Kopfhörerinnen: Stereophonics – Keep The Village Alive

Stereophonics – Keep The Village Alive

(VÖ 11.09.2015 | Stylus Records-Ignition Records)

(c) Stylus Records | Ignition Records

(c) Stylus Records | Ignition Records

Wir alle behalten sie tief in unseren Herzen, die Britpop-Bands aus den 90ern. Oasis und Placebo, da blickt man auf seine Teenagerzeit zurück, voll von Rebellion und Schreigesang, das ist einfach schön. Weniger bekannt bei uns ist die walisische Band Stereophonics, eine weitere 90er-Jahre Band von der Insel. Wer sie kennt, weiß, sie sind nicht ganz so alternativ; das „Pop“ ist hier größer geschrieben als bei den anderen Britpop-Bands. Das dürfte allerdings niemanden stören: Mit fünf Alben auf Platz eins in Großbritannien muss man schon was drauf haben. Fans dürfen sich über ihr bereits neuntes Studioalbum im September freuen. Darauf findet man BRITpop und BritPOP.

Give me that Vie!
Keep The Village Alive heißt die neue Scheibe. Das Cover lädt eigentlich nicht zum Kauf ein; nur gut, dass die Ära der Harddiscs vorüber ist, denn es ist fraglich, wie viele da zugegriffen hätten. Die letzten Singles der Band waren gesellschaftskonform und kommerzieller als ihre frühen Werke, sie klangen ein bisschen wie Train. Aber wenn man Keep The Village Alive anmacht, dann kommt zu Anfang kein 0815-Song entgegen, dann tönt rebellischer Britpop aus den Lautsprechern. Und guter noch dazu! C’est La Vie schreien die vier Bandmitglieder im gleichnamigen Lied und versinken sowohl musikalisch als auch lyrisch in Nostalgie. Da sieht man sie direkt vor sich, die rauchige, britische Kneipe mit einer kleinen Band auf einer provisorischen Bühne, und wie die anderen will man zum Rhythmus springen. Was für ein Einstieg!

Ausgewaschener Pop und Möchtegern-Härte
Genial –  mehr davon? Leider nicht. White Lies ist eher mittelmäßig, ein langsamerer Popsong; eine Mischung aus 80er-Stars, die verzweifelt ihr Comeback versuchen, à la Bryan Adams vielleicht. Nicht sehr spannend also. Sing Little Sister versucht dieses Tief wieder herauszureißen mit einer Art hartem Country-Song, nur ohne Amerika und mit zu viel Gekrächze. Hilft leider auch nicht. I Wanna Get Lost With You schließt sich White Lies direkt an als etwas schnellerer Herzschmerz-Pop. Schade, denn C’est La Vie war so vielversprechend, mit einer guten Geschichte und simplen, aber einfachen Klängen, die zum Mitschunkeln anregen. Nichts gegen kommerzielle Liebeslieder – wer kennt sie nicht, die Guilty Pleasure-Songs von Robbie Williams, Leona Lewis und Co.? Auf dem Niveau arbeiten die Stereophonics nur leider nicht.

Es geht bergauf – etwas
Etwas langsamer geht es weiter, diesmal zumindest etwas stimmiger, etwas melodischer, mit Song For The Summer. Wieso nicht, für einen chilligen Sonntag-Nachmittag im Juli geht das schon. Auch Fight and Flight kann man durchaus hören; mag im ersten Moment etwas gebetsmühlenartig erscheinen, der Refrain hat es allerdings drauf, genauso die Gitarre in der Bridge. My Hero ist wieder unscheinbarer, Sunny will hingegen Drama machen mit einem Geigenchor, der kommt immer gut – erinnert an ein Train-Cover von Adele’s Skyfall. Da zeichnet sich ein Muster ab – einmal langsam, einmal schnell. Ganz in diesem Zeichen folgen dann das schleppende Into This World und das schließlich etwas erheiternde Mr and Mrs Smith, schnulziges Liebeswerben inklusive.

Schlussendlich bleibt nicht viel zu sagen. Die Stereophonics sind eine von vielen Bands, die irgendwie ihren Pfiff verlieren zu scheinen. C’est La Vie ist genial (falls noch nicht oft genug erwähnt) und bei den anderen Songs denkt man nur, die klingen wie die Band und die Sängerin und der Interpret. Alles etwas farblos – vielleicht war das Albumcover doch passender, als anfangs angenommen.

Titelbild: (c) Stylus Records | Ignition Records

Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

2 Comments

  1. SomeVapourTrails

    22. Juli 2015 at 18:11

    Bin auf der englischen Wikipedia auf den Seiten der bereits veröffentlichten Songs des neuen Albums über die Besprechung auf mokant.at gestolpert. Hut ab! Dafür, dass auf Wikipedia Links zu dieser nicht eben inspirierten Rezension platziert wurden. Diese Chuzpe muss man haben.

    • Dominik Knapp

      27. Juli 2015 at 12:33

      Nur so aus Interesse, was macht eine „inspirierte“ Rezension für Sie denn aus? Nur damit wir künftig besser inspirierte Rezensionen schreiben können…

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