KopfhörerInnen: L’aupaire – Flowers

L’aupaire – Flowers
(VÖ 11.03.2016 | Virgin Records)

(c) L'aupaire / Virgin Records

(c) L’aupaire / Virgin Records

Mit „Flowers“ hat Robert Laupert alias L’aupaire ein Debütalbum kreiert, das Indie- und Folk-Fans mit warmen Klangwogen die Kälte des Winters aus den Knochen treiben wird. Der deutsche Sänger und Songwriter hatte es mit dem ersten Album nicht eilig. Nach einem halben Jahr der musikalischen Selbstfindung in Budapest 2013 spielte er zwei Jahre lang fast ausschließlich live. Im Studio entstand 2014 die EP „Rollercoaster Girl. Für sein erstes Album, das im März erscheinen wird, hat L’aupaire zwölf seiner Songs zu einem feinen Stück Musik verschmolzen.

Seine markante Stimme und sein schwarzer Lockenkopf werden sie wieder an den Tag rufen: die Bob-Dylan-Referenzen. Aber auch wenn die Folk-Legende zu seinen Vorbildern zählt, ist L’aupaires Stimme eigenständig und verleiht seinen mit viel Gespür abgestimmten Kompositionen ihren Charme.

Bewährte Zutaten, neu gemischt
„Flowers“  enthält viele jener Elemente aus Pop, Country und Blues, die man kennen und lieben gelernt hat. L’aupaire führt uns durch rhythmisch schnellere Lieder und solche, die Tempo rausnehmen und es zulassen, sich auf die Melodien und den Klang seiner Stimme zu besinnen.

Dabei besticht nicht die musikalische Ausgefallenheit, sondern das Gefühl, mit dem die Intensität innerhalb der Lieder und im Verlauf des Albums gesteigert und auch wieder abgeschwächt wird. Man hört sich schnell in die vier- bis fünfminütigen Songs rein, schweift ab und beginnt in einem von Zeit befreiten Fluss zu treiben, der einem Traum gleicht.

Willkommen und Abschied
Mit Hometown stapft das Album bedächtig los. Es ist ein Lied des Heimkehrens, ein Lied des In-Sich-Kehrens und der Erinnerung an gute Zeiten. Rollercoaster Girl und Flowers, die Nummer, die dem Album seinen Namen gibt, werden bestimmt von der weich angeschlagenen Rhythmusgitarre, Hintergrundgesang und den dezent gesetzten Melodien einer zweiten Gitarre. Die musikalische Reise nimmt etwas an Fahrt auf, hält aber in den Nummern Uptown Diva, Hold On und Always Travelling wieder inne und L’aupaire zeigt weitere Schattierungen seiner  charmant-bodenständigen Stimme.

You holt einen mit mitreißendem Rhythmus und einem gewissen Wiedererkennungswert aus der Gedankenversunkenheit und nach dem Freude versprühenden I Would Do It All Again folgt The River. Dieses Lied ist einer der Höhepunkte des Albums und wirkt  verdächtig radiotauglich.

In der Sentimentalität von Black Coffee Girl liegt eine verflossene Liebschaft. Wie in Flowers findet sich auch hier das Motiv des Abschiednehmens. Der Traum neigt sich dem Ende zu und nach You Will Be Loved schließt L’aupaire sein Werk, wie einst The Doors, mit dem melancholischen Ausruf des Endes der Musik ab – mit einem When The Music Is Over. „Flowers“  wirkt für ein Debüt unheimlich authentisch und rund. Es ist ein Album zurückhaltender Frühlingsgefühle, die schon den lauen Spätsommer herbeizusehnen scheinen.

Titelbild: (c) L’aupaire/Virgin Records

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