EYA GameJam: Try hard, fail fast

Foto: (c) Lukas Unger

Von Heugabel-schwingenden Mathe-Männchen bis hin zur pulsgesteuerten Smartphone-Verfolgungsjagd. Beim GameJam kreieren Technikbegeisterte in nur 48 Stunden ein Computerspiel.

Es ist der erste heiße Frühlingstag in Graz. Draußen brennt die Sonne vom Himmel – in den Räumlichkeiten der Fachhochschule Joanneum hingegen ist es dunkel und kühl. Nur die Bildschirme der zahlreichen Notebooks flackern und geben etwas Licht ab. Hinein starren konzentrierte Gesichter von Menschen mit gebückter Sitzhaltung. Plötzlich blickt jemand auf: „Die Testversion ist fertig!“ Begeistert kommt das kleine Team zusammen und blickt auf ein Männchen, das herumspaziert, Ziffern einsammelt und von einem Mann mit einer Heugabel verfolgt wird.

Was bringt junge Menschen dazu, anstatt das schöne Wetter zu genießen, lieber voll Verzückung Heugabel-schwingende Männchen zu betrachten? Der EYA GameJam, (EYA = European Youth Award) eine dreitägige Veranstaltung, die bereits zum zweiten Mal in Kooperation mit der Fachhochschule und der Organisation Jamtoday stattfindet. Doch was ist das nun eigentlich? „Ein GameJam ist ein Programmier-Marathon, bei dem ein Team innerhalb von 48 Stunden ein Spiel von der Idee bis zum ersten Prototypen umsetzen muss“, sagt Organisatorin Birgit Kolb. Für drei Tage treffen sich hier Programmierer, aber auch Leute aus dem Kreativbereich, wie Creative-Artists, (Interface-)Designer und Sounddesigner. Sie alle wollen ein funktionierendes Computerspiel entwickeln – sei es für den Computer, oder als App für das Smartphone.

Die 28 Teilnehmer sind einander zum größten Teil unbekannt. Viele sind Studenten, einige kommen aus der Gegend. Doch auch Interessierte aus anderen Ländern sind gekommen, wie etwa ein Programmierer aus Slowenien, der bereits selbst GameJams organisiert hat, sowie eine belgische Designerin.

Foto: (c) Lukas Unger

Foto: (c) Lukas Unger

The Spirit of GameJam
Zu Beginn werden die Themen vorgegeben. „Die Besonderheit beim EYA Game Jam ist, dass sich die Spiele um gesellschaftlich relevante Inhalte drehen müssen“, erklärt Birgit Kolb. Eine Vertreterin der Special Olympics stellt das Motto des Sportereignisses für geistig behinderte Menschen vor, das 2017 in Österreich stattfinden wird: „Heartbeat for the world“. Zu diesem Thema sollen die Teilnehmer ein Spiel entwickeln. Alternativ können sie auch ein Spiel mit dem Thema „Learning Mathematics“ kreieren.

Matthias und Simon, Mitbegründer des Wiener Indie-Game-Studios Lost in the Garden stellen den Ablauf der bevorstehenden zwei Tage vor. Simon sagt: „Das wichtigste ist es, etwas Neues auszuprobieren. Für Perfektionismus ist hier kein Platz. Try hard and fail fast.“ Bei der Entwicklung solle man sich auf die Kernmechanismen des Spieles konzentrieren. Für das anschließende Brainstormen gibt es folgende Auflage: „Ihr dürft kein anderes Spiel erwähnen – also nicht, machen wir etwas wie ‚Mario Kart‘.“ Denn das ersticke die Kreativität und verhindere das Erproben neuer, interessanter Spielkonzepte.

Keep it simple stupid
Zufällig finden sich Paare und das Brainstormen beginnt, die Ideen sprudeln: „Ich würde so eine Art Multiplayerpuzzle machen“. „Mir ist ein einfacher Zugang wichtig. Leicht zu lernen, schwer zu meistern.“ Aus einer anderen Ecke hört man hehre Vorsätze: „Idealismus soll mitschwingen, ich muss persönlich dahinterstehen und die Leute ein wenig zum Nachdenken bewegen. Da passt das ‚Heart-Thema‘ gut.“ Andere Dialoge sind etwas themenferner, tragen jedoch zum Kennenlernen bei. „Ich schaue eigentlich kaum fern, schon gar nicht Olympische Spiele.“ – „Was, Sport? Ist überhaupt nicht meins.“

Nach einer halben Stunde stellt jedes Paar seine Idee vor – in etwas hastiger Manier. Bereits jetzt wird auf die grafische Präsentation Wert gelegt. Der Stift flitzt nur so über den Flipchart, denn jedes Paar hat nur eine Minute, um seine Idee(n) vorzustellen. „Ein Spiel muss simpel und schnell erklärt sein“, weiß Matthias, „sonst kann das nichts werden.“ Schon gar nicht, wenn die Entwicklungszeit dermaßen begrenzt ist, wie eben auf GameJams.

Foto: (c) Lukas Unger

Foto: (c) Lukas Unger

Von der Idee zum Spiel
Die Gruppen haben sich zusammengefunden. Jeder engagiert sich bei jener Umsetzung, die ihm am meisten anspricht. Den restlichen Abend und die nächsten eineinhalb Tage haben nun alle Zeit, ihre Idee zu verwirklichen. Das ultimative Ziel ist es, sein Projekt beim EYA, dem European Youth Award 2016 einzureichen. „Der EYA prämiert umgesetzte digitale Projekte“, meint Birgit Kolb. „Coding Events wie der GameJam sind quasi die Vorstufe dazu. Wenn man sein Projekt nachher noch weiterentwickelt, hat man sicherlich eine Chance zu gewinnen.“

Designer Georg hat 2013 zusammen mit drei Kollegen bereits einmal den EYA gewonnen – für „Woody“ – eine Smarthphone-App, das Nutzern im urbanen Umfeld spielerisch einen Bezug zur Natur vermittelt. An einem GameJam nimmt er jedoch zum ersten Mal teil. „Ich bin schon gespannt, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt“, meint er. Er will zusammen mit Programmierer Oliver eine App entwickeln, in der Spieler gemeinsam virtuelle Herzen sammeln, indem sie sich zu geheimen Orten in Graz begeben, und dies per GPS verifizieren. „Was wir jetzt genau machen, und ob wir mit unserer Idee weit kommen, werden wir bald sehen“.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Supporter werden und damit unabhängigen Journalismus fördern! Wenn du über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zu unserer Dienstagspost anmelden.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.