabt. Ich hab dann ein eigenes Singer-Songwriter Ding gemacht. Als wir dann beide nach Wien gegangen sind, haben wir eigentlich erst wieder angefangen gemeinsam Musik zu machen.
Marco: Für uns war das auch irgendwie nie so wichtig, was das jetzt ist. Dann haben wir aus dem, was eh schon da war, was Konkretes gemacht.
Sophie: Wir sind ja live eigentlich zu viert, also eine Band mit Schlagzeuger und Bassist. Weil wir dieses Elektronik-Ding mit Computer eigentlich nicht wollen, wenn wir mit Band spielen. Darum ist es oft schwierig für die Leute uns zu kategorisieren, weil eigentlich sind wir zwei ja Leyya und werden als Duo angepriesen, aber auf der Bühne stehen wir zu viert.

(c) Christina Seitz

(c) Christina Seitz

mokant.at: Ihr verbringt beruflich und privat sehr viel Zeit miteinander. Was schätzt ihr am anderen am meisten?
Sophie: Das ist eine witzige Frage. Die meisten fragen immer was uns gegenseitig am Arsch geht.

mokant.at: Das ist die nächste Frage.
Beide: (lachen)
Marco: Sie schreibt gute Songs, das schätz ich sehr.
Sophie: Ich schätze sehr, dass er so ein extremes Durchhaltevermögen hat, wenn es ums Produzieren geht. Ich bin eher so, dass ich nach zwei, drei Stunden Song-Schreiben sehr ausgepowert bin und er sitzt dann noch sechs Stunden bis in die Nacht. Ich schreibe halt auch meistens Songs mit Akkorden von vorne bis hinten fertig. Das Produzieren nimmt halt mehr Aufwand in Anspruch, das kann er besonders gut.
Marco: Das ist ein Handwerk. Sechzig Prozent von dem was ich mache ist nicht mit emotionalem Aufwand verbunden.
Sophie: Das ist halt bei mir anders. Bei mir muss dann alles eher von der emotionalen Seite kommen. Vielleicht nimmt mich das einfach energiemäßig mehr in Anspruch. (Zu Marco) Was schätzt du an mir, das möchte ich jetzt schon wissen?
Marco: Hab ich eh gesagt…
Sophie: Ja, das hab ich ja gewusst. (lacht)

mokant.at: Jetzt die Gegenfrage: Was stört euch am anderen am meisten?
Marco: Jetzt darf ich nichts Falsches sagen. (lacht)
Sophie: Vielleicht stört mich auch das wieder, dass er so ein Durchhaltevermögen hat. Dann hab ich manchmal das Gefühl, ich sollte auch mehr machen. Manchmal mag er mich dann so mitziehen und ich bin eigentlich voll fertig.
Marco: Mich nervt es, dass sie so weit voraus denkt teilweise. Obwohl es gleichzeitig auch wieder gut ist, sonst würde nichts funktionieren. Ich mach mir eher Gedanken, was in den nächsten fünf Minuten passiert.

mokant.at: Ihr widmet euch beide momentan gänzlich der Musik. Oder?
Marco: Ich hab erst am Donnerstag mein Studium abgeschlossen.

mokant.at: Was hast du studiert?
Marco: Ich hab Medien und Musik auf Diplom studiert.

mokant.at: Gratulation!
Marco: Danke, das hat eh vier Jahre gedauert. Aber nebenbei zu spielen und andere Sachen zu machen, die mit Musik zu tun haben, das war eigentlich recht viel. Jetzt bin ich froh, dass ich mich auf unser nächstes Album konzentrieren kann.
Sophie: Also ich arbeite ca. zehn Stunden in der Woche als Kellnerin, weil ich einfach ein gewisses Grundeinkommen sehr schätze und weil wir unser Einkommen von der Band meistens verwenden, um in etwas Neues zu investieren. Deswegen hat man da nicht so ein fixes Einkommen und mit dem Nebeneinkommen weiß ich, dass ich meine Wohnung zahlen kann, egal was passiert.

mokant.at: Ihr habt einmal in einem Interview gesagt, dass euer ungewöhnlicher Name Leyya eigentlich nicht viel Bedeutung hat. Wie sieht es hingegen mit eurem aktuellen Hit Butter aus?
Marco: Es gibt immer persönliche Assoziation zu den Titeln. Wir finden es beide ziemlich lächerlich, wenn man beispielsweise in einem Lied „I need you“ singt und dann heißt der Titel I need you. Das ist so plakativ.
Sophie: Total unkreativ.
Marco: Man kann viel mehr mit einem Titel machen. Bei Butter ist der Titel an sich schon etwas, das man interessant findet. Butter ist nichts, das man als Songtitel erwartet. Es lässt auch großen Interpretationsfreiraum.
Sophie: Man kann es dann auch soweit aufbereiten, dass es zum Song passt. Das ist beim ganzen Album so, dass jeder Titel irgendwie zum Song passt, nur vielleicht nicht offensichtlich.
Marco: Mir macht es immer voll Spaß, den Titel zu finden. Dieser Song ist antreibend und hat eine gewisse Reibung. Er ist rhythmisch und sehr hektisch. Dann kommt man von Reibung auf Hitze und Butter, die schmilzt. Dann sind wir drauf gekommen, dass wir im Video einfach Butter zeigen.

mokant.at: Also hattet ihr zuerst den Titel und dann die Idee zum Video?
Marco: Es ist witzig. Jeder überlegt dann, was das für eine Metapher sein könnte. Und dann kommt im Video Butter vor und dann sind die Leute vielleicht kurz verwirrt, weil da dann einfach Butter ist. Metaphern muss man auch nicht ernst nehmen. Damit kann man sich spielen.

mokant.at: Wo habt ihr das Video zu Butter eigentlich gedreht?
Sophie: In Kroatien. Wir sind zu fünft mit unserem Bandbus in der Nebensaison hingefahren. Wir haben Meer und Flächen gebraucht, auf denen man mit Autos fahren kann. Das hat sich dann zufällig ergeben, dass es dort einen perfekten Ort dafür gab.
Marco: Wir haben dann schon lange gesucht. Da war dann so ein alter verlassener Flughafen…
Sophie: …mit einer ewig langen Landebahn, also eine Betonfläche. Das war echt perfekt.
Marco: Das war so eine lächerlich einfache Lösung.

mokant.at: Habt ihr irgendwelche Vorbilder in der Musiklandschaft?
Marco: Jeder, der nicht das Gleiche zweimal macht. Aber auch nicht den Fehler macht, dass er komplett was anderes macht, was dann so aufgesetzt wirkt. Also so von Techno auf Rock und von Rock auf Soul – das finde ich dann ein bisschen lächerlich. Das muss schon in einem Bereich sein, das finde ich dann cool. David Bowie zum Beispiel. Das muss man in so einem Alter mal machen. Also ich will jetzt nicht sagen, dass David Bowie mein konkretes Vorbild ist, aber er war und ist weiterhin einfach cool.

mokant.at: Was ist euer größter Wunsch für die Zukunft?
Sophie: Vielleicht nicht mehr als Kellnerin arbeiten zu müssen, um meine Miete zahlen zu können. Mein größter Wunsch ist es, einfach so lange wie möglich Musik zu machen. Ich will nicht superberühmt und superreich werden, aber ich will einfach für eine gewisse Zeit davon leben können.
Marco: Ja, eigentlich dasselbe. Und andersrum auch, dass alle Menschen endlich checken, wie wichtig Musik eigentlich ist. Es sollte nicht immer so gesehen werden, dass Musik das I-Tüpfelchen in der Gesellschaft ist. Denn sie ist so etwas Essentielles für den Menschen.

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Titelbild: (c) Martina Trepczyk


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katharina.rustler@mokant.at'

1 Comment

  1. Dominik Knapp

    28. Juni 2016 at 12:23

    Das mit der Verkehrsanbindung kenn ich nur allzu gut…

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