Dresden: Organisationen für ein besseres Image (2)

(c) Laura Schilling

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Doch so rechts wie sich das Bild von Sachsen und Dresden in den Medien meist zeichnet, ist es aber dann doch nicht. Diese Einzelpersonen und Organisationen setzen sich zum Beispiel in Dresden für Weltoffenheit und Toleranz ein:

Tourismus: Initiative Dresden Weltoffen

„Wir wollen auf breitester Ebene ein klares Bekenntnis der Dresdner, Touristiker und Dresden-Fans für ein tolerantes und weltoffenes Dresden setzen und dieses über die Grenzen der Stadt hinaus kommunizieren.” Markus Braklow, Sprecher Dresden weltoffen

Der Tourismus hat unter dem neuen, schlechten Image Dresdens bereits gelitten. 2014 konnte man noch einen Zuwachs der Übernachtungszahlen von 7,6 Prozent verzeichnen,  laut dem Vorsitzenden des Tourismusverbandes in Dresden gingen sie im letzten Jahr um etwa 2,5 Prozent zurück. Jens-Marten Schwass, Geschäftsführer des bekannten Kempinski-Hotels hat eine Erklärung für den Rückgang: “Die Einbrüche sind definitiv darauf zurückzuführen, dass Dresdens Image im Moment katastrophal ist.”

Darum haben sich im Januar 2015 innerhalb kürzester Zeit 50 Partner und Unterstützer aus der Tourismus-Branche zusammengefunden und einen Kurzfilm produziert, der Dresdens Weltoffenheit und Toleranz erklärt. “Dresden hugs the world” ist der Leitspruch der Initiative Dresden weltoffen, die sich vorwiegend aus Dresdnern aus der Tourismus-Branche zusammensetzt. Im Film kommen 16 Akteure aus zwölf Nationen zu Wort, alle von ihnen haben ihren Lebensmittelpunkt in Dresden. Der Film verbreitete sich rasch über die Sozialen Netzwerke- Mit 14.000 Klicks auf Youtube und mittlerweile über 300 namentlichen Unterstützern setzte die Organisation ein Zeichen gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit.

Gegendemonstrationen: Dresden Nazifrei

„Das Bild Dresdens ist auch deshalb so von PEGIDA dominiert, weil es bisher nicht gelungen ist, wirklich kraftvollen und wirksamen Gegenprotest zu organisieren.” Albrecht von der Lieth, Sprecher Dresden Nazifrei

Dresden Nazifrei wurde bereits 2009 gegründet; ursprünglich, um den damals größten europäischen Naziaufmarsch zu blockieren. Seit 2011 veranstaltet die Organisation jedes Jahr zum 13. Februar (Tag der Zerbombung Dresdens 1945) den “Mahngang Täterspuren”, um den an diesem Tag häufig zelebrierten “Gedenk-Märschen” der Neonazis entgegenzutreten. Mit Anfang letzten Jahres fing die Organisation auch an, sich gegen Pegida zu engagieren.

„Seit über einem Jahr betreiben wir Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit, um einerseits die rassistische und menschenfeindliche Rhetorik PEGIDAs zu entlarven, andererseits breiteren gesellschaftlichen Protest zu initiieren.“, erklärt Albrecht von der Lieth, Pressesprecher des Bündnisses. Die Teilnehmerzahlen an ihren Demonstrationen variieren stark, besonders der “Mahngang Täterspuren” aber zieht jährlich mehrere tausend Teilnehmer an.

Aktive Schüler: Bildung statt Rassismus

„Wir wollen klar zeigen, dass auch wir Schüler lieber in einem weltoffenen, menschlichen und solidarischen Land leben wollen und Pegida in keinster Weise tolerieren.” Paula Roschig von Bildung statt Rassismus

Das Bündnis wurde als Reaktion auf Pegida und die regelmäßigen Demonstrationen gegründet. Dabei geht es den Organisatoren besonders darum, auch jungen Menschen die Chance zu geben, sich einzubringen. Viele Schüler wollen nicht mehr nur einfach “gegen Pegida” sein; sie wollen sich beteiligen, aktiv werden, auf die Straße gehen und vor allem auch Geflüchteten helfen. “Wir merken, wie groß aktuell das Bedürfnis der Jüngeren ist, sich politisch einzubringen”, sagt Paula Roschig.

Neben Petitionen und Beteiligungen an Aktionen organisiert das Bündnis auch eigene Demonstrationen, die sich insbesondere gegen Rassismus und für bessere politische und gesellschaftliche Bildung einsetzen. Die Schüler organisieren sich selbst und wollen mit den Aktionen zeigen, dass viele Schüler aus Dresden lieber in einem weltoffenen, menschlichen und solidarischen Land leben wollen und Pegida in keiner Weise tolerieren.

Internationaler Austausch: Technische Universität Dresden

„Als ein Teil der offenen und toleranten Mehrheit in Dresden arbeiten wir mit daran, dass diese Mehrheit auch wieder die öffentliche Wahrnehmung prägt.” Prof. Dr. Krauthäuser, Prorektor für Bildung und Internationales

Die Technische Universität ist in Dresden ein zentraler Treffpunkt internationalen Austauschs und setzt sich dementsprechend engagiert für Offenheit, Toleranz und Multikulturalität ein. “Wir schätzen unsere ausländischen Studierenden und Mitarbeiter und diese schätzen die TU Dresden”, sagt Krauthäuser, Prorektor für Bildung und Internationales. Und um Worten Taten folgen zu lassen, hat die Technische Universität Raum für drei Erstaufnameeinrichtungen geschaffen, die sich auf dem Campus befinden.

Hunderte Mitarbeiter und Studierende helfen dort ehrenamtlich, auch Deutschunterricht mit den dazugehörigen Räumlichkeiten werden von der Dresdner Universität zu Verfügung gestellt. Außerdem gibt es für Flüchtlinge die Möglichkeit einer kostenfreien Gasthörerschaft. Aktuell wird dieses Angebot von 38 Flüchtlingen vorwiegend in Veranstaltungen der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften genutzt. Die TU möchte mit ihrer Arbeit ein positives Bespiel für den Umgang mit der Krise bieten und damit auch der Stadt und dem Tourismusstandort Dresden wieder zu einem besseren und weltoffeneren Image verhelfen.

Diese Organisationen und Initiativen von Schülern, Tourismusverbänden und Aktivisten zeigen, dass es unabhängig von parteipolitischen Initiativen friedliche Antworten auf rassistische Tendenzen in Deutschland gibt. Direkt aus dem Osten, direkt aus Dresden, direkt von Bewohnern.

Titelbild: flickr.com/Metropolico.org


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