Und Überhaupt: Reisewarnung für Europa, said the USA

In der Kolumne UND ÜBERHAUPT schreibt sich unsere Kultur-Chefin Sabrina (semi-)regelmäßig ihre Gedanken zum Leben und Leben Lassen von der Seele.

Als Generation DKT konnten wir’s zwar erahnen, aber ganz so teuer hatten wir uns die Mieten an der Kärntner Straße dann doch nicht vorgestellt: 25.000 Euro Miete soll Starbucks bezahlt haben. Und so dermaßen überteuert, dass sich diese Miete ausgeht, kann man Getränke gar nicht anbieten – und Starbucks muss es wissen, denn versucht hätt’ er’s ja. Ein möglicher (Fantasie-)Grund für die Pleite könnte auch der Umstand sein, dass die amerikanischen Touristen ausbleiben. Warum das? Weil die US of A, Vordenker die sie sind, eine Reisewarnung für ganz Europa ausgegeben haben. Die US of A haben wohl keine Häuser in der Kärntner Straße.

Überhaupt kann man ja nirgends mehr hinreisen, spricht die Homeland Security. Und im DKT-Spektrum macht das ja auch irgendwie Sinn: Der Mirabellplatz war uns doch allen immer schon suspekt und alles in Bregenz und Eisenstadt war viel zu günstig, um koscher zu sein. Die Amerikaner haben das erkannt und alle mal direkt aufs Feld Gesetzesverstoß gesetzt – drei Runden aussetzen! Bis August um genau zu sein, dann kann die Terrorwarnstufe nämlich wieder sanft gesenkt werden, wenn sowohl Hochsaison als auch EM vorbei sind.

Ich schreibe in DKT-Referenzen, aber eigentlich ist das alles kein Spiel. Weil eigentlich ist das alles ein fingerzeigender Mist. Weil überhaupt ist für die US-Amerikaner sowieso fast jedes Land sicherer als das eigene.

Sie sind Meister der Angstmache und der Auslagerung von Problemen, die Amis. Damit sind sie selbstverständlich nicht alleine, man siehe… überall sonst auf der Welt auch. Aber sie verstricken sich irgendwie immer in die größten Widersprüche mit dem meisten Fanfare. Sie suchen die Gefahr immer außen, von anderswo. Dabei ist die größte Gefahr zuhause, im blessed homeland, im Wandschrank des Nachbarn – hausgemacht und in kränkelnde Gesetze geformt.

Hauptsache die Flughäfen hundertfach sichern und das anarchische Europa (und die restliche Welt) als Gefahrenzone deklarieren, während man landesintern Waffenbesitz ohne Zulassung, ohne Wartezeit und ohne Überprüfung erlaubt und sich am Ende wundert. Während sie vor Anschlägen in Europa warnen, laufen reihenweise Wahnsinnige vor ihren Nasen Amok – immer wieder. Reflexartig wird in die Ferne geschaut und die Waffen werden fester umklammert. Weil schützen muss man sich – jetzt noch mehr als zuvor. Mit Waffen – mit jetzt noch mehr als zuvor. Und natürlich zuhause bleiben – jetzt noch mehr als zuvor.

Weil überhaupt: Wer will schon in der Kärntner Straße „Miete zahlen“, wenn er das Geld doch daheim für Trump-Support ausgeben kann. Der grantelnde Kellner im Traditionskaffeehaus kommt auch so zu seinem Trinkgeld.

 

Titelbild: (c) Sabrina Freundlich


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Sabrina Freundlich ist stellvertretende Chefredakteurin von mokant.at. Sie beschreibt sich als writeophile and fortune cookie lover. Kontakt: sabrina.freundlich[at]mokant.at

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