KopfhörerInnen: David Stellner Duo – Mein Lieber Freund und Zwetschkenröster

David Stellner Duo – Mein Lieber Freund und Zwetschkenröster

(VÖ: 04.02.2016 | LiMuPic Records)

(c) Magdalena Bloder

(c) Magdalena Bloder

Mein Lieber Freund und Zwetschkenröster, jetzt ist schon wieder was passiert! Im zweiten Album vom David Stellner Duo wird ein Toter vom Nachbarshund ausgegraben, der Wohnwagen wird nach Bibione gelenkt und der guten alten Zeit wird im Wirtshaus bei Gulasch und Bier gedacht. Im Album vereinen sich die Stimmen der beiden Waldviertler Mundartmusiker mit David Stellners taktangebender Gitarre und Raphael Widmanns melodischem Geigenspiel. Gewürzt wird das Ganze mit einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh, der es in sich hat.

Am vierten Februar präsentieren die beiden Musiker ihr neues Album, das nach einer österreichischen Redewendung benannt ist, im Wiener Kulturcafé 7Stern. Die fünfzehn selbst komponierten Titel bezeichnen Stellner und Widmann als „neues Wienerlied, anderes Lied und so manches Lied, das schon drei Jahre rumliegt“. Beim Reinhören in ihre zweite CD wird klar, was sie meinen. Wer nach reiner Wiener-Schmäh-Manier sucht, wird nicht fündig. Mein Lieber Freund und Zwetschkenröster bedient mehrere Genres. So besingt Stellner in Adeng Adeng die Leichtigkeit des Lebens an indonesischen Stränden mit Reggae-Rhythmen. Beim Titel Alk kommen rockige Einflüsse zum Tragen. Widmanns sonst eher bedächtige Zweitstimme entfaltet sich bei diesem Track vollständig und fragt wütend: „Wos hod da Alk aus dir gmocht? Du schaust so grauslich aus!“.

Dem Wiener auf den Leib geschrieben
Nicht weniger ehrlich, aber umso humorvoller sind die selbst geschriebenen Wienerlieder auf der CD. Dabei erschafft jedes Lied für sich ein eigenes Kopfkino, das den Zuhörer durchschnittlich drei Minuten lang mit auf eine Reise nimmt. Musikalische Unterstützung kommt von Gastmusikern am Akkordeon, der Orgel und am Klavier. Beim Lied Der Bademeister schunkelt man begleitet vom Akkordeon im Ottakringer-Tröpferlbad vor sich hin. Stimmige Zweistimmigkeiten erzählen vom Tod eines Badegastes. „Do schaust amoi ned hi und scho host den Scheam auf!“ Der Tod muss wirklich ein Wiener sein – in diesem Fall eher ein Wiener Bademeister. Menschen mit weniger Vorstellungsvermögen können für mehr Unterhaltungswert auf das dazugehörige Musikvideo zurückgreifen.

Bibione handelt hingegen weniger vom Tod, als von der Liebe der Wiener zum alljährlichen Italienurlaub und persifliert dabei gekonnt Herr und Frau Österreicher. Ein Lied über das vermeintliche Lernen der Sprache („Quanto costa des denn do?“), in dem man sich krebsrot und wie die Sardinen am Strand in Bibione, Jesolo, Caorle, Lignano oder Grado aneinander schmiegt. Geschlafen wird standesgemäß im Camper nach dem Motto: „Für die nächsten drei, vier Wochen is des unser daham.“ Dem Liedermacher-Duo ist gelungen, was sie beim letzten Gespräch mit mokant.at angekündigt hatten: das Lachen vom Konzert mit nachhause zu nehmen.

Zurück zum Staub
Den skurrilen Abschluss des Albums bildet das Lied Oidwoantandla, das besonders hervor sticht. Ein verwirrter Altwarenhändler wird in den Mittelpunkt des düsteren Liedes gerückt. Das sonst so obligatorische Meidlinger-L wird diesmal außen vor gelassen. Wunderschöne Geigenarrangements wandeln sich bis zum Ende in schräge Melodien und rütteln unaufmerksame Zuhörer wach. Die unerwartete Abfolge an Liedern in unterschiedlichen Stilen macht es jedoch ziemlich schwer, nicht aufmerksam zuzuhören. Doch genau das zeigt, wie vielfältig österreichische Mundartmusik sein kann. Mein Lieber Freund und Zwetschkenröster ist ein Sammelsurium an kuriosen Geschichten. Liebe, Leid, Freude und Wehmut werden gleichermaßen behandelt. Mal werden gesellschaftliche Normen abgeworfen, mal bürokratische Hürden im Wiener Bezirksamt auf sich genommen. Die Mischkulanz an verschiedenen Stilen innerhalb des Albums wird am besten mit Stellners Worten im Lied Bezirksamt Wien beschrieben: „Du bist ma zwar zwieda, owa i hob di gern.“

Titelbild: (c) Magdalena Bloder

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Sophie Minihold ist als Redakteurin für mokant.at tätig und studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. In ihrer Freizeit ist sie auf Konzerten zu finden. Derzeitiges Lieblingslied: Beirut - No No No

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