Hearts Hearts: Frischer Wind aus Wien

Foto (c): Christoph Hudl /Hearts Hearts

Die Wiener Band Hearts Hearts produziert Elektromelodien, die starke Stimmungen erzeugen. Ihr erstes Album Young erscheint im Dezember, das zweite ist bereits in Planung. Ein Portrait über vier Musiker aus Wien.

Der Geruch österreichischer Küche, Holztische mit kariertem Tischtuch, ein paar Pflanzen, keine Musik, Rauchen erlaubt – das Weinhaus Sittl am Lerchenfeldergürtel ist das Stammlokal von David Österle, Daniel Hämmerle, Johannes Mandorfer und Peter Paul Aufreiter. Sie sind Hearts Hearts, eine melodisch-elektronische Band aus Österreich. In der Konstellation stehen die vier am Anfang ihrer musikalischen Karriere, doch die ersten Hürden sind bereits geschafft: Sie haben ein Label gefunden, zwei Singles veröffentlicht und im Dezember erscheint das erste Album Young. Für diese Schritte haben sie sich lange Zeit gelassen.

Begonnen haben David und Daniel zu zweit, das war 2010. Aus der Zeit stammt auch der Bandname. Hearts Hearts ist eine Textzeile aus einem älteren Lied, das sie vom Singer-Songwriter Stil wegbrachte. „Es ist gefühlsmäßig ein wichtiges Lied in unserer kleinen Bandbiografie“, sagt Sänger David Österle. Es war das erste, in dem elektronische Stilmittel eingesetzt wurden, es ist das Lied, das musikalisch die Richtung der heute bestehenden Band bestimmt. In den letzten fünf Jahren ist Hearts Hearts mit den zwei neueren Mitgliedern Johannes und Peter Paul auch musikalisch zu der heutigen Formation herangewachsen. Die Musiker bilden ein elektronisches Quartett, das auch mit analogen Musikinstrumenten arbeitet. Gemeinsam mit der Cello-Improvisationskünstlerin Christina Ruf ist jetzt das Album entstanden.

Deadline ist der Perfektionismus
Auf den ersten Blick passen die drei nicht in das Beisl. Der Verkehr des Gürtels rauscht durch die Wände und schrill fährt ein Rettungswagen vorbei. Doch davon lässt sich keiner der vier irritieren. Sie sind entspannt und sprechen unbeirrt von ihrer Musik und der Entstehungsgeschichte des ersten Albums.

Keine Deadline zu haben, hat Hearts Hearts zur Perfektion getrieben. Die meisten Songs auf dem Album Young gab es bereits in einer gewissen Form, denn in den letzten fünf Jahren haben sich viele Ideen angesammelt. Und schon haben die vier neue Pläne und Melodien im Kopf. Ein weiteres Album ist bereits in Planung, das ist die einstimmige Meinung der Band.

Peter Paul Aufreiter ist zwar als Live-Produzent in das Projekt eingestiegen, aber als Musiker geblieben. Er studierte Gitarre und arbeitet nebenbei als Grafiker, hat schon als Mitglied der Band Kids n Cats auf sich aufmerksam gemacht und beschäftigt sich noch mit einem Soloprojekt – er ist ein kreativer Allrounder. Damit ist Peter Paul der einzige der Herren, der seinen Lebensunterhalt in der Kreativbranche verdient, während die anderen mit Diplomarbeiten und anderen Jobs beschäftigt sind. Oder auch nur einen Job haben, wie Sänger David, er sei schließlich „ein fauler Kerl“.

Der Bandname Hearts Hearts wird laut Johannes erst griffig, wenn man ihre Musik hört. „Davor denkt man vielleicht an etwas zu Nettes, was uns nicht steht“.  Also bitte:

Auch wenn Peter Paul der Produzent ist, wurde für den Aufnahmeprozess gemeinschaftlich vor dem Bildschirm gearbeitet. Bei dem Thema zieht sich ein breites Grinsen über das Gesicht von Johannes Mandorfer, dem Drummer. Auch Daniel Hämmerle verbindet Produzieren mit viel Spaß. Es wird viel gelacht beim Arbeiten und gemeinsamen Tagesausklang in ihrem Stammlokal. Hier sitzen die vier öfters auch mal länger. Die Kellnerin kenne sie schon und da gehe schon mal eine Weinflasche aufs Haus, berichten sie stolz – das bekommen normalerweise nur eingeschworene Stammgäste.

Zuerst die Melodie, dann der Text
Auf die Frage, ob es eine Grundidee hinter dem neuen Album gibt, antwortet David. Er ist der Texter und Sänger der Band. „Viele Texte bringen eine gewisse Sehnsucht mit sich, sie streben nach anderen Erfahrungs -und Gedankenräumen, die nicht mehr in unsere allzu auf Bewegung getrimmte Welt passen“, sagt er mit ruhiger Stimme, die ebenfalls nicht in eine schnelle und aufgeregte Welt passt. Es gehe dabei um Räume, die ein bisschen nach Entgrenzung suchen und das ganze Album durchziehen. Doch dieses Thema habe es nicht vorab gegeben, das sei so passiert.

Nicht nur David lässt sich Zeit beim Antworten. Zwischen den Fragen entstehen immer wieder reflektierte Pausen, dazwischen ein paar Züge von der Zigarette, Blicke werden zwischen den Bandmitgliedern gewechselt und Reaktionen abgewartet. Erst dann geht das Gespräch weiter.

(c) Evamaria Mueller und Anna-Sofie Lugmeier

(c) Evamaria Mueller und Anna-Sofie Lugmeier

Bei der Frage nach Lieblingstextzeilen oder Passagen, die der Band besonders wichtig sind, entsteht erst einmal eine Gedankenpause. Der Fokus liegt auf der Musik – sie steht gänzlich im Vordergrund. Auch Davids Stimme wird mehr als Instrument eingesetzt. Im Arbeitsprozess war ebenso immer zuerst die (Gesangs-)Melodie da, dann erst folgte der Text: „Wir wollten nie Bücher schreiben und die Texte sind nicht als Gedichte geschrieben“. Die Kritiken, die es bereits zu ihrer Single Hunter Limits gibt, konzentrieren sich dennoch hauptsächlich auf den Textinhalt und der wird hoch gelobt. „David ist tatsächlich sehr gut im Texte schreiben“, das muss Daniel dann doch noch sagen.

Dreimal Umarmen und Zuprosten
Nicht nur bei Gesprächen wie diesen oder beim gemeinschaftlichen Produzieren sind die vier ein eingespieltes Team. Am diesjährigen Waves Vienna Festival bespielten Hearts Hearts gemeinsam mit Christina Ruf am Cello den Keller des Badeschiffs. Und wie vor jedem Gig wünschten sie sich einen guten Auftritt, umarmten sich dreimal und prosteten sich dann kurz zu. „Bevor man rausspaziert, das ist eigentlich der schönste Moment“, sagt David.

Auf der Bühne wirken die vier, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Dabei merkt man nicht, dass sie Persönlichkeiten sind, die das Rampenlicht gar nicht so gerne mögen. Aber es sei ja dann doch nicht dasselbe wie ein Referat vorzutragen, meint Johannes. Im Badeschiff entstand der Eindruck einer puren Harmonie mit Bühne und Publikum, sie fühlten sich sichtlich wohl. Bei solchen Auftritten schauen sie auch dazu, „dass live ein eigenes Erlebnis wird“, wie Johannes sagt. Dabei werde auch mal improvisiert, es entstehe viel Neues und sei dann nicht mehr eins zu eins wie auf dem Album.


Kopfhörermusik
Für Peter Paul ist das Album „total die Kopfhörermusik, da ist man nahe an der Musik dran und hört am besten gleich das ganze Album durch.“ Dabei sind sie sich einig, Young ist eine Kopfhörerplatte und keine Musik, die in Clubs läuft oder die man bei einer Party anschmeißt. „Es geht um intimere Momente, in denen man sich mit der Musik alleine hinsetzt“, sagt Johannes. Ihre Musik ist durchdacht, klingt erwachsen und ausgeklügelt. Aber es ist „auch nicht nur stille, melancholische Musik für traurige Momente – es sind auch schnellere Elemente dabei.“ Sänger David findet den Stimmungsbogen durchaus gelungen.

Hearts Hearts haben mit ihrer Musik eine Nische im österreichischen Gitarrendschungel gefunden. Weniger Wanda und Bilderbuch, mehr Radiohead und Alt-J. Emotionale Nischenmusik aus Österreich. Die vier Musiker haben ihren Zugang gefunden, bereichern uns mit schöner Musik und starker Bühnen-Ausstrahlung.

Rebecca und Katharina haben sich am diesjährigen Waves Vienna Festival im Badeschiff Keller in die Musik von Hearts Hearts verliebt. Wen sie dort sonst noch entdeckt haben, könnt ihr hier nachlesen.

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Text von Katharina Egg

Titelbild (c): Christoph Hudl /Hearts Hearts

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katharina.egg@mokant.at'
Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

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