FLÖ vs. KSV-LiLi: Das schöne Leben im Kommunismus?

Foto: (c) Georg Marlovics
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ÖH Wahlen 2015: „Das schöne Leben gibt’s erst im Kommunismus“

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mokant.at: Eine weitere wichtige Forderung von euch ist beim Thema Mobilität. KSV LiLi ist für eine Freifahrt, bei der FLÖ setzt man sich laut Programm für eine „leistbare öffentliche Mobilität“ ein. Gratis oder verbilligt, wie sieht eine Lösung aus?
Philip Flacke: Das ist eine Glaubensfrage. Ich persönlich bin bereit, etwas für mein Ticket zu zahlen. Das ist wieder eine Finanzierungsfrage. Was nicht passieren darf, ist, dass man ein Freifahrtsticket schafft und dafür die Leistung einschränkt. Wenn ich von Klagenfurt nach Wien komme, ist das wie ein Schlaraffenland für mich, ich kann rund um die Uhr fahren, wie ich möchte. Mir ist das auch einen Beitrag wert.
Tina Sanders: Wien ist aber auch eine touristische Stadt, deshalb glaube ich nicht, dass es zu einer Abschwächung der Qualität kommt, auch aus einem rein ökonomischen Eigeninteresse der Stadt heraus.

mokant.at: Noch ein konkreter Punkt: Psychische Erkrankungen Studierender. Das ist ja vor allem ein großer Bereich für KSV LiLi, wie will man dieses Problem angehen?
Tina Sanders: Es gibt ja einen Beauftragten für Barrierefreiheit an den Unis, hier fallen psychische Beeinträchtigungen auch darunter. Es wäre ein Anliegen von uns, dass es Kampagnen für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung gibt, so kann es auch sukzessive zu einer Entstigmatisierung in der Gesellschaft kommen. Der zweite Punkt betrifft die alternativen Prüfungsmodalitäten an den Unis. Es gibt sie, nur weiß niemand etwas davon. Das ist sowohl Aufgabe der einzelnen Dozent_Innen, als auch der Barrierefreiheitsbeauftragten. Wir fordern weiters den Ausbau von kostenlosen Beratungs- und Anlaufstellen und eine Lockerung der Hochschule. Es muss Schluss sein mit Knock-Out-Prüfungen, mit Anwesenheitspflicht und Voraussetzungsketten. Das sind Sachen, die sind oft wenn du nebenbei noch arbeitest, oder Kinder hast, unvereinbar. Das kann in Folge Burn Outs hervorbringen oder psychische Erkrankungen wie Depression unter dem Stress noch stärker werden lassen.
Philip Flacke: Dass zur Barrierefreiheit auch psychiatrische Schranken gehören, muss herausgestellt werden. Du brauchst Aufklärung, meist werden solche Beratungsstellen sehr stiefmütterlich behandelt, das ist dann in irgendeinem Nebengebäude im Keller. Das hat Vor- und Nachteile: Am prominentesten Ort der Uni eine psychologische Beratung zu machen, ist wegen der Anonymität schwierig. Man muss einerseits Privatsphäre bieten, andererseits auch klar auf den Ort hinweisen. Man muss die Möglichkeit schaffen, Hilfe zu suchen und sie umsonst zu bekommen. Wenn da noch eine finanzielle Barriere ist, wird es schwierig. Psychische Erkrankungen sind ein Tabuthema, das ist bei körperlichen Behinderungen nicht mehr der Fall. Es ist traurig, wenn Leute Angst davor haben, als psychisch labil abgestempelt zu werden.
Tina Sanders: Ich muss sagen, dass bei körperlichen Behinderungen oder Beeinträchtigungen der Tenor in die Richtung geht, als wäre die Gesellschaft total tolerant und als müssten wir daran nicht mehr arbeiten. Gerade wenn ich mir die Uni Wien auf ihre Rollstuhlzugänglichkeit ansehe, merke ich, dass wir noch viel zu tun haben.
Philip Flacke: Dass die Barrierefreiheit noch nicht optimal ist, ist keine Frage. Das fängt schon bei Sachen wie einer Website an. Die meisten Seiten der Universität enden mit einer Banalität wie einer Rot-Grün-Sehschwäche. Sie sehen zwar nett aus, aber für jemanden, der beeinträchtigt ist, sind diese Seiten nicht zu benutzen.

mokant.at: Ich möchte nochmal zu den alternativen Prüfungsmodalitäten zurückkommen. Wie können oder sollen die aussehen, was kann man sich darunter vorstellen?
Tina Sanders: Am Institut für Politikwissenschaft gab es ein Seminar einer Veranstaltungsleiterin, die ein Punktesystem für die Student_Innen festgelegt hat. Die Leute konnten sich selber aussuchen, was sie lieber machten, solange sie damit die vorausgesetzten Punkte erbracht haben. Es geht darum, ob man gerne vor anderen redet, oder lieber einen Essay schreibt. Das finde ich spitze.
Philip Flacke: Bei Seminaren ist das auch ganz leicht umzusetzen. Problematisch wird das bei großen Vorlesungen, wenn 500 Studierende die Prüfung schreiben. Da lässt sich so ein System nicht implementieren. Da kann man als alternative Prüfungsmethode eine mündliche Prüfung anbieten, wenn ich merke, dass jemand mit dem Druck nicht klar kommt. Dabei muss der Dozent oder die Dozentin sehr einfühlsam sein und das vor allem auch wollen.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Apropos „einfühlsam“: Der KSV LiLi hat beim Punkt der vermögensbezogenen Steuern stehen: „Das wirklich schöne Leben, abseits vom Leistungsterror, gibt’s jedoch erst im Kommunismus.“ Schrecken solche Aussagen nicht auch potenzielle Wähler ab?
Tina Sanders: Zunächst vorweg: Mir ist mindestens fünf Mal, als ich die Unterschriften für die Unterstützungserklärung gesammelt habe, passiert, dass Leute gemeint haben: „Links ist für mich ok, aber Kommunismus geht gar nicht.“ Das Ding ist, dass wir Kommunismus als etwas anderes sehen als Realsozialismus. In der Hinsicht grenzen wir uns auch sehr stark vom KSV-KJÖ ab, weil bei uns bedeutet Kommunismus nicht Stalin und Konsorten, sondern das Abschaffen von Kapital, Macht und Diskriminierungsverhältnissen und das Schaffen einer Welt, in der Menschen ohne Angst leben können.

mokant.at: Bei der KSV LiLi hat man damit eine klare Position. Dadurch, dass die FLÖ ein Zusammenschluss parteiunabhängiger Studierendenfraktionen ist, vermisst man manchmal einen so eindeutigen Standpunkt. Ist das für euch ein Problem?
Philip Flacke: Das glaube ich nicht. Unsere Mitglieder sind von der Einstellung her bunt gemischt. Im Prinzip ist die Ideologie egal, solange man etwas für die Studierenden machen will, allerdings grenzen wir uns klar von einem rechten Gedankengut ab. Ich würde mich links der Mitte titulieren, das ist ganz realistisch.

Tina Sanders: Also ich habe in dem Zusammenhang schon ein paar Kritikpunkte. Es ist zwar nett, dass ihr so durchgemischt seid, aber auf der anderen Seite ist mir aufgefallen, dass alles sehr personenzentriert ist und keine klare Linie da ist. Das sieht man dann auch auf der ÖH Boku, wo dann drei Männer im Vorstand sitzen und das sieht man an der Tatsache, dass ihr mit den rechten Recken, der AG und den JUNOS bei einem CV-Symposium (der Cartellverband ist ein Zusammenschluss von 44 farbentragenden katholischen nichtschlagenden Hochschulverbindungen in allen österreichischen Hochschulstädten, Anm. d. Red.) mitdiskutiert, wo es auch darum geht, ob eine ÖH jenseits der linken Ideologie möglich ist. Ich persönlich sehe das nicht als apolitisch, das ist ein klares politisches Statement.
Philip Flacke: Zuerst zu der ÖH Boku-Geschichte. Das ist eine Sache der ÖH Boku, wir folgen hier dem Prinzip der FLÖ und mischen uns nicht auf der lokalen Ebene ein. Vor dem Zerwürfnis der GRAS und der FL Boku war ja auch eine Frau dabei. Die nächste Spitzenkandidatin der FL Boku ist eine Frau, bei uns in Klagenfurt mussten wir schauen, überhaupt einen Mann auf der Liste zu haben. Das ist also ziemlicher Quatsch, uns etwas zum Geschlechterverhältnis vorzuwerfen. Zum Punkt der Podiumsdiskussion: Der Titel wurde nachträglich geändert, auf der Einladung war die Aussage „ÖH jenseits der linken Ideologie“ nicht dabei. Der Titel war schlicht „ÖH 2015“. Dazu kann ich nur sagen, dass es für mich eine ÖH ohne linke Thematiken für mich und die FLÖ nicht geben wird.

„Der CV ist so exkludierend, diskriminierend, teilweise finden die den Austrofaschismus toll.“

Tina Sanders: Aber ihr macht trotzdem auch im Nachhinein dabei mit. Dort sitzen dann vier bis fünf Männer auf einer Bude, wo keine Frauen hin dürfen. Ihr könnt doch immer noch sagen, dass ihr mit Rechten nicht reden wollt. Wir, die KSV LiLi, gehen gegen den WKR-Ball auf die Straße und stehen auf der Uni Rampe den Burschis regelmäßig im Weg. Das ist aber so der einzige Kontakt, den wir zu ihnen wünschen.
Philip Flacke: Das ist ja auch in Ordnung, aber ich mag den Austausch mit Menschen. Es gibt natürlich Leute, die sind unbelehrbar, aber wenn ich von 20 nur zwei erreiche und sie aus diesem Burschenschaftlerdenken rausbrechen kann, dann ist mir die Diskussion das wert. Solange das ganze halbwegs konstruktiv bleibt, diskutiere ich mit jedem. Zu der Diskussion auf der Bude: Bietet man ihnen damit eine Bühne? Ja, aber die bekommen sie so oder so. Jetzt kann man hergehen und sie in ihrem eigenen Denken stehen lassen, nur erreicht man damit nichts.
Tina Sanders: Das ist verschwendete Liebesmüh, wer geht denn auf eine Bude? Du sitzt dann dort mit rechten Recken, mit den JUNOS und der AG, die die ÖH als Serviceeinrichtung ansehen und teilweise Studiengebühren super finden. Du bist am Podium mit Leuten, die diskriminierende Weltanschauungen verbreiten.
Philip Flacke: Mal schauen, wie lange wir überhaupt dort sind. Durch diesen Titel hat sich für uns der Fokus schon klar verschoben; den nachträglich zu ändern halte ich für sehr frech. Aber nochmal: Wenn es vergebene Liebesmühe ist, habe ich es wenigstens probiert. Man kann hergehen und sagen, das sind alles Bekloppte, oder man versucht, ob man nicht doch etwas in sie hinein bekommt.
Tina Sanders: Ich will auch nicht die rechten Recken mit den Leuten vom CV in den selben Topf werfen, aber in Wien kooperieren sie halt teilweise miteinander. Der CV ist so exkludierend, diskriminierend, teilweise finden die den Austrofaschismus toll.
Philip Flacke: Ich glaube halt, dass man dagegen etwas tun soll und sie nicht in sich abgeschlossen lassen darf. Man muss aktiv auf sie zugehen und sie davon überzeugen, dass das, was sie da predigen, ein völliger Nonsens ist. Gerade wenn ich diese Verbindung sehe, wo nur Männer zugelassen sind – in welchem Jahrhundert sind wir denn?
Tina Sanders: Dann würde es mich freuen, wenn du das auf dem Podium dann auch so kundtust.
Philip Flacke: Das wird passieren.

Tina Sanders, KSV LiLi:

Foto: (c) Georg Marlovics

Tina Sanders / Foto: (c) Georg Marlovics

Hochschule bedeutet für mich?
Entfaltungsmöglichkeiten

Ein ideales Studium braucht für mich?
Freien Zugang

Meine Wahlversprechen in einem Satz:
Wir werden ganz viel kämpfen.

 

Philip Flacke, FLÖ:

Foto: (c) Georg Marlovics

Philip Flacke/ Foto: (c) Georg Marlovics

Hochschule bedeutet für mich?
Freie Bildung

Ein ideales Studium braucht für mich?
Wahlfreiheit

Meine Wahlversprechen in einem Satz:
Wir werden uns auch weiterhin für die Studierenden einsetzen.

 

 

 

 

Titelbild: (c) Georg Marlovics

 

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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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