Kochkurs: Knusprige Heuschrecken und nussige Würmer

Foto: (c) Lukas Unger

Insekten – kann man das essen? Natürlich, meint der Verein Speiseplan und zeigt in seinem Kochkurs, wie man Heuschrecke und Mehlwurm zu kreativen Gerichten verarbeitet.

Gespannt stehen die zirka zwölf Teilnehmer, ein Fotograf und ein Kamerateam vor einer kleinen Schüssel. „Das hier sind geröstete Mehlwürmer mit Nüssen“, erklärt Chefkoch Christoph. „Ich finde sie schmecken so besser als roh.“ Daraufhin wirft er etwas in die heiße Pfanne, das nach gängiger Meinung hier nicht hinein gehört, wohl weil es Flügel hat. Die Teilnehmer lassen sich dadurch nicht stören, neugierig kosten sie das Studentenfutter à la Mehlwurm.

Während sich draußen der Brunnenmarkt langsam leert und die Verkäufer ihre Stände abbauen, veranstaltet der Verein Speiseplan einen ungewöhnlichen Kochkurs. Alles dreht sich hier um eine Zutat, die es am Straßenmarkt um die Ecke sicher nicht zu erwerben gibt – nämlich Insekten.

Diese erstmalig zu verspeisen ist für die Teilnehmer des Kochkurses, überwiegend jüngere Frauen, spannend. Einige kommen rasch auf den Geschmack und langen ordentlich zu, andere knabbern zögerlicher am Würmchen. „Irgendwie nussig“, stellt eine junge Dame fest und wendet sich einer Schüssel mit Heimchen, einer kleinen Heuschreckenart, zu. „Mhm, die hier schmecken wiederum fischig.“

Insekten als Alternative
Den Menschen Insekten als nachhaltige und gesunde Nahrungsform näher zu bringen, dieses Ziel haben sich Christoph und Paul vom Verein Speiseplan gesetzt. Darum veranstalten sie unter anderem Kochkurse, um Bewusstsein für die Entomophagie, dem Verspeisen von Insekten, zu schaffen. „Wir wollen das Essen von Insekten als umweltschonende Alternative zu Fleisch aufzeigen“, erklärt Paul. „In Österreich sind Insekten noch nicht offiziell Lebensmittel, in Holland ist das anders.“

Aus Holland bezieht der Verein den Großteil seiner Mehlwürmer, Heimchen, Grillen und Heuschrecken. Doch letztere importiert man zum Teil auch aus Vorarlberg. Wegen der schlechten Verfügbarkeit seien Insekten im Moment auch noch recht teuer, meint Paul. „300 Euro zahlen wir für einen Kilogramm Heuschrecken.“ In einer Ecke der offenen Küche gibt stehen kleine Päckchen mit Insekten zum Verkauf – 10 Euro kosten 20 Gramm Mehlwürmer. Zum Kosten eine gute Gelegenheit, für ausgedehntere Insektendiäten ist es wohl nicht leistbar.

Foto: (c) Lukas Unger

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R.I.P. Flip
Mittlerweile geht es in der Küche drunter und drüber, denn jeder darf beim Kochen helfen. Flip der Grashüpfer brutzelt zusammen mit seinen Artgenossen und Knoblauch und Chilli im heißen Öl, Mehlwürmer werden karamelisiert. Zwei Frauen garnieren kleine Portionen Reis penibelst mit kleinen Krabblern. Andere verteilen die Insekten auf Spieße und richten diese nebst Salat mit Balsamessig auf Tellern an.

Nicht alle sind immer beschäftigt, manchen genügt es, bloß zuzuschauen, was für exotische Dinge hier verkocht werden – obgleich es auch hin und wieder „gewöhnliches“, wie Gemüse, in den Töpfen gibt. Die Stimmung ist ausgelassen, hin und wieder wird von den unterschiedlichen Speisen gekostet, die Schüssel mit dem „Mehlwürmer-Snack“ wird im Laufe des Abends ebenso leerer. Zwischen den Kochenden und Kostenden wuselt ein Kameramann umher – das Thema interessiert das Fernsehen.

Mit oder ohne Flügel?
Schließlich ist es soweit, Christoph und Paul bitten zu Tisch: Mit liebevoll gestaltetem Insektensushi beginnt das ungewöhnliche Mahl. Die Mühe der Köche macht sich bezahlt: Das nette Aussehen der Speisen, die somit durchaus an ein gehobenes Restaurant erinnern, nimmt so manchem Esser die Scheu vorm Unbekannten. Die Heuschrecken sind jedoch nicht sofort jedermanns Sache, eine junge Dame verzieht das Gesicht: „Der Nachgeschmack ist ein wenig gammelig.“

Doch den meisten scheint es zu schmecken, denn die Teller leeren sich rasch. Der nächste Gang ist eine Kürbis-Karottencremesuppe mit Buffalowürmern als Suppeneinlage – sehr sättigend. Es folgen Kartoffelpuffer mit Heimchen, geröstete Mehlwürmer auf Salatbett und Heuschrecken-Grillen-Spieße. Zum Verzehr der Heuschrecken vom Spieß hat Christoph einen Tipp parat: „Die Flügel lieber nicht essen, obwohl es Geschmacksache ist.“ Die Flügel werden also übriggelassen, problematischer hingegen ist der Verzehr der Grillen: Von den kleinen, schwarzen Tierchen abzubeißen ist für manche Gäste eine Überwindung, schauen diese doch „so lieb“ aus.

Foto: (c) Lukas Unger

Foto: (c) Lukas Unger

Eine Frage der Gewohnheit
Letztlich traut sich jeder, seinem Grillchen den Kopf abzubeißen. Über tausend Menschen hätte er schon Insekten als Mahl dargeboten, erklärt Christoph: „Von all diesen Leuten hat es zwei Menschen nicht geschmeckt.“ Es sei einfach nur Gewohnheitssache, meint eine Frau, die als Geburtstagsgeschenk den Kochkurs zusammen mit ihren Töchtern besucht: „Diesen Abscheu und Ekel vor Insekten bekommen viele in unserem Kulturkreis anerzogen. In vielen anderen Ländern essen Menschen Insekten, denn diese kann man viel effektiver züchten, im Vergleich zu Kühen oder Schweinen.“ Sie selbst züchte sogar Mehlwürmer, doch die bekäme im Moment noch die Bartagame, ihr Haustier.

„Wer Insekten vom Geschmack her als grauslich bezeichnet, hat sie schlecht zubereitet“, meint der Fotograf des Vereins, der schon öfters am Insektenmahl teilgenommen hat. Denn Insekten hätten wenig Eigengeschmack, was sie ideal zur Kombination mit verschiedensten Speisen mache. Andererseits seien sie sehr sättigend: „Insekten bestehen im Grunde nur aus Proteinen, Wasser und eventuell Chitin, deswegen braucht man weniger davon zu essen als von Fleisch.“ Und ob neu bekehrter Insektengourmet oder doch eher traditioneller Fleischtiger: Als zum Nachtisch eine Apfelcreme mit karamelisierten Mehlwürmern aufgetischt wird, sind sich alle einig: Man ist satt.

Titelbild: (c) Lukas Unger

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