Türkei: Zwitschern verboten!

In der Türkei ist Twitter nach wie vor ein Streitthema. mokant.at geht dem türkischen Gezwitschere genauer nach.

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Türkei: bei Löschanfragen weltweit Nummer eins
Die türkischen Behörden gehen kontinuierlich und über mehrere Wege gegen Twitter vor. Zum Teil stellen Behörden und Gerichte Anfragen an Twitter, um bestimmte Inhalte oder Accounts zu entfernen. Twitter prüft diese sogenannten Removal Requests und veröffentlicht halbjährlich einen Transparenzbericht, der ersichtlich macht, wo weltweit die meisten Anfragen verzeichnet wurden.

Von Jänner bis Juni 2015 stellten türkische Behörden 718 Löschanfragen. Das waren rund 71,6 Prozent aller Removal Requests in diesem Zeitraum. Die Tendenz ist steigend – im ersten Halbjahr 2014 waren es nur rund 200 Anfragen.

#twitterblockedinturkey
Viel umfassender sind vorübergehende Twitter-Blockaden, die zum Teil regional oder auf bestimmte Internetprovider beschränkt sind. Bei diesen Sperren gehe es laut Ismail Küpeli mehrheitlich darum, dass Korruptionsaffären der Regierungspartei und fragwürdige Geheimdienstoperationen  nicht bekannt werden.

Offiziell begründete Sperren seien in den letzten Jahren durch repressive Gesetze möglich geworden. Die Begründungen würden von „Beleidigung von Personen und Institutionen“ bis hin zum „Verrat von Staatsgeheimnissen“ reichen, so der Politikwissenschaftler. Der offizielle Weg besteht darin, über gerichtliche Anordnungen IP- oder URL-Blocks bei Internetprovidern durchzusetzen. Da sämtliche Seitenanfragen über die Server der Provider laufen, können die Nutzer dann nicht mehr auf die betroffenen Webseiten zugreifen.

Küpeli weist aber darauf hin, dass es auch inoffizielle Sperren gibt, indem der Zugriff auf Twitter absichtlich verlangsamt werde. BGN News, die englische Onlineplattform der Tageszeitung Bugün, berichtete von einer solchen Maßnahme. Diese soll nach dem Terroranschlag in Ankara am zehnten Oktober die Nutzung von Twitter erheblich erschwert haben. Ziel war es vermutlich die Verbreitung von Fotos und Videos, die die dramatischen Zustände nach dem Anschlag zeigten, einzudämmen. Eine offizielle Stellungnahme zu der Maßnahme gab es jedoch nicht.

VPN: Technische Schlupflöcher
Den Maßnahmen der Regierung, die Beliebtheit und Macht von Sozialen Netzwerken einzuschränken, arbeiten jedoch viele türkischen User entgegen. Die meisten Nutzer wissen mittlerweile, wie sie IP- und URL-Blocks und auch die Drosselung umgehen können. Die gängigste Variante sind sogenannte Virtual Privat Networks (VPN). Einfach erklärt, ist ein VPN eine verschlüsselte Verbindung mit den Servern von VPN-Providern im Ausland. So werden Seitenanfragen an den Blocks der Internetprovider im Inland vorbeigeschleust.

Die Studentin Deniz (Name geändert, Anm.) kommt aus Istanbul und lebt mittlerweile in Wien. In der Türkei ist die Benutzung eines VPNs für sie etwas Alltägliches. Sie installiert bei jeder Heimreise entsprechende Programme und Apps. Laut Deniz würden alle in ihrem Bekanntenkreis VPN-Dienste nutzen. Bei der Frage, ob jemand aus Angst vor Strafverfolgung auf VPNs verzichten würde, muss Deniz lachen. Darüber mache sie sich keine Sorgen. Es sei ihre Freiheit und ihr Recht Twitter uneingeschränkt zu nutzen.

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Titelbild: Barbara Bürscher

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