Down Under the Bridge: Weil dort die Sonne scheint (2)

(c) Magdalena Bloder

Die inoffizielle Straßenmusik-Veranstaltung Down Under the Bridge am Wiener Donaukanal hat letztes Jahr für hohe mediale Wogen gesorgt. Der zweite Teil des Interviews.

mokant.at: Warum gibt es dieses Jahr Tickets für das anschließende Konzert?
Stellner: Letztes Jahr waren einfach zu viele Leute im Flex. Um diesen Ansturm zu verhindern gibt es für das anschließende Konzert im Werk 200 Karten. Ich will, dass die Musik respektiert wird und ich habe gemerkt, dass die Leute einen anderen Zugang zur Musik haben, wenn sie dafür zahlen. Das Werk ist weiter weg und das wurde absichtlich so gewählt. Nicht alle 5.000 Besucher von Down Under the Bridge sollen in das Werk gehen, sondern wirklich nur die, die sich die Bands gerne nochmal anhören möchten. Leute, die sich am Donaukanal: „Oh, die Band ist cool. Die will ich mir nochmal verstärkt anhören und wissen, wie sie sich auf der Bühne geben“ denken, sollen kommen. Geld ist ein Ausdruck von Wertschätzung. Wenn den Leuten die neun Euro für fünf Bands nicht wert sind, dann brauchen sie nicht hingehen. Diese Leute können die Bands ja am Nachmittag am Donaukanal hören.

mokant.at: Wird Down Under The Bridge in Zukunft zu einem jährlich wiederkehrenden Event?
Stellner: Ja, wenn es keine Probleme gibt, wahrscheinlich schon. Anders als im letzten Jahr, machen wir das Event dieses Jahr auf der anderen Seite vom Donaukanal, weil dort die Sonne scheint.

mokant.at: Warum ist es wichtig, dass es solche inoffiziellen Veranstaltungen gibt?
Stellner: Mir wär’s genauso recht, wenn das Event offiziell wäre. Aber den Leuten ist das wichtig. Die wollen lesen: „Secret Party“ oder „Spontan-Rave“ weil ihnen dann leichter ist, wenn sie bis einen Tag vor dem Event nicht wissen, wo es stattfindet.

mokant.at: Wieso sind solche Veranstaltungen überhaupt wichtig?
Stellner: Damit die Leute verstehen, dass man bei Straßenmusikern stehen bleiben kann. Letztes Jahr habe ich einen Tag vor dem Down under the Bridge am Donaukanal eine Stunde lang musiziert und es ist niemand stehen geblieben. Da frage ich mich: Wieso brauchen die Leute dafür ein Facebook-Event? Ich will die Leute dazu bringen, dass sie auf der Straße zuhören und stehen bleiben. Der Donaukanal ist dafür ein super Platz. Dort geht man nicht hin, wenn man Stress hat.

mokant.at: Letztes Jahr gab es 12.000 Facebook-Zusagen. Diesmal sind es bisher nur 1.700. Wie erklärst du dir diese Abnahme?
Stellner: Durch die Facebook-Umstellung auf die Option „Interessiert“. Diese „interessiert“-Zusagen belaufen sich auf 10.000 Stück. Es will sich keiner drei Monate im Vorhinein wirklich Zeit nehmen. So spontan wie die Jugend ist, will man nur am Tag der Veranstaltung selbst sagen, ob man kommt oder nicht. Wenn das Wetter schön ist, kommen die Leute, und wenn nicht, kommen sie nicht. Für uns ist es egal. Wir haben keine Ausgaben. Wir machen uns einen schönen Tag, trinken ein Bier oder zwei und wenn Leute kommen, dann spielen wir.

mokant.at: Wie sieht der Schlechtwetterplan aus?
Stellner: Der Schlechtwetter- und Schlecht-Polizei-Plan ist der, dass wir im Gastgarten vom Werk spielen. Sollten wir verjagt werden, dann können wir dorthin gehen. Oder wir spielen eben unter den Brücken.

mokant.at: Was sollen die Leute am 30. April unbedingt mitnehmen?
Stellner: Ein Bier, Müllsäcke, weil dort nix liegen bleiben soll (wie an jedem anderen Tag auch), viel Freude am Zuhören und Kleingeld für die Musiker.

Wer nicht mehr bis zur Veranstaltung am  30. April will, kann einige Musiker von Down Under the Bridge bereits am 20. April bei der Open-Stage-Veranstaltung Open Phil im Tunnel hören.

Titelbild: (c) Magdalena Bloder


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Sophie Minihold ist als Redakteurin für mokant.at tätig und studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. In ihrer Freizeit ist sie auf Konzerten zu finden. Derzeitiges Lieblingslied: Beirut - No No No

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