„WerkzeugH“: Live-Musik, Bierbänke und Samosa

Teil 6 unserer Wiener Lokal Runde: Die nächtliche Reise durch Wien führt mokant.at in den grünen Gastgarten des Lokals „WerkzeugH“

Versteckt und doch präsent zeigt sich der großzügige Gastgarten des Lokals „WerkzeugH“ in Wien Margareten. Die Äste der großen Bäume wiegen sich leicht im müden Abendwind. Obwohl es bereits kurz vor zehn Uhr ist, scheint es kaum kühler geworden zu sein. Schon von weitem kündigt sich eine Live-Band durch rhythmische Laute einer Akustikgitarre an. Etliche Gäste, die um die Band herumsitzen, lauschen entspannt und applaudieren, als diese fertig gespielt hat. Anscheinend ist das kleine Konzert gerade vorbei, als wir kommen. Der große Platz an der Schönbrunner Straße, der sich vor einem modernen grauen Gebäude erstreckt, ist heute Abend sichtlich gut besucht.

Wir betreten den Gastgarten und sehen uns nach einem freien Platz um. Sofort fällt auf, wie jung das Publikum des Lokals ist. Ein Kellner, der uns entgegen kommt, sieht uns zwar, schwenkt seinen Blick jedoch etwas hektisch in die andere Richtung um gleich dorthin zu verschwinden. Wir schlängeln uns durch die engen Gässchen, die sich zwischen den Sesseln und Tischen bilden. In der Mitte des Gartens werden wir dann fündig: Ein kleiner Heurigentisch und zwei Bierbänke stehen verlassen hinter einer der hochgewachsenen Topfpflanzen.

Samosa. Samosa. Samosa.
Gleich nachdem wir uns gesetzt haben, kommt eine junge Kellnerin in Shorts und fragt nach der Bestellung. Die Frage, ob die Küche noch offen habe, verneint sie. Als sie unsere enttäuschten Blicke sieht, meint sie gleich, dass es aber noch Samosa gebe. „Also, wenn ihr großen Hunger habt, dann ist es halt etwas wenig“, fügt sie noch hinzu. Da wir zwar tatsächlich ausgesprochen hungrig sind, jedoch nirgends anders hingehen wollen, bestellen wir die vorgeschlagene Speise.

Erst jetzt fällt auf, wie dunkel es bereits ist. Der Garten weist nur wenige Lichtquellen auf. Eine Lichterkette in blassen Farben spannt sich schüchtern über den gesamten Platz. Dazwischen sorgen LED-Lampen in sperrigen Holzverbauungen für dezente Beleuchtung. Ein großes Graffiti an der linken Hauswand ist trotzdem gut zu sehen.

Nur wenige Momente nachdem wir unsere Getränke auf den Tisch gestellt bekommen, serviert uns die Kellnerin auch das Samosa. Wie prophezeit, ist die Portion der Teigtaschen wirklich etwas klein, schmeckt jedoch so gut, dass wir gleich eine zweite bestellen.

(c) Katharina Rustler

(c) Katharina Rustler

Zusammengewürfelte Atmosphäre
Direkt gegenüber von unserem Tisch steht eine dunkelrote Holzhütte mit geöffneten Türflügeln inmitten der Gäste. Darauf zieht eine rote Leuchtschrift in einem schwarzen Kästchen immer wieder den Slogan „Werkzeug hilft“. In der Hütte befinden sich eine eingesessene Ledercouch sowie ein altes Fernsehgerät, das wohl zur Unterhaltung der Gäste dienen soll. Zwei kleine Mädchen laufen aufgeregt in die Hütte und setzten sich vor den Fernseher. Da dieser nicht gleich zu funktionieren scheint, sehen sie sich suchend um. Eine Kellnerin erblickt die beiden und kommt ihnen freundlich zu Hilfe. Da diese das Gerät jedoch auch nicht zum Laufen bringt, ersucht sie ihren Kollegen um Unterstützung. Dieser begutachtet kritisch etliche Kabel, die an der hinteren Wand der Hütte angebracht sind und verschwindet dann in das Innere des Lokals, um etwas zu holen. Eines der Mädchen ruft nur „Aber komm bitte schnell wieder zurück!“.

Auffallend an der Ausstattung des Gartens sind neben den vielen Pflanzen, die aus Töpfen oder großen Metallfässern wuchern, die Möbelstücke. Im Gastgarten des „WerkzeugH“ findet sich eine reiche Vielfalt, die von gewöhnlichen Heurigentischen, Klappsesseln, Bierbänken bis zu gemütlichen Sofas und modernen Couchtischchen reicht. Obwohl der Platz vor dem Lokal recht groß ist, stehen die vielen Sitzmöglichkeiten eng beieinander. Ich muss mich bei dem Herren hinter mir öfter entschuldigen, da die Bank, auf der er sitzt, quasi an meine Bank angrenzt und ich ihn deswegen einige Male mit dem Ellbogen stoße. Jedoch macht das „Zusammengewürfelte“ und die lockere Atmosphäre den Charme des Lokals aus, finden wir zumindest.

(c) WerkzeugH

(c) WerkzeugH

„Huber Werkzeug“
Als wir auf den doch nicht ganz gewöhnlichen Namen des „WerkzeugH“ zu sprechen kommen, fragen wir uns woher dieser stammt. Da die Kellner jedoch alle etwas gestresst wirken und keiner der zwei Besitzer heute im Haus ist, sehen wir am Handy auf der Homepage nach. Diese gibt uns gleich Auskunft: Das Gebäude, in dem sich seit 2006 das Lokal befindet, wurde früher als Stätte für die Firma „Huber Werkzeug“ verwendet. „Pro Woche kommen jedoch immer noch 1-2 Menschen mit alten Huber-Werkzeug Katalogen bewaffnet auf der Suche nach der Firma bei uns vorbei“, wird ebenfalls auf der Seite erwähnt.

Nachdem wir unser zweites Samosa zufrieden aufgegessen haben und nun beinahe gesättigt sind, kündigt die Kellnerin die letzte Runde an, da der Gastgarten gleich schließe. „Darfs noch was zu trinken sein?“, fragt sie und räumt die leeren Teller ab. Wir kommen ihrem Wunsch nach und bestellen noch eine Runde.

Titelbild: WerkzeugH

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