Gespensterführung: Gruseliges Wien

Geister, Gruselgestalten und Vampire in Wien gibt es nicht? mokant.at hat an einer Wiener Geisterführung teilgenommen

Der Wind heult und zieht durch die Gassen der Wiener Innenstadt. Am Michaelerplatz ist alles dunkel. Fast zumindest, denn die ehrwürdigen Gebäude, darunter Hofburg und Kirche St. Michael sind hell erleuchtet. Und trotz der Leute, die an diesem Samstagabend noch unterwegs sind, liegt etwas Schauerliches in der Luft. Warum wir diese Führung nicht zu einem passenderen Termin, wie beispielsweise Halloween, gewählt haben, schießt uns erst jetzt durch den Kopf. Der Treffpunkt der Führung ist durchdacht gewählt, denn die römische Ausgrabungsstätte am Michaelerplatz stimmt bereits auf den Grusel aus dem Jenseits ein. Pünktlich begrüßt uns der Stadtführer Thomas, ein klein gewachsener Mann mittleren Alters mit Fliegermütze. Erstaunlicherweise bilden wir eine Gruppe von mehr als fünfzehn Personen und das trotz der winterlichen Temperaturen. Während Thomas mit der Einleitung beginnt, ertönen im Hintergrund die Glocken der Michaelerkirche. Sie läuten zwar nicht die Geisterstunde, jedoch die Tour „Geister, Gespenster und Vampire – gruseliges Wien“ ein.

Schwarz und Weiß
Wir begeben uns vom Michaelerplatz in die Herrengasse, wo uns schon die erste Gruselgeschichte erwartet. Wir halten vor dem Esperanto- und Globenmuseum. Thomas erklärt, dass das Palais Mollard-Clary im Jahr 1830 der Sitz der britischen Botschaft war. Heute wie damals ist es eines der vielen Spukhäuser Wiens. Jahrhunderte zuvor war es im Besitz einer britischen Adelsfamilie und wurde auch von dieser bewohnt. In diesem Palais sollen heute noch Gespenster ihr Unwesen treiben, allerdings gibt es Unterschiede zwischen guten und bösen Geistern, wie wir erklärt bekommen. Man nennt sie auch die „weißen“ und „schwarzen“ Geister, wobei es bei der Farbwahl in Zusammenhang mit Gut- oder Bösartigkeit auf die Zeitepoche ankommt. So sind beispielsweise böse Geister im Mittelalter weiß und in der Renaissance schwarz. Wir lernen auch, dass man Verstorbene zum Verschwinden bringen kann, indem man ihren Namen sagt. Die Herausforderung dabei ist, dass die Gestalt einem nicht bekannt sein darf.

Während wir mehr über das Gebäude erfahren, erfasst die Gruppe ein kühler Luftzug, der einige erschaudern lässt. Als Thomas die Frage in den Raum stellt, ob denn jemand an Gespenster glaube, lächeln viele belustigt, andere blicken vorsichtig durch die Runde. Kurz sind wir der Meinung, dass jederzeit eine verkleidete Gestalt aus einer dunklen Gasse hervorspringen und „Buuuuh!“ rufen könnte. Dem ist glücklicherweise nicht so.

Tote läuten Glocken
Der weitere Weg führt uns über die Leopold-Figl-Gasse zur Minoritenkirche. Am Platz davor angekommen, herrscht Totenstille – mitten in der Innenstadt. Es gibt keinerlei Geräusche, niemand ist auf den Straßen unterwegs. Die gelbliche Beleuchtung des Säulengangs hat etwas Gespenstisches an sich. An der Wand sind Bruchstücke und Überbleibsel von Grabmälern angebracht. Passend dazu erfahren wir mehr über das Gerücht, auf Friedhöfen Stimmen der Verstorbenen hören zu können: Im frühen 18. Jahrhundert und auch im 19. Jahrhundert hatte man große Angst vor Krankheiten. Seuchen breiteten sich rasend schnell aus und um das zu verhindern, wurden Kranke, die man für tot hielt, sofort begraben. Damals fiel es kaum jemanden auf, dass es sich oft um Scheintote handelte. Nachts waren dann Wimmern und Hilferufe dieser zu vernehmen. Später wollte man diesem Vergehen vorbeugen, indem Glöckchen an den Gräbern angebracht wurden. Diese konnten dann mit einem Seil vom Sarg aus betätigt werden, falls der bereits Vergrabene doch noch am Leben sein sollte.

Den ganzen Abend hindurch versucht Thomas das ernste Thema Tod und Tote durch Witze und Anekdoten aufzulockern. Gegen Ende der Führung gelang ihm das auch schon sichtlich gut. Weiter geht es dann auf der Löwelstraße in den Innenhof der Hofburg. Im zweiten Hof angekommen fällt auf, dass nur das Kaiser Franz I. Denkmal beleuchtet wird. Nahezu alle Fenster sind dunkel, nur ein einziges im 2. Stock ist hell erleuchtet. Wir erfahren, dass in der zugehörigen Wohnung die Schriftstellerin Lotte Ingrisch wohnt. Sie beschäftigt sich in ihren Bücher mit Jenseits-Forschung und einige Details aus diesen waren Teil der Führung.

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Titelbild/Bilder: (c) Juliane Mego


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