SoundOut: „Wir zeigen Wiens Musik auf einen Blick“

(c) Julian Haas

Wir haben mit William Campbell, dem Gründer von SoundOut, über Österreichs Musikszene, eigenartige Auftritte und natürlich sein neues Projekt gesprochen

Wiens alternative Musikszene kann sich nicht nur hören, sondern dank SoundOut auch sehen lassen: die Web-App zeigt einen Stadtplan von Wien, auf dem Proberäume, Tonstudios, Locations und Jamsessions eingezeichnet sind. Das soll das Leben von Veranstaltern, Musikern und Musikbegeisterten vereinfachen. Die Anwendung kann von Nutzern erweitert werden und ist gratis. Im Interview erklärt uns der Gründer William Campbell, oder Tall William – wie er sich als Musiker nennt, warum SoundOut eine Marktlücke füllt und wo er sich selbst nachts herumtreibt.

(c) SoundOut

(c) SoundOut

mokant.at: Wie erklärst du deiner Oma, was du bei SoundOut machst?
William: Ich würde sagen, dass es ein Stadtplan von Wien ist, auf dem ein Musiker Lokale, Proberäume oder Tonstudios entdecken kann. Wir haben jetzt auch „Jamsessions“ entwickelt und wollen in Zukunft auch „Events“ machen, aber die Hauptsache sind Proberäume.

mokant.at: Warum braucht Wien SoundOut? Die Musikszene hier ist doch schon sehr überschaubar.
William: Weil ich Musiker bin und ich spiele und wohne in Wien. SoundOut war zuerst ein Werkzeug, um meine privaten Auftritte aufzuzeichnen. Dann haben ein paar Freunde gesagt, sie brauchen das auch und ich dachte mir, es kann auch ein größeres Konzept sein. Es ist nicht nur für Wien – in den nächsten Monaten wollen wir SoundOut österreichweit machen. Es ist auch für Graz, Salzburg und Innsbruck geplant.

mokant.at: Soll SoundOut später international werden?
William: Hoffentlich wird es in Zukunft eine Mischung aus AirBnB, Soundcloud und einem Veranstaltungsprogramm werden. Ein Netzwerk für Musiker.

mokant.at: Was verstehst du unter der „alternativen Musikszene“?
William: Das ist eine schwierige Frage. Aus meiner Sicht hat Wien eine sehr gute Position in Europa. Jede Nacht gibt es zum Beispiel am Gürtel eine Gruppe aus der Slowakei, eine Gruppe aus den USA oder Deutschland – das ist ganz besonders an Wien.

mokant.at: Du meinst damit also nicht die Musikrichtung Alternative Music?
William: Ich meine die Menschen.

mokant.at: Welchen Eindruck hast du von der Musikszene in Österreich?
William: Es gibt etwas sehr besonderes in Wien, aber es ist schade, dass es nicht nach außerhalb von Österreich kommt. Es gibt sehr viel Energie hier, aber ich höre von anderen Musikern, dass zum Beispiel Deutschland und Italien kein Interesse an der österreichischen Musikszene haben. Das enttäuscht mich, aber hoffentlich kann man durch SoundOut oder andere Plattformen die Musikszene weiter verbreiten.

(c) Julian Haas

(c) Julian Haas

mokant.at: Du sagst „schrullige Lokale waren das, was ich gesucht habe. Nicht die Wegbeschreibung zum Mozarthaus.“ Was war bisher dein eigenartigster Auftritt?
William: Ich habe mit meinem Soloprojekt Tall William im Buchladen Shakespeare & Company gespielt. Das war sehr nett. Ich habe einfach im Geschäft gefragt, ob es möglich ist, ein kleines Akustikset zu spielen. Sie haben mir mit Büchern eine kleine Bühne gemacht und Wein ausgeschenkt. Das war ganz speziell und es war wirklich großartig. Diesen Samstag ist im WUK eine Veranstaltung von GRAS (Die Grünen & Alternativen Student_innen, Anm. d. Red.) und wir spielen im WUK Hof, das wird sehr fein, glaube ich.

mokant.at: In einem Interview hast du gesagt, SoundOut wendet sich an Musiker ohne lokale Ortskenntnisse. Wie erreicht man diese Musiker überhaupt?
William: Zum Beispiel durch Foren von Leuten, die gerade in Wien angekommen sind. Zum Beispiel First Year WU-Students oder The Local Austria, für Leute, die neu hergezogen sind. Es ist oft schwer, sie zu erreichen, aber es funktioniert immer besser durch Social Media und SEO-Ranking (Search Engine Optimization, Anm. d. Red.). Und die Leute in Wien werden hoffentlich auf mokant.at lesen, was es in Wien Neues gibt (lacht).

mokant.at: Was sind Vorteile für das Publikum im Vergleich zu einem normalen Eventkalender?
William: Es ist anders, als eine normale Eventseite. Es ist das Einzige, das auf einer Karte alles auf einen Blick zeigt. Wir haben weniger Interesse an Lokalen, die schon fest im Kulturbild verankert sind. Wir sind begeistert von Shakespeare & Company Auftritten oder Live im Waschsalon.

mokant.at: Die Seite ist seit Februar online – was ist dein Fazit nach den ersten Monaten?
William: Die ersten Monate waren schwierig. Ich und unser Webentwickler haben sehr viele Spaziergänge durch jedes Grätzl gemacht und nach Proberäumen gesucht. Wir haben in der Stadt unbekannte Lokale gefunden und mussten sie dann selbst hinzufügen. Dann wurde es leichter, weil sich Tonstudios selbst hinzugefügt haben.

(c) Julian Haas

(c) Julian Haas

mokant.at: Auf der Website steht, dass SoundOut auf RepresentLA basiert – arbeitet ihr zusammen?
William: Ah, das muss ich wieder wegstreichen! Ich bin RepresentLA sehr dankbar, aber bei RepresentLA gibt es einen Stadtplan von LA, wo man alles von der Start-Up-Szene entdecken kann. Ich habe gedacht, sowas brauche ich für Tall William. Die Karte ist ein Open-Source-Code, SoundOut ist heute ganz anders, wir haben viele Codes ausgetauscht und verändert. Es ist wirklich nicht dasselbe. Das muss ich ausbessern und eine kurze Mail an RepresentLA schreiben und danke sagen (lacht).

mokant.at: Was sind die nächsten wichtigen Schritte für die Zukunft von SoundOut?
William: Wir wollen die Number One Website für Proberäume werden. Das ist eine große Marktlücke. Seit dreißig Jahren ist es dasselbe: man muss einen Freund von einem Freund kennen, der einen Proberaum kennt. Es ist wirklich schwer, gute Proberäume zu finden. Wir werden das dann hoffentlich nach Genre organisieren, um es leichter zu machen, den richtigen Proberaum zu finden.

mokant.at: Zum Schluss habe ich noch drei kurze Fragen: Was ist dein persönlicher Lieblingsclub in Wien?
William: Irgendeiner mit Billard (lacht). Ich tanze wirklich nicht, aber ich würde sagen, das Chelsea. Ich gehe oft ins Fluc. Aber ich war noch nie im Flex oder in der Pratersauna. Es gibt deshalb auch keine Clubs auf SoundOut. Ich habe keine Erfahrungen mit Clubs (lacht).

mokant.at: Welchen Club hältst du für überbewertet?
William: (überlegt) Wo habe ich eine Scheiß-Nacht gehabt? Wenn ich Club gegen Bar austausche, dann das Rhiz. Aber das würde ich wirklich nur in einem Notfall sagen.

mokant.at: Was war das letzte Konzert, das du besucht hast?
William: Ich gehe ganz oft zum Gürtel und schaue ein paar Bands an, aber ich merke mir die Namen nicht. Die letzte bekannte Gruppe, die ich gesehen habe, war Belle & Sebastian.

Titelbild: © Julian Haas

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.