Porträt: Tierpräparation ist sein Hobby

Foto: Markus Milchram

Fuchs, Iltis, Boa – diese und noch mehr Tiere kennt Markus Milchram aus- und inwendig. Der 22-jährige präpariert Tiere – einfach aus Interesse

Markus war noch ein kleines Kind, als er auf einer Lichtung im Wald ein totes Rotkehlchen liegen sah. „Ich mag lebendige Tiere eigentlich viel lieber als tote. Aber als ich das Rotkehlchen sah, fand ich es so schön und zugleich unheimlich schade, dass diese Schönheit mit der Zeit verwesen muss.“ Markus beschloss, irgendwann zu erlernen, diese Schönheit der Natur zu erhalten – und Tiere zu präparieren.

Ein ungewöhnliches Hobby
Heute ist Markus 22 Jahre alt und hat seinen Beschluss schon vor längerer Zeit in die Tat umgesetzt. Er präpariert Tiere zum Spaß und ausschließlich für sich – Geschäft will er damit keines machen. Seine Eltern, beide Biologen, unterstützen dieses besondere Hobby. „Außer wenn ich vergesse, die Tiere abzustauben, was öfters vorkommt“, sagt Markus mit einem Zwinkern. Seine Freunde und Bekannten stört es auch nicht, dass Markus in seiner Freizeit toten Tieren das Fell abzieht, doch manche Personen fänden es eklig, meint Markus. „Manche sagen, das ist grauslich, und immer kann ich nichts dagegen sagen. Wenn ein Fuchs mit einem großen Kaliber erschossen worden ist und ein riesiges Einschussloch hat, ist das Abziehen der Haut nicht so schön.“

Ebenfalls nicht schön anzusehen sind überfahrene Tiere, doch sie sind eine der Hauptquellen für Markus‘ Hobby. „Ich selbst habe keinen Jagdschein. Doch ich kenne viele Jäger, die mich anrufen, wenn sie etwas Schönes auf der Straße gefunden oder selbst geschossen haben.“ So bekommt Markus viel Material, doch leider findet er neben seinem Biologiestudium und seiner Tätigkeit als Sanitäter immer weniger Zeit für die Präparation. „Ein Jäger gab mir einen schönen Fuchs und meinte, er würde ihn gerne sehen, wenn er fertig wäre. Das war vor drei Jahren, und er ist immer noch nicht fertig. Ich tau‘ ihn immer wieder mal auf und mach weiter, aber Präparieren nimmt viel Zeit in Anspruch.“ Ein weiteres Problem ist der Platz, den die fertigen Präparate benötigen. Füchse, Marder, Dachse, Iltisse, Vögel und weitere Tiere werden in Markus‘ Elternhaus in Niederösterreich aufbewahrt.

Foto: Markus Milchram

Foto: Markus Milchram

Sezieren im Volksschulalter
In seinem kleinen Studentenzimmer in Wien ist kein Platz dafür, Markus hat hier keine Tiere aufgestellt. „Das brauch ich in einem so schlecht durchlüfteten Raum wirklich nicht“, meint er. „Die würden nur Staub produzieren.“ Statt echten Lebewesen zieren hier zweidimensionale Zeichnungen die Wände, denn Markus zeichnet sehr gerne – natürlich ebenfalls Tiere. So hängt neben einem Fuchs, den Markus als sein Lieblingstier bezeichnet, eine kleine Feldmaus.

Mit Mäusen hat Markus‘ Interesse für die Anatomie von Tieren begonnen. „Ich hab alles seziert, was ich in die Finger bekommen habe“, erzählt er und lacht. „Meistens das, was die Katzen so angeschleppt haben.“ Bereits im Volksschulalter zerlegte Markus Tiere, auf das Präparieren kam er nach dem Erlebnis mit dem Rotkehlchen. Als er, damals 13-jährig, im Naturhistorischen Museum bei einer Führung den Leiter der Hauptpräparation fragte, wie man Tiere präpariert, lud ihn dieser ein: „Ich durfte vorbeikommen und lernen, wie man präpariert. Da habe ich dann einen ziemlich hässlichen Eichelhäher fabriziert“, erinnert sich Markus.

Dieser Eichelhäher war der Beginn seines neuen Hobbys, weitere Tierpräparate folgten, und wurden mit der Zeit immer ansehnlicher. Markus richtete sich eine eigene Werkstatt ein und besorgte sich einen Vorrat an Holzwolle, Draht, Ton, Modelliermasse und Glasaugen. Die Ergebnisse sind bemerkenswert – begeistert zeigt Markus Fotos auf seinem Laptop. Neben Mäusen, Vögeln und Füchsen sieht man auch einige exotischere Tiere. So gibt es einen Gecko und einen Rochen zu bestaunen. Beeindruckend mutete eine Boa Constrictor an, die wirklich „ausgestopft“ ist. „Schlangen sind sehr einfach und fast ein wenig langweilig, da muss man nichts modellieren, sondern einfach nur aufschneiden, ausweiden und reinstopfen“, erklärt er.

Zum zweiten Teil des Porträts: Markus über die Kunst der Präparation und den Bezug zur Jagd

Titelbild: (c) Markus Milchram

lukas.unger@mokant.at'

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