Jung-Akademiker: Qualifiziert, hochmotiviert, arbeitslos?!

„Und, was hast du nun vor nach deinem Abschluss?“ Diese Frage hören frischgebackene Akademiker öfter. Nach den erfolgreich absolvierten letzten Prüfungen folgt der Realitäts- Check. Was hat der Arbeitsmarkt für junge Akademiker zu bieten? Welche Erfahrungen haben sie bei der Jobsuche gemacht?

Naiv ins Arbeitsleben
„Aus heutiger Sicht bin ich recht naiv in das Arbeitsleben gestartet – meine Erwartung, dass ich in absehbarer Zeit einen Job finde, hat sich nicht verwirklicht.“ sagt Sofie (Name von der Redaktion geändert), eine Mittzwanzigerin mit FH-Abschluss in Kommunikationsmanagement. Sie ist einer von circa 22.000 arbeitslos gemeldeten Akademikern in Österreich. (Stand Oktober 2015, AMS)
In der Gesamtbetrachtung haben 6,5% aller Arbeitslosen einen akademischen Abschluss in der Tasche. Im Ranking fallen die Akadamiker damit auf den dritten Platz hinter jene Personen, die maximal die Pflichtschule besucht, beziehungsweise eine Lehre abgeschlossen haben. Im Vergleich zu den Jahren davor kann man von einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Akademiker-Milieu sprechen. Im Jahr 2014 waren 5,6 Prozent der Arbeitslosen, Personen mit akademischem Abschluss und 2013 waren es 5,3 Prozent laut offiziellen Zahlen des Arbeitsmarktservices.

Qualifiziert aber unterbezahlt
Eine etwas bessere Ausgangslage als Sofie hat Manuela (Name von der Redaktion geändert). Sie kann in ihrem Job als Kellnerin arbeiten, bis sie die richtige Arbeitsstelle findet. „Es ist ein War of Talents“, sagt die junge FH-Absolventin. „Viele in unserer Generation sind bestens ausgebildet und haben viel Arbeitserfahrung gesammelt, sodass es schwierig ist sich abzugrenzen und mit Spezialisierungen einen Platz zu finden.“ Dennoch sucht die junge Frau seit mehreren Monaten nach einem Job in ihrem Fachbereich und hat schon mehr als 50 Bewerbungen abgeschickt. Fünf Antworten hat sie bekommen. Gründe für Absagen nennen die wenigsten. Manuela übt Kritik an den Unternehmen: „Viele Stellenausschreibungen richten sich nicht an Jung-Akademiker. Ich würde mir wünschen, dass viel mehr proaktiv auf Nachwuchskräfte geschaut wird.“
Ähnliches kann auch Sofie von ihrem Bewerbungsmarathon berichten: „Teilweise bin ich durch enorm professionelle Prozesse gegangen, teilweise aber habe ich auf Bewerbungen nie eine Antwort bekommen.“ Besonders ärgere die FH-Absolventin, dass  immer öfter die ‚Eierlegende Wollmilchsau’ gesucht werde, die gut und gerne gratis arbeite. „Es gab Stellenausschreibungen, in denen ein Studienabschluss gefordert war und es sich dann herausgestellt hat, dass es sich mehr oder weniger um bessere Sekretariatsagenden handelt. Dementsprechend auch das Gehalt“, fügt sie hinzu.
Dass die Arbeitsmarktsituation für Jung-Akademiker keine einfache sei, kann Mag. Katja Sigrid Langmaier vom Alumniverband der Universität Wien bestätigen: „Sie sind von einem subjektiven Gefühl der Unsicherheit geprägt. Zudem sind junge Akademiker zunehmend von prekären Arbeitsverhältnissen wie Scheinselbstständigkeit oder Praktika abhängig.“

„Brotlose“ Studien
Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnet das Studium der Betriebswirtschaft, dicht gefolgt von Rechtswissenschaft mit jeweils über 1000 arbeitslosen Absolventen. Jeweils mehr als 400 arbeitslose Absolventen verzeichnen laut AMS die Studienrichtungen Architektur, Medizin, Psychologie und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
Der Arbeitsmarkt in Österreich ist einem Wandel unterzogen und auch die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren. Ein abgeschlossenes Studium ist also keine Garantie mehr dafür, dass ein direkter beruflicher Übergang in den jeweiligen Fachbereich gegeben ist. So verwundert es nicht, dass die neue Akademiker-Generation sich von Praktikum zu Praktikum hangelt um einen Fuß in die Türe zu bekommen.

Die Konkurrenz schläft nicht
Es sind nicht nur die Anforderungen der Arbeitgeber an Absolventen sondern auch die Vielzahl der potenziellen Konkurrenten, die die Arbeitssuche von Jung-Akademikern erschweren. Zu diesem Ergebnis kommt auch Sofie im Laufe ihrer Jobsuche: „Unis und Fachhochschulen spucken jährlich unheimlich viele Absolventen aus. Die Konkurrenz ist damit sehr groß und einen Masterabschluss hat heutzutage schnell jemand. Das Gerücht, dass man nur mit ordentlichen Connections oder dem richtigen Parteibuch an gewisse Stellen kommt, hält sich hartnäckig.“ Manuelas Einschätzung klingt ähnlich: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist vernetzt zu sein. Ohne Vitamin B scheint es wohl nicht sehr einfach zu sein. Es sei denn man erwischt einen guten Zeitpunkt.“

Unterstützung erwünscht
Auf dem Weg ins Berufsleben wünschen sich Studierende und Akadamiker immer öfter konkrete Betreuung. Der Alumniverband der Universität Wien bietet vier verschiedene Programme, bei denen sich Neo-Alumnis Unterstützung holen können. Das „Alma-Mentoring-Programm zum Berufseinstieg“ bietet Studierenden individuelle Unterstützung in der Studienabschlussphase sowie für alle anderen Studierenden offene Informationsveranstaltungen. Die Betreuung erfolgt durch berufserfahrene Absolventen. Außerdem gibt es ein Rahmenprogramm mit Workshops, Peer-Treffen und vielem mehr. Ziel ist es, das Selbstbewusstsein und die Eigenverantwortung der Studierenden zu stärken und ihnen durch Erfahrungsaustausch den Übergang vom Studium in den Beruf zu erleichtern. Ein ähnliches Programm ist „u:start“, hier werden Akademiker beim Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt. Auf der „Alumni Map“ sind derzeit bereits über 4.200 Absolventen eingetragen, die dort zeigen, wo sie leben und was sie beruflich tun. Auf dieser Plattform können Studierende recherchieren, in welchen Berufen Leute aus ihrer Fachrichtung tätig sind, und mit diesen Personen auch Kontakt aufnehmen. Außerdem bietet der Alumniverband für seine Mitglieder Zugang zu Fachgruppeninitiativen und Netzwerkveranstaltungen zum Austausch von Akademikern untereinander und zum Aufbau eines eigenen beruflichen Netzwerks.

Manuela kennt diese Angebote und beanstandet, dass Alumni-Organisationen vorrangig im Universitätsbereich und weniger im FH-Bereich tätig sind. Sie empfiehlt Karrieremessen zu besuchen, bei denen man sich ausgiebig informieren kann. Sofie wiederum ist Mitglied im Netzwerk Business & Professional Women (BPW) und hat im Rahmen dessen bei einem Mentoring-Programm mitgemacht. „Außerdem gibt es die „Young BPW’s“ – dort können sich junge Mitglieder, großteils Akademikerinnen, austauschen und einander bereichern. Bei den Clubabenden sowie unterschiedlichen Aktivitäten kommt man rasch in den persönlichen Austausch und kann vom Erfahrungsschatz der älteren Mitglieder profitieren“, erzählt sie.

Sofie hat mittlerweile einen Job gefunden. Nach vier Monaten intensiver Suche und einem aufregenden Hearing hat sie es geschafft. „Ich habe alles gegeben und wie eine Löwin gekämpft“, freut sich die junge Frau. Für alle anderen geht die Suche weiter.

Links:

Alumniverband Universität Wien

Arbeitslose AkademikerInnen nach Studienrichtung 2014

Berichte und Auswertungen des Arbeitsmarktservice Österreich

christina.seitz@mokant.at'

2 Comments

  1. teresa.egle94@gmail.com'

    trs

    2. Februar 2016 at 10:11

    Wenn die Zahlen der arbeitslosen Student_innen nicht in Relation zu den Absolvent_innen des jeweiligen Faches gesetzt werden, hat die Aufzählung wenig Aussagekraft.

  2. fabian.greiler@yahoo.com'

    Fabian

    11. Februar 2016 at 13:20

    „Ein abgeschlossenes Studium ist also keine Garantie mehr dafür, dass ein direkter beruflicher Übergang in den jeweiligen Fachbereich gegeben ist.“ In gewissen Studien, so wie Publizistik, gibt es gar keinen Fachbereich, einmal abgesehen von der akademischen Laufbahn in Kommunikationswissenschaft.

    D.h. Publizistikabsolventen müssen sich noch anderweitig engagieren, um beruflich Erfolg zu haben. Und beim aktiven Tun kommt man mit den verschiedensten Menschen in Kontakt, sprich man baut sich sukzessive selbst ein Netzwerk auf.

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