ANDAS: „Ich bin keine Berufspolitikerin“

Foto: (c) Raimund Appel

ANDAS-Spitzenkandidatin Juliana Okropiridse im Interview über Aktivismus, Punschkrapferl und ihre Visionen für Wien.

Wien Anders (ANDAS) ist eine Wahlallianz aus KPÖ, Piratenpartei, Plattform der Unabhängigen, Echt Grün,  den Jugendorganisationen Junge Linke und Junge Pirat*innen und weiteren unabhängig Engagierten. Das Bündnis konnte im Sommer ausreichend Unterstützungserklärungen sammeln, um in ganz Wien auf Bezirks- und Landesebene anzutreten. Spitzenkandidatin Juliana Okropiridse ist laut Wikipedia-Definition wohl eine Politikerin, definiert sich selbst aber lieber als Aktivistin. Im Interview übt sie Kritik an den großen Parteien und spricht über einen Karl-Marx Hof des 21. Jahrhunderts und fahrscheinlose Öffis.

mokant.at: Wien Anders ist eine Wahlallianz aus vier Parteien, zwei Jugendorganisationen und einigen Unabhängigen.
Juliana Okropiridse: Ja, einigen vielen.
mokant.at: Der neuste Zugang ist ja KC Streichel.
Juliana Okropiridse: (lacht) Genau.

mokant.at: Wer entscheidet denn da wo es langgeht?
Juliana Okropiridse: Rein organisatorisch haben wir das so gelöst, dass es einen Rat gibt, in dem von jedem Gremium zwei, drei Personen vertreten sind. Wir treffen uns einmal pro Woche und besprechen Organisatorisches, damit jeder Bescheid weiß, was die anderen gerade machen. Ansonsten haben wir pro Bezirk eine Bezirksgruppe, die einmal pro Woche Bezirksthemen erarbeitet. Das funktioniert eigentlich ganz gut selbstorganisatorisch und relativ dezentral organisiert.

mokant.at: Auf der Wahlliste von ANDAS stehen hundert Frauen und hundert Männer. Sind die Parteien auch zu gleichen Teilen vertreten?
Juliana Okropiridse: Vor allem bei den ersten zehn, fünfzehn Plätzen sind alle vier Parteien nach Reißverschlussprinzip vertreten. Außerdem ist jeder zweite Platz von einer Frau besetzt. Dasselbe gilt für die Bezirke. Wir haben darauf geachtet, dass es ungefähr gerecht ist, aber niemanden verdrängt oder in einen Platz geschoben, den sie oder er nicht wollte. Wir haben uns gut geeinigt.

mokant.at: Auf der Homepage von ANDAS ist im Bezug auf die Mitwirkenden immer von Aktivisten und nicht von Politikern die Rede. Lässt sich das politische Establishment nur mit Aktivismus aufrütteln?
Juliana Okropiridse: Die Frage ist, wie man Aktivist oder Aktivistin definiert. Das heißt nicht, dass man nur auf der Straße steht und irgendwo Banner aufhängt. Es bedeutet, dass man auf der Straße Menschen informiert, ehrenamtlich an Diskussionsveranstaltungen teilnimmt oder Blogposts schreibt. Ein Aktivist oder Aktivistin ist jemand, der sich ehrenamtlich für eine Sache engagiert, für die sie oder er einsteht. So kann man glaub ich alle Leute, die bei uns mitarbeiten, definieren.

Foto: (c) Raimund Appel

mokant.at: Also definierst du dich nicht als Politikerin?
Juliana Okropiridse: Ich würde mich nicht als Politikerin definieren, obwohl ich laut Wikipedia-Definition vielleicht eine wäre. Ich bin keine Berufspolitikerin. Ich werde nicht seit Jahren für das, was ich politisch leiste, bezahlt, sondern mache das, weil es mir wichtig ist und weil sich etwas ändern muss.

mokant.at: Im Sommer konnte ANDAS nicht nur genug Stimmen für die Unterstützungserklärung sammeln, sondern auch mit Aktionismus auf sich aufmerksam machen. Der ÖVP wurden vor der Parteizentrale die Leviten gelesen und für die SPÖ gab es einen Korb.
Juliana Okropiridse: Mit Punschkrapferln, die sind außen blassrot, innen braun und immer alkoholisiert.

mokant.at: Worum ging es bei diesen Aktionen?
Juliana Okropiridse: Uns war es wichtig, die Parteimitarbeiter darauf aufmerksam zu machen, was da gerade läuft. Vielen langjährigen Parteimitgliedern fehlt der Einblick, um zu sehen, was hinter verschlossenen Türen getrieben wird. Beide Aktionen waren dazu da, ein bisschen aufzurütteln,  der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, was da läuft und uns klar zu positionieren.

mokant.at: Gegen SPÖ und ÖVP?
Juliana Okropiridse: Auf jeden Fall links von der SPÖ und gegen die ÖVP.

mokant.at: Die Grünen sind verschont geblieben. Könnten die Gründe dafür Übereinstimmungen auf inhaltlicher Ebene sein?
Juliana Okropiridse: „Verschont geblieben“ ist ein bisschen euphemistisch ausgedrückt. Noch sind wir nicht zu den Grünen gegangen, um ihnen etwas auf den Tisch zu stellen. Das stimmt. Die Grünen sind jene große Partei, der wir inhaltlich am nächsten stehen. Trotzdem üben wir massive Kritik an ihnen.

mokant.at: Wo konkret wird Kritik geübt?
Juliana Okropiridse: Es wird auf parteiinterner Ebene der Grünen behauptet, dass sie basisdemokratisch handeln. Es gibt aber alte Männerbünde, die viel Neues verhindern. Diese sind dafür verantwortlich, dass viele Dinge, die durchgesetzt werden müssten, nicht funktionieren. Außerdem sind wir nicht damit einverstanden, wie sich die Grünen in den letzten fünf Jahren in der Regierung verhalten haben. Sie haben viel versprochen, sind aber inkonsequent gewesen. Viele gute Ideen wurden nicht umgesetzt.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews über radikale Schritte im Wohnbau und Öffis ohne finanzielle Barriere.

Foto: (c) Raimund Appel
Titelbild und Fotos:
(c) Raimund Appel

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