Prieth: „Sag mal Strache und Kopftuch in einem Satz…“

David Prieth HC Strassenchefin

Der Besitzer der Domain hc-strache.at spricht mit mokant.at über die Klage von HC Strache, vorgeschobene Frauenrechte und Kunst, die nicht „streicheln“ soll

Am Donnerstag, dem 25. Februar ist der Gerichtstermin. Auf dem Programm steht Heinz-Christian Strache gegen David Prieth, es geht um Verletzung des Namensrechts. Als der Innsbrucker Künstler einige Zeit zuvor beim Surfen im Internet entdeckt, dass die Domain hc-strache.at noch nicht vergeben ist, kauft er diese sofort, erstmal noch ohne zu wissen, was er damit anfangen soll. Am 11. Jänner geht das Projekt hc-strache.at: Haute Couture STRaßenCHEf*in online mit der Ankündigung Kopftücher vertreiben zu wollen. Nach einer Klage von Strache ist die Domain jetzt wieder offline. Im Interview spricht David Prieth darüber, was beim Gerichtstermin am Donnerstag auf ihn zukommt, über die Macht der Satire und über die Zukunft der STRaßenCHEf*in.

mokant.at: Wie ist es dazu gekommen, dass du hc-strache.at gekauft hast?
David Prieth: Es war eigentlich ein Zufall. Ich bin ein bisschen im Internet herumgesurft, wollte dann eben auf diese Domain gehen und habe gesehen, dass diese nicht registriert ist. Ich bin eigentlich nur drübergestopltert, hab sie aber sofort gekauft, weil ich mir gedacht hab: „Die Chance kommt einmal und nie wieder.“

mokant.at: Hast du sofort gewusst, was du damit machen willst?
David Prieth: Ich hab mir schon gedacht, dass ich irgendeines von meinen Kunstprojekten damit machen werde, ich hab aber nicht genau gewusst, was. Ich habe mich mit verschiedenen Leuten unterhalten und verschiedene Ideen gesammelt und im Gespräch mit einer befreundeten Schneiderin ist dann die Idee entstanden: Eigentlich wäre es eine perfekte Plattform für Kopftücher.

mokant.at: Wieso?
David Prieth: Wenn das Wort Strache fällt und das Wort Kopftuch fällt, ist das eigentlich schon eine explosive Mischung.

mokant.at: Heinz-Christian Strache ist gerichtlich dagegen vorgegangen. Hast du mit einer solchen Reaktion gerechnet?
David Prieth: Es wäre naiv zu glauben, dass gar nichts passiert, wenn man ein derartiges Projekt startet. Trotzdem dachte ich mir nicht, dass er das Ganze sofort auf die gerichtliche Art und Weise regeln möchte – ohne davor einmal mit mir darüber zu reden. Im Nachhinein sage ich mir aber natürlich auch: Das hätte ich mir ja eh denken können.

David Prieth strassenchefin

Foto: (c) Daniela Gugler

mokant.at: Wie lautet die Anklage jetzt genau?
David Prieth: Es geht um Verletzung des Namensrechts, um Verwechslungsgefahr bzw. um Zuordnungsverwirrung. In der Anklage steht: Der Beklagte hat die Domain bewusst gekapert in dem Wissen, dass dadurch Zuordnungsprobleme entstehen.

mokant.at: Der Prozess findet am Donnerstag, den 25. Februar statt. Was kommt auf dich zu?
David Prieth: Im Endeffekt wird es gar nicht so stressig. Wir haben die einstweilige Verfügung angenommen. Wir streiten rechtlich eigentlich nicht mehr. Wir haben gesagt: „Ja, passt, wir sehen das ein.“. Im Endeffekt treffen wir uns dort und es wird über Details geredet, darüber, wer welche Kosten übernimmt. Es handelt sich eher um Formalitätsgeschichten.

mokant.at: Als Folge der einstweiligen Verfügung habt ihr die Seite offline gestellt?
David Prieth: Die Domain. Inhaltlich kann ich ja machen was ich will im weitesten Sinne. Die Domain habe ich sofort offline geschalten, als ich die Klage erhalten hab. Gelöscht habe ich sie noch nicht.

mokant.at: Das heißt du besitzt die Domain weiterhin, darfst sie aber nicht mehr verwenden?
David Prieth: Ich habe jetzt ein lebenslanges Verbot die Domain zu betreiben. Ich besitze sie weiterhin, darf sie aber nicht mehr verwenden, d.h. nicht online schalten. Also wird sie halt „ungenutzt“ in meinem Besitz bleiben, bis sie mir wer anderer abkauft.

mokant.at: Wird es beim Prozess am Donnerstag um die 35.000 Euro Schadenersatz gehen, von denen öfters die Rede war?
David Prieth: Die 35.000 Euro wären nur ein Thema gewesen, wenn ich anfangs darauf rumgeritten hätte, dass ich seiner Forderung nicht nachkomme. Da ich gesagt habe, dass ich die Sache verstehe und die Domain offline geschaltet habe, sind die 35.000 kein Thema mehr. Im Prinzip wird nur geklärt, wer für was bezahlt, da geht es dann um die Anwaltskosten, Gerichtskosten usw.

mokant.at: Die ganze Aktion ist ja stark diskutiert worden. Es gab viel Zustimmung, aber auch Kritik. Wie reagierst du etwa auf den Vorwurf die Aktion sei dazu da gewesen HC Strache zu diffamieren?
David Prieth: Ich finde die Kritiker eh sehr interessant. Ich kann natürlich schon nachvollziehen, dass Heinz-Christian Strache ein Problem damit hat. Mir ist von Kritikern aber unter anderem auch Hetze vorgeworfen worden. Ich frage mich dann immer: In welcher Form habe ich irgendeine Art von Hetze betrieben? Das Lustige ist, dass die Leute sich ja selbst ihre Geschichte zusammenspinnen. Darum geht es eigentlich in dem ganzen Projekt. Ich stupse ein bisschen was an und dann drehen alle am Rad und sind ganz aufgeregt. Ich hab weder gehetzt, noch seinen Namen genannt oder dergleichen. Wer wirklich glaubt, dass Herr Strache Kopftücher verkaufen würde, den kann ich ohnehin nicht ernst nehmen.

David Prieth HC Strassenchefin

Foto: (c) Daniela Gugler

mokant.at: Welche Message soll durch Haute Couture STraßenChef*in transportiertwerden?
David Prieth: Zum ersten: Dass Zeichen von uns nur mit Bedeutung aufgeladen werden. Ein Kopftuch ist genau so ein Zeichen, das an sich genau gar nichts aussagt. Wie man ein Kopftuch lesen will, hängt sehr von der eigenen Einstellung ab.

Zum zweiten: Kunst muss provokant bleiben, muss anecken und soll nicht dazu da sein, die „Bürger zu streicheln“ wie Tristan Tzara mal gesagt hat.

Und zum dritten: die meisten Leute verstehen einander. So ziemlich alle Medien, Redaktionen und Menschen, mit denen ich gesprochen habe, haben die Aktion verstanden. Die Hater kommen aus den hinteren Facebook-Reihen, die keinen interessieren.

mokant.at:  Wieso gerade das Kopftuch als Thema?
David Prieth: Weil das ein Dauerbrenner in den Diskussionen und dabei sehr vage und vielseitig ist. Wenn ich gesagt hätte, ich würde auf der Homepage Burkas verkaufen, wäre das ganz was anders. Das wäre klar religiös aufgeladen. Ein Kopftuch an sich ist für mich so nichtssagend, weil es halt oft auch einfach ein Mode-Accessoire oder Arbeitsbekleidung ist. Auf jedem Musik-Festival gibt es Leute, die Kopftücher anhaben. Es geht um das Wort an sich. Sag mal „Strache“ und „Kopftuch“ in einem Satz und schau was passiert. Da muss man nicht mehr viel machen, die Leute erzählen sich die Geschichte eh selber zu Ende.

mokant.at: Derzeit wird das Kopftuch vor allem mit der muslimischen Frau und der „Unterdrückung der Frau“ assoziiert. Ist diese Assoziation aus der Luft gegriffen?
David Prieth: Es gibt Frauen, die Kopftücher aus Zwang tragen und es gibt welche, die es freiwillig tragen. Andere tragen es gar nicht. Wie das im Einzelnen aussieht, kann ich natürlich auch nicht beurteilen – da müsste man die Frauen selbst fragen. Mir kommt halt oft vor, dass Frauen in solchen Situationen ohnehin nur als „Verhandlungsbasis“ fungieren – siehe Silvester in Köln. Auf einmal schreien Leute, die sich ihr Leben lang einen Dreck um Frauenrechte geschert haben, am lautesten, wenn „die Ausländer“ „ihre“ Frauen belästigen. Da geht es dann oft gar nicht um die Frauen selbst, sondern darum, dass sich Männer gegenseitig dadurch bedrohen, indem sie „deren“ Frauen angreifen.

mokant.at: Werden Frauenrechte also nur vorgeschoben?
David Prieth: Ja klar.

 

    David Prieth über (un)problematische Tücher und die Macht der Satire

Titelbild: (c) David Prieth


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Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

1 Comment

  1. Mena

    23. Februar 2016 at 12:04

    Programm mm mm mm !!

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