Lugner: „Lasse mir nicht auf den Kopf kacken“

(c) Georg Marlovics

Bundespräsidentschaftskandidat Richard Lugner im Interview über eine Lockerung des Verbotsgesetzes, Versäumnisse von Rot-Schwarz und seinen Streit mit dem ORF.

klein christinaWeitere Artikel zur Bundespräsidentschaftswahl

Leicht zu durchschauen gibt sich Bundespräsidentschaftskandidat Richard Lugner dieser Tage nicht. Betritt man sein Büro in der Lugner City fallen einem sofort die zahlreichen Karikaturen an den Wänden auf: Lugner als leicht übergewichtiger Batman oder nur mit Slip auf Bettwäsche im Leopardenmuster. Auch bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur präsentierte sich der Baumeister als „Kasperl“ der Nation. Mittlerweile ruderte der Society-Löwe bei solchen Darstellungen zurück: Im Interview mit Armin Wolf ärgerte es den 83-Jährigen sichtlich, dass Wolf ihn nicht über seine politischen Ansichten zu Wort kommen ließ.

Wir haben den Streit zwischen dem ORF und Richard Lugner zum Anlass genommen, ihn über seine Kandidatur zum Bundespräsidenten und die Politik in Österreich zu befragen. Daraus ist ein Gespräch über Versäumnisse in der Flüchtlingsfrage, die Forderung nach einem Marshallplan für Syrien und eine mögliche Lockerung des Verbotsgesetzes entstanden. Natürlich durften bei aller Politik aber auch Themen wie der Opernball, Selfies mit seiner Frau Cathy und skurrile Aufritte in „Wir sind Kaiser“ nicht fehlen.

mokant.at: Was ist Ihre Motivation, Bundespräsident zu werden?
Richard Lugner: Während meines letzten Weihnachtsurlaubes kam eine österreichische Zeitung auf mich zu und hat gefragt, ob ich antreten werde. Für mich kam das überhaupt nicht in Frage. Am nächsten Tag hat das dann meine Frau in der Zeitung gelesen. Wir haben einen Tag lang diskutiert und ich habe dem Verantwortlichen der Zeitung eine SMS geschrieben, dass ich es mir überlege. Nach dem Opernball haben wir diesbezüglich eine Umfrage gemacht, die mir 10 Prozent bescheinigt hat.

„Mein Wunsch ist es, Rot und Schwarz zu trennen“

mokant.at: Wenn Sie Ihre Meinung von einem Tag auf den anderen bei einer so gewichtigen Entscheidung um 180 Grad drehen, bekommt man den Anschein, dass Ihnen das Ganze nicht so wichtig ist.
Lugner: In meinem Leben entscheide ich immer schnell, sonst würde ich nichts weiter bringen. Eine schnelle Entscheidung muss deshalb keine falsche Entscheidung sein. Es geht darum, dass Rot-Schwarz das Land in den Abgrund führt. Die Bundespräsidenten wollen immer eine Regierung mit SPÖ und ÖVP. Die beiden lösen aber keine Probleme, sondern streiten nur. Wir waren noch vor ein paar Jahren im Wirtschaftsaufschwung vor Deutschland, jetzt sind wir das Schlusslicht in Europa. Wir haben momentan 500 000 Arbeitslose, das gab es noch nie in der Zweiten Republik. Und deshalb benötigt es einen unabhängigen Bundespräsidenten, der Rot und Schwarz endlich trennt.

mokant.at: Was wäre denn Ihre persönliche Wunschregierung?
Lugner: Mein Wunsch ist es, Rot und Schwarz zu trennen und dass eine der beiden Parteien mit den Oppositionsparteien eine Regierung bildet. Nach den aktuellen Umfragen käme Rot-Blau oder Schwarz-Blau in Frage. Nachdem die SPÖ die FPÖ momentan ablehnt, muss der nächste Bundespräsident das eventuell ausloten und ins Gespräch bringen. Auch ein Van der Bellen, der die FPÖ nicht angeloben würde, muss sich an die Verfassung halten. Wenn sich Rot-Schwarz nicht ausgehen würde, möchte er die Grünen mit dazu holen. Das wäre ja noch schlimmer!

Rot und Schwarz machen so viel Mist, dass die Bevölkerung von ihnen genug hat. Es muss Schluss mit solchen Experimenten sein und man muss etwas Neues probieren. SPÖ und ÖVP gemeinsam hat Österreich jetzt 70 Jahre lang ausgehalten. Die beiden besetzen das ganze Land, die Richter, die Regierung, den Nationalrat. Oder nehmen Sie die Stiftungsräte des ORF. Dort sitzt etwa kein Fachmann für Medienrecht oder für Wirtschaft, das sind alles nur Stimmviecher von den Parteien. Diese Überwucherung in Österreich sollte man verhindern, indem man diesmal keinen roten oder schwarzen Bundespräsidenten wählt.

„Umfragen sind oft gefärbt. Derjenige, der sie in Auftrag gibt, verfolgt immer auch ein bestimmtes Ziel“

mokant.at: Stichwort ORF: Momentan liegen Sie mit dem ja ziemlich im Clinch. Hat der ORF jetzt Hausverbot in der Lugner City?
Lugner: Nein, der ORF hat bei mir kein Hausverbot. Er verstößt gegen das Rundfunkgesetz und gegen eine objektive Berichterstattung, wenn er von sechs Kandidaten nur fünf einlädt. Deshalb werden wir auch eine Klage einreichen. Es ist eine Sauerei, wenn der ORF als staatseigener Rundfunk nur aus parteipolitischen Gründen einen Kandidaten ausschließt. Alle anderen Kandidaten, auch die Frau Griss, haben einen gefärbten Stiftungsrat hinter sich. In ihrem Fall ist das dann rosa, soweit ich informiert bin.

mokant.at: Ist das Ausschenken von Bier am Küniglberg eigentlich eine Protest- oder eine Wahlkampfaktion?
Lugner: Das ist eine Protestaktion, weil man mich nicht mitdiskutieren lässt. Im Wahlkampf kann man sich nicht von allen auf den Kopf kacken lassen.

mokant.at: In einem Interview mit profil sehen Sie den vorletzten Platz als Sieg. Warum sollte man Sie trotzdem wählen, wenn sie sich auch mit dem fünften Platz zufrieden geben?
Lugner: Wenn ich in der Bevölkerung diskutiere, spüre ich eine relativ breite Zustimmung. Umfragen sind oft gefärbt. Derjenige, der sie in Auftrag gibt, verfolgt immer auch ein bestimmtes Ziel. Schauen wir einfach, was am 24. April heraus kommt.

mokant.at: Eine Ihrer Kompetenzen als Bundespräsident wäre es, das Land nach außen zu vertreten. Jetzt gibt es von Ihnen allerhand Fotos und Videos, die in der breiten Öffentlichkeit als „peinlich“ beschrieben werden. Ist als Bundespräsident überhaupt Platz für solche Peinlichkeiten?
Lugner: Meine Frau postet gerne auf ihrer Homepage verschiedene Bilder, das wird man dann etwas eingrenzen müssen. Derzeit bin ich noch nicht Bundespräsident und darf meiner Frau daher noch keine Fesseln anlegen (grinst).

Blase_rotHat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Supporter werden und damit unabhängigen Journalismus fördern! Wenn du über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zu unserer Dienstagspost anmelden.

Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.