Und Überhaupt: Bio

(c) Jasmine Schuster

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In der Kolumne UND ÜBERHAUPT schreibt sich unsere Kultur-Chefin Sabrina (semi-)regelmäßig ihre Gedanken von der Seele

In mir herrscht ein Konflikt. Es ist einer von vielen, versteht sich, aber schwerpunktrelevant ist nunmal nur der eine. Man könnte sagen: „Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust“eins ist Bio eins ist Bio-Frust. Man möge mir diese billige Faust-Referenz verzeihen. 1. Weil hoffentlich nur ein Herz in meiner Brust schlägt (und das hoffentlich Bio ist?) und 2. weil ich das Faust-Zitat beim letzten Pubquiz nicht erkannt und mich den restlichen Abend darüber geärgert hab.

Also um Bio geht’s. Und warum ich im (Semi-)Konflikt mit Bio bin, begründet sich in der Tatsache, dass auch ich eine von vielen Manchmal-Bio-Shopperinnen bin. Weder bin ich überzeugt oder reich genug, um Bio komplett durchzuziehen, noch ist es mir so egal, dass ich automatisch zur billigsten Version greife.

Und überhaupt: So sicher ist es ja auch nicht, dass Bio unbedingt immer besser ist. Diese Information hat jetzt zwar keinen Neuheitswert aber zumindest komm‘ ich mit Beispiel daher.

Als mir meine Schwester von ihren Plänen, sich in der Heimatbastion Hühner zu halten, erzählt hat, hab ich sie zuerst mal ausgelacht. Weil, wer macht das bitte? Wer, außer Bauern oder die hippen Paleo-Steinzeitmenschen, denen ich auf Instagram folge? Aber sie hat sich’s eingebildet. Und wie es eben so läuft, bin ich mittlerweile Fan und freu’ mich bei jedem Heimatbesuch auf die Frühstückseier von hinterm Haus. Das sind nämlich Hendln, denen es wirklich gut geht: endlos Auslauf, viel Frischfutter aus der Küche, viel Ansprache von allen möglichen Nachbarn, und ein ziemlich schicker Stall mit allen Schikanen, der um die Weihnachtszeit mit einer leuchtenden Sternschnuppe dekoriert ist. Also überhaupt haben diese Hendln alles außer Stil. Trotzdem sind ihre Eier, die unter solch perfekten Konditionen gezeugt werden, nicht „vollkommen“. Sie sind nämlich nicht Bio.

Es ist ja so: Damit Hühner Bio-Hühner sind und Bio-Eier legen, dürfen sie auch nur Bio-Futter zu fressen bekommen. (Was genau dieses Bio-Futter ist, woher es kommt und wie rein es wirklich ist, liegt aber im Graubereich.) Das heißt, die Hendln, die zu fünfzehnt gut 150 Quadratmeter Freiauslauf haben, die bei Einbruch der Dunkelheit selbstständig in ihren Stall spazieren weil sie müde vom vielen Herumlaufen sind und die eine ausgewogenere Ernährung haben als die meisten Menschen, die ich kenne – die würden die Bio-Schere nicht schaffen. Klar, das Label Echt Freiland ist auch nicht das Schlechteste. Aber trotzdem sind diese Eier offiziell um nichts besser als die vom Toni oder sonst woher, wo die Erzeugerhennen ihr Leben lang wenig außer Soja sehen. Sie sind „schlechter“ als die von der Bio-Haltung, wo (unter gewissen/häufigen Umständen) zu einem Teil konventionelles Futter zugefüttert wird. Und das will mir eigentlich nicht so ganz passen.

Weil ein zertifiziertes Bio-Huhn, dem es so gut geht wie Schwesters Sternschnuppen-Hühnern, das muss sich erstmal bei mir melden.

Und überhaupt: Mein Herz ist sowieso nicht Bio. Das kriegt nämlich auch normales Futter und Landauslauf. (Nur im Stall schlafen muss es nicht.)

Titelbild:(c) Jasmine Schuster

Sabrina Freundlich ist stellvertretende Chefredakteurin von mokant.at. Sie beschreibt sich als writeophile and fortune cookie lover. Kontakt: sabrina.freundlich[at]mokant.at

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