Essenstest: Die mokant.at Mensen(tor)tour 2015

Titelbild: Manuela Griessbach

Unistart ist Mensenzeit. Für alle Neulinge in Wien haben wir die angeblich besten und bekanntesten Mensen getestet und uns Publikum, Dresscode und Ambiente genauer angesehen. Teil 1

Teil 2 der Mensen(tor)tour 2015 ist hier zu finden

Station 1: Mensa des Afroasiatischen Institutes
Frisch und orientalisch soll es sein, das Essen im Afroasiatischen Institut. Das wissen nicht nur viele Mitstudenten zu berichten sondern auch der Standard, dessen Kritik über die AAI Mensa gleich unterm aktuellen Speiseplan zu finden ist. Grund genug für uns, die scheinbar allseits beliebte Mensa gleich als erste zu testen, zumal sie auch zu Fuß von unserem Ausgangspunkt, dem Publizistikinstitut, in weniger als zehn Minuten zu erreichen ist. Wirklich gemütlich wirkt auf den ersten Blick der Innenhof, den man als Mensakunde mitbenutzen darf, vom Essen werden wir allerdings enttäuscht. Das vegetarische Menü mit Suppe und Salat besteht aus zerkochten Nudeln und Tomatensauce aus der Dose, die Fleischesser Variante sind Chickennuggets mit einer süß-sauren Sauce, die ebenfalls ein Fertigprodukt sein dürfte. Auch der Salat sieht aus wie aus der Großpackung und das Dessert ist, wenig überraschend, wieder ein Conveniencegericht: Vanillepudding. Für satte 6,20 wird man im AAI aber wenigstens wirklich satt, die Portionen sind sehr groß. Außerdem wird im AAI stets halal (islam-konforme Zubereitung) und ein Menü auch immer vegetarisch zubereitet. Generell stehen drei Optionen zur Auswahl.

Publikum:
gemischt und international

Dresscode:
Jeans und T-Shirt genügen vollauf.

Fazit:
Das AAI punktet mit einem schönen Innenhof und den langen Öffnungszeiten von 11.30-15.30. Minus: im Winter dürfte es in der eher kleinen Mensa doch ganz schön voll werden.

Station 2: Das Cafe der Mensen AG im Juridicum
Gut gesättigt vom AAI brauchen wir jetzt einmal einen Spaziergang. Und einen Cafe. Zweiteres findet man in den Cafes der Mensen AG angeblich gut und günstig, also nichts wie hin.

Gleich am Eingang bemerken wir, dass man als Jurist scheinbar ganz schön trinkfest sein muss. So viele Plastikbecher mit dem Logo eines Waldviertler Bierherstellers findet man außerhalb eines Festivalgeländes nur selten. Wir bleiben in der nächsten Stunde auch die einzigen mit einem Cafe. Bier und Spritzer sind einfach zu günstig und so an fast jedem Tisch zu finden. Für den kleinen Hunger gibt es auch Salate und Sandwiches, die anwesenden Juristen ernähren sich aber anscheinend tendenziell flüssig.

Publikum:
Trinkfest! Einige Pensionisten mischen sich in dieser Mensa unter das großteils jugendliche Publikum. Der Männeranteil ist – zumindest an diesem Tag – deutlich höher.

Dresscode:
Prince Harry“: der legere Out-of-bed look sollte sich bitte nur in der Frisur widerspiegeln, ansonsten ist halsabwärts Markenmode vorzuziehen um nicht aufzufallen. Die Dame trägt vorzugsweise Perlenohrschmuck um sich in der Mensa als Juristin zu tarnen. Auch ein Schal von „Hermes“ hilft in diesem Fall weiter.

Fazit:
Wer gerne schon nachmittags einen sitzen hat, sollte mal vorbeischauen. Der Cappuccino ist ebenfalls zu empfehlen. Salate und Snacks sehen auch bei genauerer Betrachtung noch frisch aus. Ein Verzehr war nach der Kost im AAI aber nicht mehr möglich.

Station 3: Mensa der Kunstuni Wien
Langsam aber sicher haben wir wieder Platz in unseren Bäuchen. Also ab auf die Kunstuni. Dort erwartet uns nicht, wie in den meisten Wiener Mensen, ein einheitlicher Speiseplan der Mensen AG – es erwartet uns ein privater Mensenbetreiber. Täglich werden zwei verschiedene Menüs angeboten. Aber offenbar sind wir um halb zwei bereits zu spät. Wir ergattern genau einen Tagesteller, den wir an diesem Tag auch an jedem anderen Tisch zu sehen bekommen: Röstgemüse und Kartoffelpüree. Wir unterwerfen uns dem Trend und speisen mit, was anscheinend übrig geblieben ist. Um 5,90 müssen wir leider feststellen, dass das Püree ein Fertigprodukt ist und die Definition von „rösten“ hier künstlerisch ausgelegt wird: Das Gemüse schwimmt in Sud und ist komplett zerkocht. Auch das Glas Wasser am mausgrauen Tablett hilft hier nur bedingt über den Geschmack hinweg. Beides passt aber hervorragend zum restlichen Ambiente: Hier trifft Sperrmüll (sollte es sich bei dem mit Stoffresten und Plastiksäcken bedeckten Einkaufswagen eventuell um eine Rauminstallation oder andere Kunstform handeln, bitten wir um Entschuldigung) auf den Charme eines DDR Gefängnisses aus den 70er Jahren. Nicht jedermanns Sache, aber die Anwesenden scheint es nicht (mehr) zu stören.

Publikum:
Ganz jung bis Mitte Vierzig. Die last Minute Housewife Kunststudentin scheint nicht nur eine Legende zu sein, die sich hartnäckig hält. Eventuell waren es aber auch Lehrende.

Dresscode:
Harry Potter“: Die runde Brille ist augenscheinlich ein must have unter den Kunstuni Insidern. Ein mehr oder weniger ausgeprägter Sehfehler ist in dieser Mensa aber generell von Vorteil (siehe Ambiente).

Fazit:
Hier haben bei unserem Test weder das Ambiente noch das Essen überzeugen können. Den günstigen Spritzer im Juridicum könnten wir jetzt gut brauchen.

Station 4: Mensa der katholischen Hochschulgemeinde
Auf den Schock zieht es uns in sichere Gefilde. Denn wer so manches Kirchenoberhaupt der letzten Jahre genauer angesehen hat, weiß eines sicher: Völlerei scheint längst keine Sünde mehr zu sein. Wir träumen von Torten oder anderen Mehlspeisen zum Dessert und lassen das karge Künstlerleben hinter uns. Ab in die innere Stadt. Die Plattform Yelp gibt uns Grund zur Hoffnung: „Eine der besten Mensen in der Stadt“ heißt es hier und auch von Salat und diversen Nachspeisen ist die Rede. Leider kommt alles ganz anders und als wir in einem fast leeren Raum mit überlebensgroßem Kruzifix stehen, erklärt uns ein freundlicher junger Mann, dass es die Mensa (trotz anderslautender Türbeschriftung) nicht mehr gebe. Da wir ohnehin nicht mehr sonderlich hungrig sind, beschließen wir unser Schicksal wie gute Christen hinzunehmen.

Publikum:
Ruhig (die ehemalige Mensa scheint nun eine Art Lesesaal zu sein) und genügsam. Man ernährt sich von Luft und Liebe (zu Jesus, selbstverständlich).

Dresscode:
Gedeckte Farben- ein Katholik fällt nicht gern auf. Es sei denn, man bekleidet ein höheres Amt. In diesem Falle bitte Schuhwerk von Prada.

Fazit:
Wer in diese Mensa kommt, sollte zuvor Station 1-3 durchlaufen haben.

 

Teil 2 der Mensen(tor)tour 2015 ist hier zu finden

 

Titelbild: Manuela Griessbach

Manuela Griessbach ist als Leiterin des Ressorts Gesellschaft für mokant.at tätig. Kontakt: manuela.griessbach[at]mokant.at

1 Comment

  1. Hannah

    19. Januar 2016 at 13:56

    Was ist denn die kunstuni? Angewandte oder Akademie? Adressen wären nicht schlecht …

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