Reiseguide: Westküste USA

Grenzenlose Freiheit, wunderschöne National Parks und unendlich weite Straßen. Unser Redakteur tourte 18 Tage lang durch den Westen Amerikas.

Man kann viel mit Amerika verbinden: Sei es das Land der Freiheit, die Vereinigten Staaten als eine industrielle Großmacht oder einfach nur die Heimatstädte der beliebtesten Fast Food-Ketten. Der Westen des Landes hat allerdings viel mehr zu bieten. In einer 18-tägigen Tour durch Wüstenlandschaften, National Parks und Touristenstädte wie Los Angeles und San Francisco gibt es einige Hot Spots. Die Reise sollte dabei allerdings gut durchgeplant sein. Der folgende Guide soll deshalb als kleiner Ratgeber dienen, nach dem man eine mögliche Route richten kann:

Foto: (c) Martin Kaufmann

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Tipp 1: Ein Auto voll Wasser
Schon während der Fahrt von Flagstaff in den Grand Canyon ist es ratsam, immer genügend Wasserkanister (einzelne Wasserflaschen sind zu umständlich, reichen nicht aus und kommen insgesamt zu teuer) im Auto zu haben. Für den Ausflug zu Fuß ist deshalb ein Rucksack mit Trinkvorrichtung optimal, man kann aber auch einen solchen Wasserkanister einfach einpacken und mitnehmen. Mit einer Fläche von knapp 5 000 km² bietet der Grand Canyon mehrere Einstiegsstellen. Im Rahmen einer Besichtigung bietet sich vor allem der „South Rim“: Hier führt zuerst ein Weg am Rand der Schlucht entlang, bevor man in den Nationalpark hinabsteigen kann. Wichtig ist dabei vor allem festes Schuhwerk, von offenen Schuhen ist durch die staubigen und steinigen Wege dringend abzuraten. Außerdem sollte man stets die Meilenangaben im Blick behalten, denn beim Weg hinauf geht es sich nicht mehr ganz so unbeschwert wie bergab. Für alle Wanderprofis, die einen ganzen Tag mit der Erkundung des Grand Canyons einplanen wollen, gibt es auch die Möglichkeit eines Ganztagesmarsches zu einer Unterkunft im Nationalpark selbst. Der Müll von mitgebrachten Snacks ist außerdem unbedingt fachgerecht zu entsorgen, denn Umweltverschmutzung sieht man in den National Parks nicht gern und wird mit einem saftigen Bußgeld bestraft.

Foto: (c) Martin Kaufmann

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Tipp 2: Hoodoos in Utah
Der Bryce Canyon in Utah ist eine Pflichtstation für Reisende, die Amerikas unberührte Naturlandschaften erleben wollen. Die typischen Gesteinsformationen („Hoodoos“) mit ihrer markanten rötlichen Farbe bieten dabei ein außergewöhnliches Ambiente für die Hiker. Bei den Kontrollpunkten am Eingang des National Parks erhält man eine Broschüre über Fauna und Flora, den wichtigsten Informationen über die Errichtung des Gebietes und den möglichen Routen. Vor allem der letzte Punkt sollte genau bedacht werden, es gibt drei Schwierigkeitsgrade: „Easy“, „Moderate“ und „Strenuous“. Die Grade ergeben sich einerseits aus der Länge der Strecke, andererseits durch das Höhenprofil. Für einen halbwegs fitten Besucher sind Strecken aus „Moderate“ durchaus bewältigbar, sportlichen Typen sei an dieser Stelle der 13 km lange „Fairyland Loop“ nahe gelegt.

Foto: (c) Martin Kaufmann

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Tipp 3: Der steile Weg zu den Engeln
Im Zion-Nationalpark an der Grenze zu Arizona wartet eine außergewöhnliche Herausforderung, der Berg „Angels Landing“. Der Großteil der vier Kilometer langen Strecke besteht aus einem gut gesicherten Wanderweg. Der letzte Teil (etwa ein Kilometer) ist allerdings ein extrem schmaler und steiler Aufstieg, der nur mit einer Kette gesichert ist. Da dieser Weg in beide Richtungen verläuft, kommt es oft zu Wartezeiten bei entgegenkommenden Wanderern. Wer bei Höhen leicht schwindelanfällig wird, sollte deshalb diese Station meiden. Der National Park Service verweist auf die Selbstverantwortung der Besucher und warnt vor einer Besteigung bei schlechtem Wetter oder bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Leider kommt es aber immer wieder zu Unfällen, bei denen Wanderer ausrutschen und abstürzen. Die glatten Steine bedingen hier auf jeden Fall festes Schuhwerk und wer den Aufstieg wagt, wird am Ende mit einem unglaublichen Ausblick über den gesamten Zyon Canyon belohnt.

Tipp 4: Billig-Oscars in Los Angeles
In der Stadt der Engel gibt es gleich mehrere Stationen, die man als Besucher erlebt haben muss. Eine davon ist der wohl berühmteste Gehweg der Welt, der Hollywood Boulevard mit den Sternen der Stars. Abgesehen davon bietet der Boulevard wenig Sehenswertes, die Geschäfte sind leider alle nach dem selben Kitschprinzip für die Touristen ausgestattet (Billig-Oscars, „I ♥ Los Angeles“-Shirts und Postkarten vom Hollywood-Sign). Außerdem wird man hier oft angesprochen, ob man nicht besonders billige Touren zu anderen Sehenswürdigkeiten buchen möchte- hier sollte man sich nicht um den Finger wickeln lassen.

Eine etwas kostspielige Attraktion, die sich für Filmfreunde aber garantiert lohnt, ist der Besuch der Universal Studios. Wenn man den genauen Tag im Vorfeld reserviert, kostet eine Eintrittskarte umgerechnet knapp 78 Euro. Wer nicht lange warten möchte und das nötige Kleingeld hat, kann sich auch ein „Front-Of-Line-Ticket“ um etwa 170 Euro kaufen. In den Filmstudios selber sollte man unbedingt selbst Verpflegung mitnehmen, die Preise in den Lokalen sind verhältnismäßig hoch. Abseits der großen Attraktionen wie etwa Jurassic Park und Waterworld gibt es außerdem viele kleinere Stationen, bei denen sich die Wartezeiten in Grenzen halten.

Foto: (c) Martin Kaufmann

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Tipp 5: Meet & Greet mit Alcatraz-Insassen in San Francisco
Den idealen Abschluss einer Reise durch den Westen Amerikas bietet San Francisco. Hier sollte man für die Besichtigung des Gefängnisses Alcatraz mindestens einen halben Tag einplanen. Mit einem Audio Guide wird man durch „The Rock“ geführt und bekommt die Geschichten der berühmtesten Insassen packend erzählt. Zu beachten ist hier, dass man keine Steine von der Insel als Andenken mitnehmen darf. Kontrolliert wird man allerdings offenbar nicht, also kann man durchaus die Augen offen halten. Wenn man Glück hat, ist sogar der ehemalige Insasse Darwin Coon zu Besuch, der regelmäßig an den Platz seiner Gefangenschaft zurückkehrt, Autogramme schreibt und seine Autobiographie signiert. Wer zurück in San Francisco die Stadt noch von einer anderen Seite kennen lernen möchte, der soll vom Stadtinneren aus über die Golden Gate Bridge fahren und sich Richtung Westen halten. Zum Einen bieten die Hügel entlang der Bunker Road gute Möglichkeiten, die Brücke zu fotografieren, andererseits kann man gleichzeitig die alten Wehranlagen von Fort Cronkhide und das Marine Mammal Center besuchen.

Drei Insider-Tipps:
1. Bei privaten Unterkünften in Wüstengebieten immer alle Türen und Rucksäcke verschließen. Es kommt nicht selten vor, dass sich in der Nacht unbeliebte Gäste wie Skorpione oder Schlangen breit machen wollen.

2. In den Städten immer Ausschau nach dem nächsten „Walmart“ halten. Hier bekommst du alles, eine Apotheke und ein Fast Food Lokal sind serienmäßig integriert.

3. In Restaurants und Lokalen immer gleich vor dem Essen sagen, wenn ihr getrennt zahlen möchtet. In Amerika ist es üblich, alles gemeinsam zu verrechnen.

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1. Dich vom Angebot und Preis der XXL-Portionen im Frühstücksdiner deiner Wahl verführen lassen. Dein Verdauungstrakt wird es dir danken, wenn du den „Grand Breakfast Burrito“ auslässt.

2. 500 Miles von den Proclaimers in eurer Auto-Playlist haben. Was am Anfang noch echt witzig ist („Ich fühl mich wie in How I Met Your Mother!“) wird schnell zu eurem musikalischen Alptraum. Außerdem gibt es in Amerika genügend coole Radiosender.

3. Sich selbst überschätzen: Vor allem in Nationalparks solltest du immer die Zeit für den letzten Shuttlebus zurück zum Parkplatz im Auge behalten. Es ist kein gutes Gefühl, durch unbekanntes Terrain zu hetzen und nicht zu wissen, ob man die Nacht in einem Gebiet mit Bären verbringen muss.

Titelbild: (c) Martin Kaufmann

Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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