Vienna Comic Con: Highlights und Tiefpunkte

Von Spiderman bis Sailor Moon. Wir waren bei der ersten Vienna Comic Con dabei und haben Besucher nach ihren Yays & Nays gefragt

Wer sich schon länger als Fan bezeichnet, sei es von Marvel, Star Wars oder Herr der Ringe, der hat wie viele andere wahrscheinlich sehnsüchtig über die Grenzen zu den Nachbarländern geblickt, wo Fan-Messen alles andere als eine neue Erfindung sind. Nach Jahren von Notlösungen wie die AniNite oder Comix, ist sie nun endlich angekommen, die Messen aller Messen: die Comic Con, erstmals in Wien. So groß die Vorfreude vieler schien, so zeigten die ersten Stunden des Samstag: Eine Comic Con, die in Wien stattfindet, darf sich nicht nur auf Lobeshymnen einstellen sondern muss auch mit ortstypischen Beschwerden rechnen. Wir waren dieses Wochenende dabei und haben uns bei Fans über die gelungensten Aktivitäten und nötigsten Verbesserungsvorschläge erkundigt.

Organisation – professionell(er Schein)
Fans wie Aussteller sind sich einig: die Vienna Comic Con sei toll organisiert gewesen. „Nirgendwo gab es lange Wartezeiten“, meint Serien-Fan Peter, der sich ebenfalls über das freundliche und geduldige Personal gefreut hat. Auch Zeichnerin Nicole spricht sich positiv über die Organisation aus: „Es war sehr professionell! Alles war schön sauber und die Ausstattung für uns Aussteller war super!“ Auf Nachfrage beim Team bekommen wir zwar nur Stirnrunzeln und ein zögerliches „Na ja“ aber dennoch: Die Mehrheit der Fans schien vollends zufrieden mit der organisatorischen Arbeit.

Stimmung und Fans – Don’t Forget To Be Awesome:
Eine Messe wie die Comic Con lebt von passionierten Fans, die nicht zu scheu sind, ihr Fandom zu feiern, und von denen gab es einige bei der diesjährigen Vienna Comic Con. „Sowohl das Cosplay als auch die Stimmung zwischen den Besuchern war genial“, meint Adventure-Time-Fan Olivia, die auf der Comic Con im Marshall-Lee-Cosplay zu sehen war. Auch Armin, eher ein casual Fan seinerseits, stimmt zu: „Obwohl ich mit vielen Fandoms nicht viel anfangen konnte, war die Stimmung zwischen den Cosplayern toll. Sie waren mit der beste Teil der Veranstaltung!“

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Amateur-Künstler: Chancen zum Networken
Wer sich an den großen, lauten Ständen nahe des Eingangs vorbeigeschlagen hat, weiß, dass neben den Profi-Ausstellern auch aufstrebende Künstler und Künstlerinnen weiter hinten in der Halle die Möglichkeit hatten, sich zu beweisen. Auch dies stieß auf Zuspruch bei vielen Besuchern, wie Kathi, die als Harley Quinn zu sehen war: „Das gibt Leuten die Chance, von Fans und anderen Künstlern bemerkt zu werden. Die Comic Con ist eine tolle Plattform um zu sehen und gesehen zu werden!“ Künstlerin Nicole, die bereits auf einige Messen war, war ebenfalls begeistert, wieder ausstellen zu dürfen und freute sich über die Networking-Möglichkeiten, die die Messe für Künstler bot und für Erfolg in der Branche essentiell ist.

Cosplay-Wettbewerbe – von Waffen bis Rüschen
Diejenigen mit Durchhaltevermögen konnten am Samstagabend den Cosplay-Wettbewerb bestaunen und auch dieser begeisterte viele Besucher. Sowohl Besucherin Kathi als auch Ausstellerin Nicole berichten vom Erfolg des Wettbewerbs, trotz Platzschwierigkeiten: „Es war leider keinen Platz für andere Cosplayer, die auch gern mitgemacht hätten“, meint Nicole. Dennoch schienen die Wettbewerbe ein voller Erfolg gewesen zu sein.

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Gäste – Aufregung und doch keine Besucher
Fans schienen gespalten, was das Angebot an Gästen aus verschiedenen Franchises angeht. Zwar waren Stars wie Giancarlo Esposito aus Breaking Bad und Natalia Tena aus Harry Potter und Game of Thrones vor Ort, jedoch genügten diese einigen Besuchern nicht. Assassin’s-Creed-Fan Armin schien auch eher ernüchtert von dieser Auswahl: „Ich finde es schade, dass sie keine großen Namen holen konnten – immerhin ist es ja eine Comic Con!“ Stephen-Universe-Fan Carina sieht das jedoch anders: „Es war ja die allererste Comic Con in Wien. Vielleicht wird das besser in den nächsten Jahren.“ Fans können nur hoffen – die leeren Schlangen vor den Foto- und Autogramm-Stationen der Stars sprachen Bände.

Fandom-Diversität – Anime-Messen gibt es schon!
Beschwerdepunkt Nummer Eins bei vielen Fans schien die Einseitigkeit der vertretenen Fandoms. So ärgerte sich Gamer und Comic-Fan Jeremy über den hohen Anime-Gehalt der Messe: „Ich habe nichts gegen Anime und Manga, aber es gibt eben schon eine Messe dafür in Wien. Ich hätte mir mehr comicbezogene Inhalte gewünscht, immerhin ist es ja die Vienna Comic Con.“ Auch Olivia war enttäuscht von den wenigen Angeboten für verschiedene Fandoms: „Wo waren die ganzen Serien und Filme? Die habe ich auf jeden Fall vermisst.“ Tatsächlich gab es für Fans von Ur-Fandoms wie Herr der Ringe, Harry Potter und anderen kaum Aktivitäten – auf jeden Fall ein Verbesserungspunkt für nächstes Jahr.

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Unpassende Marken – Wer will mit Fix und Foxy singen?
Kaum am Messegelände und schon erschlagen sie die Besucher: Logos von Libro, Media-Markt oder Fahrschulwerbung. Auch dies stieß einigen Fans unangenehm ins Auge, wie Armin, der die Messe am Samstag besuchte: „Klar, diese Läden zahlen bestimmt genug, um ausstellen und werben zu dürfen, aber muss jemand wie die Fahrschule Rainer wirklich so viel Platz einnehmen? Andere, beliebtere Fan-Angebote hätten da besser reingepasst.“ Ebenso herrschte Verwirrung über die große Präsenz einiger altmodischer Serien. Marvel-Fan und Künstlerin Kathi war alles andere als überzeugt: „Welcher Fan kommt schon 2015 auf eine Nerd-Messe, um mit Fix und Foxy zu singen oder Knightrider zu sehen?“

Kaum Aktivitäten – „Und was machen wir jetzt?“
Zwar gab es Spiele-Stationen, den berüchtigten Thron aus Game of Thrones und selbst einen Virtual-Reality-Stop – und dennoch schienen viele Fans unzufrieden mit dem Angebot an Aktivitäten der Messe. So war auch Cartoon-Network-Fan Carina eher unbeeindruckt: „Ich wollte nicht eine Stunde anstehen, um in ein riesiges Luftkissen zu springen, und ansonsten gab es im Prinzip nur Verkäufer, die einem billiges Merchandise andrehen wollten.“ Lolita und Japan-Fan Bianca war ebenfalls nicht begeistert vom Angebot an Aktivitäten: „Ich hätte gerne mehr große Programmpunkte gesehen, nicht einfach nur Informationspanels.“ Wer weiß, vielleicht packt das Vienna-Comic-Con-Team nächstes Jahr die Karaoke-Maschine aus?

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Kleine Räumlichkeiten – beim Eingang schon die Rückwand
So gut die Organisation, so klein erschien vielen Besuchern dennoch die Halle an sich. Game-Fan Armin war von Anfang an ernüchtert von der überschaubaren Messehalle: „Gleich beim Eingang konnte ich klar und deutlich alle anderen Wände in Geh-Nähe erkennen – das hätte man besser verstecken können.“ Serien-Fan Peter fand zudem die Aufteilung der Stationen unpassend gewählt: „Die Publikumsrenner wie der Game of Thrones-Thron waren genau in der Mitte, und da gab‘s kein Vorbeikommen um sich die umliegenden Stände anzusehen. Die hätte man eher extra anlegen sollen.“ Japan-Fan Bianca hofft auf Besserung bei der Größe der Messe: „Wenn sie wirklich größer wird und das Angebot wächst, hat die Vienna Comic Con gutes Potenzial, zu einer großen, sehenswerten Convention für Nerds in Wien zu werden!“

Fotos: (c) Christian Huser (www.christian-husar.com)

Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

1 Comment

  1. comicrichy@web.de'

    Comicrichy

    25. November 2015 at 09:31

    „….die leeren Schlangen vor den Foto- und Autogramm-Stationen der Stars sprachen Bände.“
    Super, die Formulierung ! Wie nett !

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