Reiseguide: Albanien

Österreich hat den Balkan als Reisegebiet entdeckt. Albanien steht seinen Nachbarn als Urlaubsort um nichts nach. 

Als Urlaubsland scheint Albanien zumindest auf den zweiten Blick perfekt: Strand, Berge, gutes Essen findet man dort nämlich genauso wie in bekannteren Reisezielen, wie der Türkei, en masse. Warum sich das kleine Land im Süden trotzdem von seinen bekannteren Nachbarn unterscheidet, und wie man sich jetzt schon von der wachsenden Touristenmeute abhebt, hat sich mokant.at genauer angesehen.

Tipp 1: Tirana – blitzeblank poliert
Wie in jedem Land liegt es auf der Hand, sich zunächst mit der Hauptstadt auseinanderzusetzen. Albanien ist bekanntermaßen kein typisches Urlaubsland, aber auf jeden Fall eine Nation, die um ihren EU-Beitritt und so auch um westlichen Tourismus kämpft. Tirana spiegelt diesen Wunsch vielleicht am besten wider. Monument um Monument ist blitzeblank poliert und neue, moderne Gebäude zwischen Alten, Verfalleneren zeigen, wie sehr man sich dem westlichen Europa anpassen will. Die Hauptstadt liegt am Fuße des Dajti-Berges, der leicht mit einer Gondel zu erreichen und ebenso einen Besuch wert ist. Nicht nur einen fantastischen Ausblick sondern auch gutes Essen macht dort Urlauber glücklich. Wer die Innenstadt lieber nicht verlassen will, besucht einfach das Café am Vodafon-Turm, das sich, ähnlich dem Wiener Donauturm, um sich selbst dreht und die Vogelperspektive auf die Stadt bietet. Zudem ist der Vodafon-Turm um einiges billiger als das österreichische Äquivalent.

Tipp 2:  Albanische Kulinarik – ein internationales Abenteuer
Wie viele andere am Meer gelegene Länder versteht es Albanien, die großartigsten Gerichte aus Fisch und Meeresfrüchten zu zaubern. Dabei zählen auch kleine Cafés zu den Geheimtipps. Wer keinen Fisch mag, ist hoffentlich Rind-Liebhaber, denn es ist das Lieblingsfleisch der albanischen Küche. Als überwiegend muslimisches Land wird man außerdem nicht an jedem Eck Schweinefleisch finden, was nicht heißen soll, dass es in urbanen Gebieten nicht auch angeboten wird. Die albanische Kulinarik ist ein Kreuz-und-Quer aus geschichtlichen und geographischen Einflüssen, mit türkischen Gerichten wie Börek oder Baklava, und Besucher sollten sich unbedingt auf dieses internationale Abenteuer einlassen. Am besten also Frühmorgens einen Abstecher in die Bäckerei um die Ecke machen (denn es gibt sie wirklich an jeder Ecke) und dort einen frisch gebackenen Spinat-Schafskäse-Börek bestellen.

Tipp 3: Vlora, Durres, Kruja – die kleinen Städte Albaniens
Albanien ist weitaus mehr als nur Tirana. Nicht weit weg von der Hauptstadt liegt Durres, eine Hafenstadt, mit einer Altstadt, die sich sehen lassen kann. Die Stunden vor dem Sonnenuntergang sind dort besonders sehenswert. Wer mehrere Tage Zeit hat um Albanien zu erkunden, sollte außerdem  einen Abstecher in den Süden nach Vlora machen, ebenfalls am Meer gelegen und mit ihrem Ausblick auf das tiefblaue Meer umwerfend. All jene, die sich mit der Geschichte Albaniens genauer auseinandersetzen wollen, sollten in den Norden nach Kruja fahren. Ein Besuch in der lokalen Burg, die das Skanderbeg-Museum beherbergt, ist sehr zu empfehlen. Wer sich an geschichtlichen Reliquien sattgesehen hatt, kann sich dann in den kleinen Gassen des Ortes umschauen und Weberinnen zusehen, wie sie aus Wolle Teppichkunstwerke kreieren.

Tipp 4: Abseits der Touristen-Hotspots
Albanien ist auf dem Weg, sich für Touristen attraktiver zu präsentieren. Das braucht Zeit. Einstweilen sollte man die Gelegenheit nutzen und nicht die Touristen-Hotspots aufsuchen, sondern die Vielzahl an ebenso schönen Stränden und Hotelanlagen, die etwas abseits der Stadtgebiete liegen. Einfach mal aus der Stadt raus, an den Touri-Stränden vorbei und immer wieder bei Hotels haltmachen. Die kümmern sich um ihr Stückchen Strand, bieten oft Pools an und bieten nicht zuletzt billiges, gutes Essen. Falls man keine Lust auf das hundertste Meeresfrüchterisotto hat (selbst Schuld), kann auf dem Weg auch einfach bei einem der vielen kleinen Gemüsestände stehen bleiben und sich frisches Gemüse holen – echt bio eben!

Tipp 5: Das echte Albanien entdecken
Die bisherigen Tipps haben auf die Perlen Albaniens aufmerksam gemacht – auf kulturelle, kulinarische und maritime Glanzpunkte des etwas verkannten Landes. Wer allerdings gern genauer hinsieht und die Bürger des Landes, ihre wirkliche Kultur, ihr wahres Erleben erkunden will, betritt lieber die Seitengassen Tiranas oder Durres‘. Da strotzt es vor weniger prunkvollen Bauten, teilweise zerfallenen Gebäuden; dort wohnen die Menschen in einem Miteinander, sie arbeiten in kleinen Friseursalons und Greißlern und sind selten allein anzufinden. Sie sind umgeben von Freunden und Familie, vertieft in Gesprächen über Gott und die Welt. So sehr Albanien den westlichen Tourismus beglücken will, so sehr kann man den westlichen Touristen nur raten, die Fassade zu umgehen und dahinter zu blicken.

 

Insider-Tipps:
1. Mit den Leuten sprechen: Viele beherrschen Englisch. Fragt die Einwohner nach ihren Geheimtipps, ihren Lieblingsstränden, -restaurants, -plätzen!
2. Gemüse vom Kleinladen: Viele der kleinen Läden, die in weniger urbanen Gebieten zu finden sind, bieten frisches Gemüse an, mit dem sich unser österreichisches nicht messen kann. Unbedingt probieren!
3. Unbedingt zum Friseur gehen. Die Frisuren kosten einen Bruchteil dort, sind aber mindestens genauso gelungen.

Was man nicht tun sollte:
1. Albanien im Sommer besuchen. Außer man mag 40 Grad im Schatten.
2. Öffis benutzen. Das öffentliche Verkehrsnetz ist nicht unbedingt gut ausgebaut – ein Mietauto bringt einen schneller ans Ziel!
3. Die Umwelt genauso verschmutzen wie die Einheimischen: Was uns selbstverständlich scheint, ist es dort nicht. Die Sauberkeit der Stadt ist nicht die oberste Priorität der Einwohner. Also Müll ordnungsgemäß wegwerfen!

Titelbild: (c) Cornelia Kucani


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Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

1 Comment

  1. Max

    2. September 2015 at 12:58

    Also das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht wahr. Durch Fugons und diverse Minibusse und recht günstigen Taxis ist ein Vorankommen mit einem eigenen Auto nicht immer schneller und besser.

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