WIFF: „Unsere Ideologie ist Floridsdorf“

Foto: (c) Georg Marlovics

Hans Jörg Schimanek, Obmann von Wir für Floridsdorf spricht im Interview über Scheinflüchtlinge, eine Vergrößerung Wiens und fordert einen Wohnkurs für Ausländer.

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Hans Jörg Schimanek ist heute Bezirksrat in Floridsdorf. 2010 erreichte seine Partei Wir für Floridsdorf, kurz WIFF, auf Anhieb 3,87 Prozent in der Bezirksvertretungswahl. Er war als Sportredakteur beim ORF tätig, engagierte sich in der SPÖ, bevor er zur FPÖ und später zum BZÖ wechselte, 2005 noch orangener Spitzenkandidat für die Wien-Wahl, wurde er drei Jahre später aus der Partei ausgeschieden. Trotz seiner politischen Aktivität hat er den Journalismus nie ganz aufgegeben. Der gebürtige Wiener ist Herausgeber der Floridsdorfer Bezirkszeitung, einen Widerspruch sieht er dabei nicht. Im Interview spricht er über die „Überparteilichkeit“ seiner Partei, über Scheinflüchtlinge und einen „Wohnkurs für Ausländer“.

mokant.at: Neben Ihrer Tätigkeit als Obmann bei „Wir für Floridsdorf“ sind Sie auch Herausgeber der Floridsdorfer Bezirkszeitung. Im Impressum ist von einer „überparteilichen Berichterstattung“ die Rede. Wie ist das möglich?
Schimanek: Wir nehmen von keiner einzigen politischen Partei Inserate an, auch nicht vor Wahlen. Wir berichten ausschließlich über Floridsdorf. Wenn ich mit offenen Augen zwei Stunden durch den Bezirk fahre, könnte ich eine ganze Zeitung füllen.

mokant.at: Können Sie gleichzeitig überparteilich und in einer Partei tätig sein?
Schimanek: Wir wollen überhaupt keine Partei berücksichtigen. Seit es uns gibt, also seit 2010, ist in der Floridsdorfer Bezirkszeitung vielleicht drei Mal ein Foto von Bezirksrat Turtenwald (Parteiobmann-Stv. WIFF, Anm.) vorgekommen. Aber wir haben auch Stadtrat Ludwig (Wohnbaustadtrat, SPÖ, Anm.) abgedruckt. In der Zeitung verarbeiten wir Anmerkungen und Beschwerden, die wir von der Bevölkerung erhalten. Ich gebe zu, dass wir diese Informationen natürlich auch politisch nutzen. Das ist aus meiner Sicht legitim.

„Bei uns am Westbahnhof wird applaudiert, wenn Flüchtlinge kommen.„ – Schimanek über Flüchtlinge, die zur EU-Anreise angestachelt werden

mokant.at: Ein großes Thema ist die Flüchtlingskrise. Sie argumentierten, dass auch Österreich die „unsägliche Schengenvereinbarung“ außer Kraft setzen soll. Jetzt hat man vorübergehend Grenzkontrollen eingeführt, genügt Ihnen das?
Schimanek: Schade, dass das überhaupt notwendig ist, weil die Sicherung der EU-Außengrenzen nicht funktioniert hat. Unsere punktuellen Grenzkontrollen sind lächerlich. Mir geht es vor allem um die Schlepper: Wenn diese mit LKWs oder Kleinbussen unbehelligt ins Land kommen, ist es das Zeichen, dass die Grenzen nicht kontrolliert werden. Kriegsflüchtlingen muss man selbstverständlich helfen, aber wenn „Flüchtlinge“ ihre Papiere wegwerfen und dann einfach kommen…

mokant.at: Sie nennen das „Scheinflüchtlinge“. Glauben Sie, dass diese einfach nur fliehen, um es ein wenig besser zu haben, und nicht, weil sie um ihr Leben fürchten?
Schimanek: Es gibt Kriegsflüchtlinge, und jene, die sich aus allem Möglichen zusammensetzen. Warum haben wir 30.000 Tschetschenen? Die sind schon da und es ist traurig, dass die nicht wieder weg sind, sonst hätte man 30.000 Plätze mehr für Kriegsflüchtlinge – dasselbe gilt für die Kosovo-Albaner. Flüchtlinge haben übrigens auch im Libanon einen Platz. Doch dort werden sie aufgewiegelt (zur Einwanderung nach Europa angestachelt, Anm.) – bei uns am Westbahnhof wird applaudiert, wenn Flüchtlinge kommen. Kein Wunder, dass sich die Leute auf den Weg machen.

mokant.at: Sie kommen wegen dem Applaus? Sollte man die ankommenden Flüchtlinge eher ausbuhen?
Schimanek: Nein, die Leute, die schon da sind, muss man natürlich menschenwürdig versorgen. Aber Tausende werden von den Schleppern durch Werbung dazu bewegt, sich auf den Weg zu machen. Das kann es nicht sein.

Schimanek über die politischen Verhältnisse vor dem Bürgerkrieg: „Syrien war ein schönes Land, von einer Diktatur habe ich nichts gespürt.“

mokant.at: Finden Sie Ungarns Maßnahme gut? Die komplette Schließung der Grenzen?
Schimanek: Ja, das Land ist doch überfordert gewesen. Die haben jetzt dicht gemacht und gesagt, jetzt ist Schluss. Meine Idee, die ich bereits vor zwei Monaten kundgetan habe, kommt nun endlich in die Hirne der sogenannten Entscheidungsträger: Vor Ort, in Italien, in Griechenland, möglicherweise auch in Bulgarien ein EU-Aufnahmezentrum zu machen und dort festzustellen, wer Anrecht auf Asyl hat, und wer nicht.

mokant.at: Die EU hat eine Flüchtlingsquote beschlossen. Ist diese sinnvoll?
Schimanek: Ja natürlich, die Quote ist notwendig. Aber die eigentliche Unterstützung muss vor Ort erfolgen. Und vor allem: Die Amerikaner, die das Ganze verursacht haben, mit ihrem Libyen- und Irak-Bombardements, sollen das finanzieren und Syrer aufnehmen. Aber wissen Sie, wen sie aufnehmen werden? Mediziner und Diplomingenieure.

mokant.at: Zum Teil sind die nach Österreich geflüchteten Menschen auch hochqualifiziert.
Schimanek: Natürlich, aber die Amerikaner suchen sich nur die „Gustostückchen“ heraus. Doch sie waren die Verursacher dieses Desasters. Ich war vorher mehrmals dort: Syrien war ein schönes Land, von einer Diktatur habe ich nichts gespürt. Wenn ein Land über 40 Stämme verfügt, kann ich das natürlich nicht mit einer Demokratie regieren, wie das bei uns üblich ist.

Hier gehts zum zweiten Teil des Interviews über Stadterweiterung, Wohnkurse für Migrantenfamilien und Ideologie.

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Titelbild und Fotos:
(c) Georg Marlovics

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