KopfhörerInnen: Fettes Brot – Teenager vom Mars

Fettes Brot – Teenager vom Mars
(VÖ: 04.09. | Fettes Brot Schallplatten GmbH)

(c) Fettes Brot/Rough Trade

(c) Fettes Brot/Rough Trade

Könnt ihr euch noch an die Titellieder von Kinderserien-Klassikern wie Ninja Turtles und Pokemon erinnern? Genauso klingt auch Teenager vom Mars. Nur ist Teenager vom Mars eben keine Comic-Sendung und Fettes Brot hat nicht den Titelsong dazu geschrieben. Trotz der feschen Kapperl und der Laser-Brüste einiger Darstellerinnen im Video kauft man den drei Männern Anfang Vierzig das Teenager-Alter nicht ganz ab. Dennoch scheint diese Altersgruppe ihr Zielpublikum zu sein. Aber macht euch selbst ein Bild:

Autotune und Kartoffelbrei
Fettes Brot melden sich mit ihrem bereits achten Studioalbum zurück – mit Autotune und Piepsstimme. „Teenager vom Mars“ hat einige Ohrwurm-taugliche Lieder auf Lager. Eingängige Melodien und – nett ausgedrückt – uninspirierte Texte laden zum Mitsingen ein. So zum Beispiel Mein Haus: „Ich bau mir ein Haus aus Spiegelei, Erbsen, Möhren und Kartoffelbrei“ wird nur durch den Refrain getoppt: „Mein Haus! Mein Haus! Mein Haus! Genauso sieht es aus.“ Perfekt auf Konzerten oder beim Fortgehen in der Dorfdisco, im Alltag will man davon aber eher weniger hören.

Boring by Nature
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Gesamtwerk haben Fettes Brot schon mit Von der Liebe gegeben. Dass das Trio schon längst nicht mehr wie zu ihren Anfängen klingt, wurde schon bei den Vorgängeralben klar. Auch das neue Album hat kaum etwas mit Jein, Nordisch by Nature oder Schwule Mädchen am Hut. Alle hörn jetzt Schlager und Meine Stimme knüpfen noch am ehesten an die früheren Songs an. Zumindest ein bisschen. Im Großen und Ganzen lässt sich „Teenager vom Mars“ aber mit dem Begriff Popmusik zusammenfassen.

In Boyfriend zeigen die Brote ihre sensible Seite: „Manchmal denk ich noch an dich, wenn ich betrunken bin“ singen sie. Wie romantisch! Zwischendurch kann man unter all dem elektronisch gepimpten Rap und den Pacman-artigen Tönen sogar Gesellschaftskritik raushören. Zum Beispiel in Ganz schön Low: „Du weißt es aus dem Internet, von BILD und Verwandten, Schuld an der Misere sind Asylanten. Du bist ja kein Ausländerfeind oder so, schließlich hast du ja auch eine Putzfrau aus Polen.“ Inwiefern das Album wie angekündigt nach einer Mischung aus Pixies, Daft Punk und Beastie Boys klingt, bleibt offen. Verfechter der „Früher war alles besser“-These fühlen sich durch das Album wohl in ihrer Einstellung bestätigt.

Titelbild: (c) Fettes Brot/Rough Trade

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

1 Comment

  1. Pumuckl

    24. August 2015 at 14:56

    Bei Fettes Brot muss man oft zwischen den Zeilen hören, um die Gesellschaftskritik herauszuhören (ähnlich wie bei der EAV)
    Das „sogar“ vor Gesellschaftskritik wundert mich jetzt aber wirklich, denn dafür sind sie eigentlich bekannt. Zumindest wenn man „An Tagen wie diesen“, „Soll das alles sein“ oder „Bettina“ kennt.
    Ihr bestes Album war bestimmt „Außen Tophits, innen Geschmack“ aber ich finde sie nach wie vor spitze.

    Dass für mich Kinderserien-Klassiker eher Biene Maja und Wickie sind, mal außen vor gelassen. Aber ich bin vermutlich eine andere Generation.

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