Song Contest: Nackte Zahlen zum politischen Voting

(c) Markus Palzer-Khomenko

Das Voting beim Eurovision Song Contest ist immer wieder Thema, so auch beim ESC 2016: Oft ist von gegenseitigem Punkte-Zuschachern unter Nachbarländern die Rede. Wir haben überprüft, was dran ist.

Geahnt haben wir es ja schon immer. Österreich hatte sich deswegen sogar einige Jahre lang geweigert, am Song Contest teilzunehmen. Ist es doch beim Voting meistens (außer beim Sieg von Conchita Wurst) alleine dagestanden, während sich etwa die Ostländer die Punkte nur gegenseitig zuschacherten. Nur ein Vorurteil? Wir haben uns die nackten Zahlen der Song Contest Geschichte dazu angesehen und sind auf so manches interessante Ergebnis gestoßen.*

Österreich und seine Nachbarn
Österreich und seine Nachbarn ist eine eher traurige Geschichte – für Österreich. Die Grafiken in Bezug darauf, wie viele Punkte Österreich etwa an Deutschland oder die Schweiz vergibt und im Gegenzug dafür bekommt, sind selbsterklärend. Insgesamt vergibt Österreich übrigens am meisten Punkte an Serbien, gefolgt von Australien (das allerdings erst einmal teilgenommen hat) und Bosnien & Herzegowina. Die großzügigsten Spender an Österreich im Verlauf der gesamten Song-Contest-Geschichte waren Bulgarien und Georgien.


 

Russland und Ukraine – eine turbulente Beziehung
Russland und die Ukraine haben eine sehr lange und intensive Beziehung zueinander. Traditionell vergeben sie beim Song Contest gute Punkte an den jeweils anderen. Einbrüche gab es etwa 2005: Im Jahr 2004 hatte die orange Revolution stattgefunden, 2005 war der westlich orientierte Wiktor Juschtschenko ukrainischer Präsident geworden. 2005 war auch das Jahr, in dem der russisch-ukrainische Gaststreit begonnen hatte. Das Jahr 2009 stand erneut im Zeichen des Gasstreits, nachdem es die Jahre davor eine Einigung gegeben hatte. 2013 und 2014 sind schließlich die Jahre des Euromaidan, der Annexion der Krim und des beginnenden Kriegs in der Ukraine. 2015 nahm die Ukraine deswegen nicht beim Eurovision Song Contest teil. Heuer wird es wieder eine Teilnahme geben. Viele Punkte von Russland sind dieses Mal allerdings eher nicht zu erwarten. Die Ukraine tritt mit einem Beitrag an, in dem es um die Krimtataren geht. Die Sängerin Jamala singt in ihrem Lied „1944“ über die Vertreibung der Krimtataren während des Zweiten Weltkriegs durch Josef Stalin, eine mögliche Anspielung auf die Annexion der Krim durch Russland vor einigen Jahren. Beim ESC 2016 bekommt die Beziehung zusätzliche Brisanz, da laut Wettquoten Sergey Lazarev aus Russland und Jamala aus der Ukraine die beiden Topfavoriten auf den Sieg sind.

Russland und Weißrussland
Russland und Weißrussland sind alte Verbündete. 2011 vergab Weißrussland allerdings nur fünf Punkte an Russland. Der Grund dürfte darin liegen, dass sich die Beziehungen ab Sommer 2010 wegen Streitigkeiten um die Lieferung von Öl und Gas kurzzeitig verschlechtert hatten.

 

*Berechnet wurden nur die Ergebnisse der Finali und der an Finali teilnehmenden Länder.

 

 Voting nach Regionen – Zuschachern der Punkte?

Titelbild: (c) Markus Palzer-Khomenko

Alle Grafiken von Sofia Palzer-Khomenko und Markus Palzer-Khomenko


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Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

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