David Stellner: Zillertal, Amerika, Waldviertel

©Magdalena Bloder

Der Mundartmusiker David Stellner erzählt im Gespräch mit mokant.at von Omas söwa g’strickte Socken und warum ollas nimma mehr des, wos amoi woa ist .

Der 24-jährige David Stellner aus Waidhofen an der Thaya im Waldviertel ist in der Mundart-Szene schon längst bekannt. Mit Gitarre, scharfem Witz und Freund Raphael Widmann an der Geige begeistern beide unter dem Bandnamen David Stellner Duo. Der Mischung aus melodischer Geige, zwei kraftvollen Stimmen und Stellners eigenwilliger Spieltechnik an der Gitarre hört man gerne zu. Wird ein Konzert im David Stellner Trio angekündigt, unterstützt Stefan Haslinger die beiden am Piano und der Orgel.

(c) Karin Marchsteiner

(c) Karin Marchsteiner

Inspiration: Zillertaler Schürzenjäger
Begonnen habe Stellners Begeisterung für die Musik mit einem Auftritt der Zillertaler Schürzenjäger – danach wollte er E-Gitarre lernen. Das ist jedenfalls die Version, die ihm seine Eltern gerne erzählen. Heute macht er aus ganz anderen Gründen Musik. Die Leitidee ist: Musik muss gar nix, kann aber viel. „Du kannst Leute verbinden, die du nicht mal verstehst. Wenn du mit jemandem jammst, dann ist es egal, welche Sprache der spricht. Also, Musik verbindet“, sagt Stellner. Schon in jungen Jahren trat David Stellner auf und teilte sich die Bühne mit verschiedenen Bands seit er 12 Jahre alt ist. Damals war noch die englische Sprache das Ausdrucksmittel. Auf Mundarttexte stieg er erst bei einem Amerikaaufenthalt um.

Amerika als Wegweiser
2009 verbrachte er ein halbes Jahr in Amerika und wusste: Die englische Sprache ist für ihn zu umständlich, um sich auszudrücken, denn „das Direkte geht nur auf Mundart. Dort habe ich meinen ersten Mundarttext geschrieben und bei einer Talentshow vorgespielt – mit Mundharmonika und Gesang.“ Vier Jahre lang feilte er an seinen Mundarttexten und trat 2013 das erste Mal als David Stellner auf. Im Herbst 2013 veröffentlichte er sein erstes Album Wenn da Vollmond scheint mit ausschließlich selbst aufgenommenen Stücken. Er ist davon überzeugt: „Die Art von Mundart-Songwriting macht sonst keiner.“ Ein klares Markenzeichen kann er für sich nicht definieren, trotzdem ist Stellner sich sicher: „Wenn man mich live sieht, dann merkt man sich das. Man hört´s, dass das ein David Stellner ist.“

(c) Magdalena Bloder

(c) Magdalena Bloder

Ernste Texte mit viel Schmäh
Ein Kennzeichen für ein David-Stellner-Konzert ist das gut gelaunte Publikum. Bei ihren Auftritten bringen die beiden ausgebildeten Musiker ihr Publikum zum Lachen. „Ich unterhalte gerne Leute. Ich habe in der Schule immer das Ziel gehabt, dass ich die Leute einmal am Tag zum Lachen bringe und habe jetzt dasselbe Ziel.“ Trotzdem findet Stellner: „Meine Texte sind eigentlich nicht lustig.“ Das Witzige sei mehr sein Schmäh zwischen den Liedern und den will er auch auf das nächste Album bringen. „Die Leute sollen das Lachen vom Konzert mit nach Hause nehmen können.“ Ob die Leute dabei mit ihm oder über ihn lachen, ist ihm einerlei. Für Stellner gilt: „Lieber Lacher auf meine Kosten, als gar keine.“

„Ollas nimma mehr des, wos amoi woa“
David Stellner verpackt Sozialkritik hinter eine heitere Fassade. Bei den Konzerten wird dem Publikum der Spiegel vorgehalten und mit ewig gleichen Phrasen konfrontiert. Die Redewendung „Ollas nimma mehr des, wos amoi woa“ habe schon jede Generation benutzt. Eine Antwort darauf, warum früher wohl alles besser war, hat David auch nicht. Er selbst hat das Lied mit 18 Jahren geschrieben. Zu einer Zeit „als ich es akzeptiert habe, dass ich nicht jeden Satz, den ich schreibe, gerade verstehen will.“ Ganz bewusst ist sich David Stellner im Gegensatz dazu über seinen Liedtext von Söwa gstrickte Socken. Darin geht´s um Socken, die die Welt bedeuten. Socken als Synonym für die Liebe zur Oma. „Das ist wirklich eine der schönsten Melodien, die ich geschrieben habe“, findet David. Denn: „Normalerweise spiel ich drei Akkorde und singe den Text, den ich darüber will und der geht sich zufällig immer mit der Melodie aus.“

Arbeit und doch nicht Arbeit
Damit sich sonst auch zufällig alles ausgeht, arbeitet David Stellner gerade am Sprung zum hauptberuflichen Musiker. Das Booking erledigt der Liedermacher selbst. Über hundert Mal ist er dieses Jahr auf den Bühnen Österreichs zu sehen. Wie man den Sprung tatsächlich schafft, wisse er nicht. „Ich bin mittendrin. Ich mach´ einfach grad wie der Depperte“, sagt Stellner. „Ich bin überzeugt davon, was ich mache.“ Für ihn sind die Lieder, die Ausstrahlung und „dass man hacklt“ der Schlüssel zum Erfolg. Trotzdem möchte er „mal sagen können, ich habe mein Leben lang nicht gearbeitet. Wenn ich das schaffe, dann bin ich zufrieden.“ Im Juni 2015 hat David Stellner sein Studium der Jazzgitarre erfolgreich abgeschlossen und ist aktiv an mehreren musikalischen Projekten beteiligt.

©Magdalena Bloder

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„Kennst du die Zupfgeigenhanseln?“
Ein Konzertabend brachte Bryan Benner, einen in Wien lebenden amerikanischer Bariton, mit dem David Stellner Duo zusammen. „Bryan hat am selben Abend wie wir gespielt und hat uns angeredet auf halb Deutsch, halb Englisch: „Kennst du die Zupfgeigenhanseln?“ Dieses deutsche Folk-Duo war in den 1970er Jahren bekannt. Eines führte zum anderen und bald darauf spielten Benner, Stellner und Widmann sieben Konzerte in einem Monat. „Um´s Verrecken wollte ich keine neue Band haben, wo ich wieder Lieder erarbeiten muss“, erklärt David Stellner. Trotzdem spielt er Gitarre und singt in der neu gebildeten Formation Die Wandervögel seit Anfang 2015. Gemeinsam mit Raphael Widmann mit Gesang und Geige, sowie Bryan Benner mit Mandoline und Gesang geben sie jiddische, deutsche und österreichische Volkslieder, die zwischen hundert und dreihundert Jahren alt sind, zum Besten.

Down Under The Bridge
David Stellner organisierte u.a. mit Raphael Widmann im April 2015 das inoffizielle Musik-Festival Down Under The Bridge unter der Rossauer Brücke am Wiener Donaukanal. Das Facebook-Event bekam in kürzester Zeit tausende Zusagen. „Es waren wirklich viele Leute da, aber keine 13.000. Das hätte keiner gebrauchen können“, sagt Stellner. Für ihn habe sich gezeigt, dass der „Freie-Liebe-Gedanke und das, Wir stellen uns einfach hin und spielen“ zum Erfolg beigetragen haben. Für die Wandervögel und das David Stellner Duo war das Event eine Möglichkeit, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und es hat funktioniert. „Mit den Wandervögeln haben wir vor, ab September keinen unbezahlten Gig mehr zu spielen. Vor allem in Wien hat es sich in den letzten zehn Jahren etabliert, gratis zu spielen. Da schau´ ich schon, dass ich dagegen wirke“, fasst David Stellner zusammen.

Obwohl das Erstlingswerk Wenn da Vollmond scheint heißt, eine Lieblingsmondphase hat der Mundartkünstler nicht. „Bei Vollmond kann i ned schlafen, sonst is ma alles wurscht!“
Mundartliebhaber können hier in das Album reinhören und bestellen.

Titelbild: (c) Magdalena Bloder

 

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Sophie Minihold ist als Redakteurin für mokant.at tätig und studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. In ihrer Freizeit ist sie auf Konzerten zu finden. Derzeitiges Lieblingslied: Beirut - No No No

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