Song Contest 2016: Die Favoriten im Kurzcheck

© Andres Putting (EBU)

Die mokant.at-Musikredaktion hat sich auch in diesem Jahr – fast schon traditionell – mit den Wettquoten und Favoriten des Eurovision Song Contest 2016 auseinandergesetzt.

Man bekommt im Leben fast immer eine zweite Chance. Diese Weisheit bewahrheitete sich nun auch bei Zoë – der österreichischen Interpretin für den Eurovision Song Contest 2016. In der Vorausscheidung für den ESC 2015 musste sich die Tochter von Papermoon-Gründer Christof Straub noch knapp den The Makemakes geschlagen geben, heuer darf sich Zoë ihren großen Traum aber doch erfüllen und Österreich beim Song Contest vertreten. Loin d’ici heißt Österreichs komplett auf Französisch vorgetragener Beitrag. Damit ist Zoë heuer auch die einzige, denn durchgängig Französisch singen nicht einmal die Mitfavoriten aus Frankreich – aber dazu später mehr. Die Wettquoten sehen Österreich derzeit nur auf dem 22. Platz, womit eine Finalteilnahme fraglich ist.

Traditionell haben wir für euch die Top4 des Wettanbieterrankings (Stand: 9. Mai 23:59 Uhr) sowie die persönlichen Geheimfavoriten unserer mokant.at-Musikexperten genauer unter die Lupe genommen.

Können Wettquoten irren?

Russland – You Are The Only One – Sergey Lazarev
Geht es nach den Buchmachern, heißt der Sieger des ESC 2016 Sergey Lazarev und kommt aus Russland. Die Chancen stehen in der Tat nicht schlecht, denn bei den letzten vier Teilnahmen erreichte Russland stets einen Platz unter den ersten sieben. Russlands letzter Sieg – errungen von Dima Bilan – liegt ebenfalls erst acht Jahre zurück. Eine kleine Mischung aus Vorjahreschampion Måns Zelmerlöw und dem angesprochenen Bilan ist auch der diesjährige Interpret Sergey Lazarev. Der Song selbst ist allerdings nicht allzu spektakulär, die Favoritenrolle bei den Wettanbietern daher eher unverständlich.

Ukraine – 1944 – Jamala
Hoch im Kurs steht bei den Wettanbietern auch die Ukraine. Wie der große Nachbar Russland, besticht auch die Ukraine seit Jahren mit Spitzenplätzen beim Eurovision Song Contest. Seit der erstmaligen Teilnahme 2003 stand die Ukraine immer im Finale und landete insgesamt nur vier mal nicht unter den Top10. In diesem Jahr tritt die Ukraine mit einem sehr gewöhnunsbedürftigen aber auffälligen Song an. Interpretin Jamala setzt nicht wie Landsfrau Ruslana bei ihrem Sieg 2004 auf rhythmischen Tanz, sondern singt in ihrem sehr politischen Song über das Jahr 1944. Normalerweise haben Favoriten viel „Ohrwurmcharakter“, Jamalas Beitrag zusätzlich auch „Tinnituscharakter“. Nach rund zweieinhalb Minuten könnte man sogar glauben, ihr wäre kurzzeitig der Songtext entfallen. Bei den Wettquoten steht die Ukraine dennoch auf dem zweiten Rang.

Frankreich – J’ai cherché – Amir
Einen sehr eingängigen Beitrag schickt Frankreich ins Rennen. Interpret Amir versprüht auf der Bühne gute Laune und switcht dabei sprachlich zwischen Französisch und Englisch. Auf oddschecker.com rangiert Frankreich auf dem dritten Platz. Ob der Song auch beim Publikum im Gedächtnis bleibt, wird von vielen verschiedenen Faktoren wie der Bühnenshow und der Startnummer abhängen, denn er neigt trotz allem dazu leicht unter zu gehen. Da die vorqualifizierten Finalteilnehmer („big five“ + Veranstalter) aufgrund einer Regeländerung ihr Lied diesmal außer Konkurrenz in einem der beiden Halbfinale vortragen dürfen, scheint der leichte Nachteil des Erstmals-Im-Finale-Hörens heuer jedoch wegzufallen.

Schweden – If I Were Sorry – Frans
Auch Titelverteidiger Schweden lässt sich beim Heimspiel nicht lumpen und schickt einen außergewöhnlichen Beitrag ins Rennen. Frans‘ If I Were Sorry ist absolut massentauglich und wird auch nach dem Song Contest auf Kronehit, Ö3 und Co. oft zu hören sein. Interpret Frans fällt sowohl optisch als auch gesanglich aus der Reihe und sein Lied bleibt definitiv hängen. Auch die komplette mokant.at-Redaktion zählt den Gastgeber zu den persönlichen Favoriten; für Michael Nowak ist Schweden sogar Topfavorit. Auch bei den Wettquoten liegt Frans auf Rang 4. Fraglich bleibt nur, ob es gelingen kann den Titel zu verteidigen; das gelang zuletzt Irland 1994. Für Schweden wäre es der dritte Sieg in fünf Jahren.

Können Musik-Kenner irren?
Auch unsere Musik-Redakteure Alissa Hacker, Michael Nowak und Dominik Knapp haben die diesjährigen Teilnehmer analysiert und ihre Expertenmeinung zum ESC 2016 abgegeben.

Niederlande – Slow Down – Douwe Bob
Ruhige Töne und einen eingängigen Refrain hat der persönliche Favorit von Kollegin Alissa Hacker zu bieten. Douwe Bob hält mit seinem Song Slow Down die Fahnen für die Niederlande hoch und hofft damit ähnlich erfolgreich wie The Common Linnets abzuschneiden, die vor zwei Jahren verdienter Zweiter wurden. Auch die Buchmacher sehen die Niederlande mit dem elften Rang im erweiterten Kreis der Mitfavoriten. Ebenfalls auf der Rechnung stehen bei Alissa Australien, Schweden und Frankreich.

Island – Hear Them Calling – Greta Salóme
Kollege Michael Nowak geht diesmal zu 50 Prozent mit den Wettanbietern konform. Während auch sein Herz in erster Linie für die bereits vorgestellten Beiträge aus Schweden und Frankreich schlägt, hält er hingegen Russland und vor allem die Ukraine für maßlos überschätzt. Als kleinen Geheimfavoriten sieht er Islands Hear Them Calling von Greta Salóme, die besonders mit ihrem Bühnenauftritt, der ein wenig an Loreens Auftritt aus dem Jahr 2012 erinnert, besticht.

Belgien – What’s The Pressure – Laura Tesoro
Sich auf einen Siegesanwärter festzulegen fiel heuer besonders schwer. Neben Schweden stachen musikalisch für meinen Geschmack besonders Lettland und Estland hervor. Aber auch Bulgarien und Griechenland wussten zu gefallen. Zum persönlichen Favoriten auserkoren wurde schließlich Belgiens junge Vertreterin Laura Tesoro und ihr Lied What’s The Pressure. Bei den Wettquoten liegt Belgien zwar nur auf Rang 18, aber wie schon in den Vorjahren schlägt mein Herz auch diesmal für einen Außenseiter. Das Lied enthält typische Funk-Elemente, die spätestens seit Mark Ronsons Uptown Funk wieder salonfähig sind. Laura Tesoro (Bild oben) besticht mit ihrer unglaublichen Ausstrahlung und ihrer lebendigen Bühnenpräsenz. Vor allem im direkten Vergleich mit der gleichaltrigen Zoë und der um zwei Jahre jüngeren Jamie-Lee Kriewitz (Deutschland) wird dies augenscheinlich.

Apropos Deutschland: Der große Nachbar hätte besser bei der ursprünglichen Entscheidung, Xavier Naidoo in den Wettkampf zu schicken, bleiben sollen. Denn auch wenn die Message eines Beitrags in den vergangenen Jahren – spätestens seit Conchita Wurst – deutlich an Bedeutung zugenommen hat, ist und bleibt der Eurovision Song Contest in erster Linie ein Musikwettbewerb. Rein aus musikalischem Gesichtspunkt wäre Naidoo der ideale Kandidat für einen Spitzenplatz gewesen.

Zum Abschluss noch die Studioversion des mokant.at-Topfavoriten um die Vorfreude zu steigern:


Titelbild: © Andres Putting (EBU)


Passend dazu:
Dominik Knapp war von März 2013 bis Jänner 2017 als Redakteur und stellvertretender Chef vom Dienst (Korrekturleser) bei mokant.at tätig. Neben dem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften beschäftigt er sich vorwiegend mit Sport in all seinen Facetten (bevorzugt Tischtennis, Padel und Tennis) sowie dem Eurovision Song Contest.

1 Comment

  1. Dominik Knapp

    11. Mai 2016 at 14:25

    Update:

    Nach dem ersten Halbfinale haben die Buchmacher offenbar realisiert, dass Zoë beim Publikum doch relativ gut ankommt. Gewisse ESC-Experten sprechen in Bezug auf Zoë sogar vom „Publikumsliebling“.
    Die Wettquoten sehen Österreich mittlerweile nicht mehr auf einen Platz zwischen 20 und 24, sondern aktuell auf Platz 12; Tendenz steigend.

    Ähnliche Auswirkungen erwarte ich mir kommenden Donnerstag auch von Belgien.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.