Rauchverbot: Wer raucht, verliert

Rauchen soll zukünftig in allen Lokalen Österreichs verboten werden. mokant.at hat bei Wiener Cafehausbesitzern zum Thema Rauchverbot nachgefragt.

Beim Betreten des Café Korb stechen sofort zwei Dinge ins Auge: Altwiener Charme und gähnende Leere. Kellner in Anzug und Fliege, imposantes, dunkles Mobiliar sowie schwere gläserne Aschenbecher verleihen dem Kaffee das typische Flair. Umso größer ist das Erstaunen, das Lokal ohne Gäste vorzufinden. Die Erkenntnis folgt auf dem Fuß, denn der Himmel zeigt sich in einem tiefen Blau und die Sonne lacht strahlend vom Himmel. Die Besucher sind deshalb schnell gefunden: Sie sitzen im hauseigenen Gastgarten. Dort treffen wir auch den Geschäftsführer des Cafés, Erich Katzenberger, der bereitwillig unsere Fragen beantwortet.

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(c) Jana Weber

Im Sommer sei das Raucher-Problem wesentlich einfacher zu lösen, bemerkt der Besitzer. Das Café Korb ist eines der letzten echten Rauchercafés in Wien. Aber nicht mehr lange. „Wir haben da einige Schwierigkeiten gehabt und stellen am 2. Mai um“. Grund für diese Entscheidung war eine Anzeige gegen das Lokal, da es nicht mehr dem Gesetz entspreche, verrät Katzenberger. Er, selbst ehemaliger Raucher, empfindet das Gesetz als massiv einschränkend gegenüber Lokalbesitzern. Für ein Unternehmen sei es keine Basis mehr, wenn man selbst nicht mehr entscheiden könne. Rauchen sei seiner Meinung nach noch nie ein Problem im Café Korb gewesen, da das Lokal über eine gute Lüftungsanlage verfüge. „Wenn es mich stört, muss ich halt rausgehen“, lautet Katzenbergers Devise. Wie das Kaffeehaus die Umstellung verkraftet, wird sich im Mai zeigen.

Reformierte Raucher
Erich Katzenberger ist nicht der einzige Gastronom, der die Reform des Rauchverbots als Einschränkung seiner Rechte sieht. Die private Initiative „Rauchzeichen“ hat bereits 300.000 Unterschriften gegen das neue Rauchergesetz gesammelt. Am 28. April organisierte sie zudem eine Demonstration vor dem Parlament, bei der es laut Polizei mindestens 500 Beteiligte gab. Gefordert wird unter anderem eine Volksbefragung, die von der Regierung bisher aber abgelehnt wurde. „Ich bin der Meinung, dass es nicht notwendig ist, das einer Volksbefragung zu unterziehen“, so Bundeskanzler Fayman in einer Stellungnahme nach dem Ministerrat am selben Tag. Er und Vizekanzler Mitterlehner würden die neuen Rauchergesetze im Sinne der Prävention und dem Nichtraucherschutz für richtig halten.

(c) Jana Weber

(c) Jana Weber


Getrennt und doch zusammen
Beim Betreten des Café Steins nimmt man einen deutlichen Zigarettendunst wahr. Und das, obwohl das Café sowohl über einen großen Nichtraucher- als auch über einen separaten Raucherbereich verfügt. Das Lokal in unmittelbarer Nähe der Universität gehört zu den glücklichen Betrieben die über einen Garten verfügen. Dieser wird bei schönem Wetter gerne von Rauchern genutzt.

Betriebsleiter Roman Reiterer steht den mehrmaligen Gesetzesänderungen kritisch gegenüber. „Sie hätten einfach eine Schiene fahren sollen, vor ein paar Jahren“, beklagt er die Situation . Österreich sei eines der wenigen Länder Europas in denen diese kostspielige Umstellung nicht gelinge. „Im großen Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern soll es funktionieren. Bei uns acht Millionen Österreichern nicht.“

Der Betriebsleiter ist zwar selbst bekennender Nichtraucher, sieht aber im Rauchverbot auch einen stückweisen Verlust der Wiener Kaffeehauskultur: „Das gehört doch dazu“. Im künftigen Rauchverbot sieht er jedoch keine großen finanziellen Einbußen für Kaffeehausbesitzer. Er selbst habe in mehreren Lokalen – auch Nichtraucherlokalen – gearbeitet und habe keinen drastischen Kundenausfall feststellen können: „Wenn ein Gast hierher kommen möchte und weiß, er kann nicht rauchen, kommt er trotzdem“.

Alles aus?
Doch nicht nur die Kaffeehauskultur leidet unter dem geplanten Rauchverbot. Seit 2009 sollen laut Fachverband der Gastronomie zwischen 100 und 150 Millionen Euro in die Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereiche investiert worden sein. Ein Großteil davon wurde von den Wirten selbst bezahlt. Mit dem neuen Gesetz fällt auch diese Sonderregelung und die teuer angeschafften Raumtrennungen verlieren ihren Sinn. Die Regierung berücksichtigt dies mit einer vergleichsweise langen Übergangsfrist bis zum 1. Mai 2018. Gastwirten, die ihre Lokale schon vor dem 1. Juli 2016 umstellen, winkt eine Prämie von zehn Prozent des Restbuchwerts der Umbaumaßnahmen.

Ohne Rauch geht’s auch
Anderswo hat man sich schon länger mit der Situation arrangiert. Es ist acht Uhr früh. Nur wenig Licht fällt in die schmale Seitengasse, in der das Café Hawelka gleich seine Pforten öffnet. Der klassisch gekleidete Oberkellner wischt gerade die Tische draußen vor dem Café, noch ist kein Gast zu sehen. Beim Eintreten in die Gaststätte ist von Rauchgeruch keine Spur. Einzig der hohe, dunkelbraun gefärbte Plafond verrät, dass im Hawelka einmal fleißig geraucht wurde. Im Lokal ist es dunkel, nur im hinteren Teil brennt ein wenig Licht. Wir hören eine Stimme, folgen ihr und finden den Besitzer des Lokals: Günter Hawelka.

Hawelka

(c) Susi Schoefnagl

Der 75-jährige begrüßt uns freundlich und geleitet uns zu einem Tisch im hinteren Teil des Cafés. Eine Lampe wird angeknipst und alte Bilder und das urige Mobiliar des Lokals werden sichtbar. Sofort wird duftender, heißer Kaffee vom Chef persönlich aufgetischt. Mit einer beiläufigen Bewegung streicht er das grün-karierte Geschirrtuch, das ihm als Schürze dient, glatt und setzt sich zu uns an den Tisch. Er beginnt zu erzählen. Man merkt, er hat schon viel erlebt. Seine Stimme klingt ruhig, doch seine dynamische Gestik und seine leuchtenden Augen verleihen seinen Worten eine jugendliche Frische.

Die Umstellung von einem Raucher- zu einem Nichtraucherkaffee hätten sie sich nicht ausgesucht, das wäre höhere Gewalt gewesen, meint Hawelka. Was hat man gegen die Regierung und deren Gesetze schon für eine Chance? 2011 hatte er noch dagegen aufbegehrt, heute sehe er die Sache etwas gelassener. „Grundsätzlich wäre es schon positiv, wenn man in einem Kaffeehaus rauchen dürfte“, spricht er weiter.

(c) Susi Schoefnagl

(c) Susi Schoefnagl

„Raucher werden rauchen.“
Nach der Umstellung zu einem Nichtraucherkaffee habe sich aber nicht viel geändert. Die Gäste haben das Rauchverbot akzeptiert und gehen zum Rauchen kurz vor die Türe. Im Sommer ist es durch den kleinen Gastgarten vor dem Lokal sowieso kein Problem. Auch über Umsatzeinbußen, eine Rückgang der Stammkunden, sowie ein anderes Konsumverhalten der Gäste weiß er nicht zu berichten. Die Zeiten hätten sich seit den 1950-er Jahren immer wieder geändert. Die Stammkunden seien langsam weniger geworden, die Touristen dafür mehr. Mit dem Rauchen per se hätte das aber seiner Meinung nach nichts zu tun.

Die jetzige neuerliche Gesetzesänderung finde er aber nicht gut, da einige Lokale bereits viel Geld in einen Umbau gesteckt hätten. „Bei Kaffeehäusern die schon ein Nichtraucherabteil aufgebaut haben, sollte man es so belassen wie es ist“, meint er. „Es fällt nicht allen so leicht den Betrieb umzustellen wie uns.“ Die Frage, ob er glaube, dass sich das Rauchverhalten der Österreicher durch die neuen Gesetze generell ändern würde, winkt er lächelnd ab. „Raucher werden rauchen. Da können auch die von Oben nichts daran ändern.“

Titelbild: Janine Pusa/flickr.com 

Artikel von: Lukas Ableidinger, Jana Weber, Susanne Schöfnagl, Anna Stahleder

Die mokant.at Akademie für Nachwuchsjournalismus ist ein Projekt, das sich an Nachwuchsjournalistinnen und Journalisten richtet, um ihnen eine fundierte, praxisnahe und leistbare Ausbildung zu ermöglichen.

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